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Chisholm-Trail

2021 112 Seiten

Zusammenfassung

Viele Jahre lang hat Noah Crocket seinen Hass auf den Rancher Jordan gepflegt. Als sich nun die Möglichkeit bietet, sich für die unehrenhafte Entlassung aus der Armee zu rächen und den Rancher zu ruinieren, löst er damit einen Indianerkrieg aus. Rio Grande Charly steckt mittendrin und hat keine Möglichkeit die Katastrophe zu verhindern.

Leseprobe

Table of Contents

Chisholm-Trail

Copyright

Prolog

1

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Chisholm-Trail

Western von W. K. Giesa

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

 

Viele Jahre lang hat Noah Crocket seinen Hass auf den Rancher Jordan gepflegt. Als sich nun die Möglichkeit bietet, sich für die unehrenhafte Entlassung aus der Armee zu rächen und den Rancher zu ruinieren, löst er damit einen Indianerkrieg aus. Rio Grande Charly steckt mittendrin und hat keine Möglichkeit die Katastrophe zu verhindern.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

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© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Prolog

Wie lange kann ein Mensch hassen? Muss nicht irgendwann der Tag kommen, an dem alle Rachegedanken verblassen? Für Noah Crocket schien es diesen Tag nicht zu geben. Seit anderthalb Jahrzehnten fraß ihn der Hass langsam auf. Und seine Gedanken kreisten nur um das eine Ziel: „Captain“ Clay Jordan zu ruinieren: den Mann, der ihn damals, zur Zeit des Bürgerkrieges, gedemütigt und in die Gosse des Lebens hinabgestoßen hatte.

 

1

Jesse Calhoun sah zufällig zur Pendeltür des Saloons, als der hochgewachsene junge Mann eintrat. Wie beiläufig blickte der blonde Hüne sich um, aber Calhoun war sicher, dass ihm keine Einzelheit entging.

Das war Rio Grande Charly, Hängerichter Parkers Deputy Marshal.

Jesse Calhoun bemühte sich, es wie Zufall wirken zu lassen, wie er sich so drehte, dass Rio Grande Charly sein Gesicht nicht mehr sehen konnte.

Der Mann trug zwar keinen Stern an der Brust, aber Calhoun kannte ihn. Er war einmal knapp davongekommen, als Rio Grande Charly in Aktion trat. Calhoun war nicht sicher, ob der Deputy ihn damals erkannt und sich sein Gesicht eingeprägt hatte, und er war auch nicht sicher, ob er jetzt wegen Calhoun oder der gesamten Mannschaft um Noah Crocket hier war, oder ob es reiner Zufall war.

Aber dieser Mann war gefährlich.

Unter dem Tisch tastete Calhoun nach seinem Revolver. Er löste die kleine Schlaufe, die über dem Hammer lag und verhinderte, dass der Colt versehentlich aus dem Holster rutschte, und schob sie zurück. Dann legte sich sein Daumen auf den Hammer und wollte ihn langsam zurückziehen.

Es klickte leise. Das Geräusch ging im Saloonlärm unter.

Vorsichtig zog Calhoun, immer noch unter dem Tisch, die Waffe und beugte sich so weit vor, dass kaum jemand sie in dem schummerigen Licht der Petroleumlampe sehen konnte. Er richtete die Mündung auf Rio Grande Charly, der jetzt am Tresen stand und etwas sagte.

Calhouns Zeigefinger krümmte sich um den Abzug.

 

 

2

Clinton war ein kleines Nest, das aus ein paar Häusern, einer Kreuzung und einem Saloon bestand. Okay, einen Sheriff gab es auch, der sein Office nahe an der Kreuzung hatte, schräg gegenüber dem Saloon, aber damit hatte es sich schon. Falls es hier einen Reverend gab, musste er seine Sonntagspredigten im Saloon abhalten; eine Kirche oder auch nur eine kleine Kapelle hatte Charly Wash nicht entdeckt.

Clinton lag etwa auf halber Strecke zwischen Oklahoma und der Grenze zum Panhandle von Texas. Vermutlich verdankte der Ort seine Existenz der Tatsache, dass er am Washita River lag und ein paar Dutzend Meilen weiter ostwärts der „Chisholm-Trail“ vorbeiführte, auf dem die Rinderzüchter aus Texas ihre Herden quer durch Oklahoma zu Bahnstationen in Kansas zu treiben pflegten. Es war anzunehmen, dass eine aufstrebende Stadt wie Oklahoma City wilde Cowboys ungern sah; also wichen sie nach Clinton aus, wenn sie Station machten, um sich dort auszutoben.

So zumindest nahm Charly es an.

Immerhin war in dem kleinen Saloon eine Menge los. Dafür konnten nicht allein die wenigen Einwohner Clintons und der umliegenden spärlich gesäten Farmen verantwortlich sein. Der Bartender hatte alle Hände voll zu tun, alle Tische waren besetzt. In einer Ecke stand ein Klavier, das von einem hageren, grauhaarigen Männlein malträtiert wurde. Charly hatte schon bessere Spieler gehört. Aber welcher Künstler von Rang verirrte sich schon nach Clinton?

Dafür waren die Girls Spitzenklasse.

Sie waren zu viert, mit den Haarfarben gut sortiert von blond über braun und schwarz bis fuchsrot. Was sie trugen, war kaum der Rede wert. Man konnte die neckischen Sächelchen getrost als Unterwäsche bezeichnen; knappe Mieder, Rüschenhöschen, Strumpfhalter und schwarze Netzstrümpfe. Charly befeuchtete seine trocken werdenden Lippen. Ein Bild wie dieses hätte er irgendwo an der Ostküste oder in verruchten Goldgräberstädten erwartet, aber nicht hier, wo sich Fuchs und Hase eine gute Nacht wünschten.

Immerhin; das prächtige Gesamtbild lud zum Verweilen ein. Und er hatte ein wenig Ablenkung verdammt nötig. Gerade sechzehn Jahre war das Bürschlein gewesen, das ihm in die Kugel gelaufen war. Charly hatte den Boy festnehmen und nach Fort Smith bringen wollen. Aber der Junge war starrköpfig und wollte einfach nicht aufgeben. Er hatte dermaßen ungestüm angegriffen und Charly mit einem Feuerzauber eingedeckt, dass der junge Deputy nicht anders konnte, als den jungen Banditen mit einer Kugel zu stoppen. Er hatte die Schulter des Jungen treffen wollen, aber der hatte ausgerechnet in dem Moment einen unvorhersehbaren Sprung zur Seite gemacht.

Er war sofort tot gewesen.

Charly machte sich Vorwürfe. Ein bitterer Geschmack füllte seinen Mund. Vor Gericht wäre der Junge vielleicht ziemlich gut weggekommen. Aber wie hätte Charly es anders machen sollen? Er war gezwungen gewesen, sich zu verteidigen.

Mit schleppenden Schritten ging er bis zur Theke und schob den Stetson mit zwei Fingern etwas höher. Der Keeper sah ihn nur fragend an, während er am Zapfhahn stand und Gläser füllte, die von den Mädchen an den Tischen verteilt wurden.

„Einen Whisky zum Einstand“, sagte Charly und legte ein paar kleine Münzen auf den Tresen.

„Wenn du mehr trinken willst, setz dich an einen der Tische, Stranger“, sagte der Keeper nicht gerade unfreundlich. „Wir haben jede Menge zu tun, und ich möchte nicht immer zwischendurch Leute bedienen, die hier herumstehen und mich nervös machen, indem sie mir auf die Finger sehen.“

Charly zog die Brauen hoch. „Das sagt mir ein Keeper zum ersten Mal.“

„Ich werd‘ nun mal nervös dabei, Freund. Tu mir den Gefallen, ja?“ Er füllte ein Glas mit Whisky und schob es Charly zu. „Die Girls sind fix genug, da brauchst du nicht lange auf deine Drinks zu warten. Aber ich krieg‘s hier so besser in den Griff, verstehst du? Die Leute von Clinton kennen‘s, und Fremde gewöhnen sich daran.“

Charly drehte sich halb um und musterte die buntgemischte Gesellschaft, die zechte, spielte oder sich unterhielt und krampfhaft bemüht war, die musikalischen Übungsversuche des Klavierquälers zu überhören. „Sind das alles Einwohner von Clinton?“, fragte er.

„No, Mister. Ich weiß nicht, woher sie kommen. Vielleicht von einem Viehtreck. Ist mir auch egal, solange sie bezahlen und sich anständig benehmen.“

Charly nickte, nahm sein Glas und suchte sich einen Tisch, an dem noch Platz war. Die drei Männer, die sich dort unterhielten, nickten ihm grüßend zu, rückten aber etwas zur Seite und unterhielten sich nur noch leise. Verständlich, dachte Charly. Er warf wieder einen Blick in die Runde. Wie Cowboys sahen die Männer hier nicht aus. Dafür trugen zumindest die, bei denen Charly es sehen konnte, die Colts etwas zu tief. Weidereiter trugen das Holster am Hosengürtel. Da störte der Colt nicht beim Reiten und bei der Arbeit. Nur wer davon ausging, dass er seinen Revolver nicht dazu brauchte, mit dem Kolben Nägel in den Zaun zu schlagen oder mit Schüssen Rinder zu erschrecken und in die gewünschte Richtung zu jagen, trug seine Waffe etwas tiefer am Oberschenkel, damit er schneller ziehen konnte.

Auch Charly trug seinen Colt tief.

Das hatte ihm schon oft genug das Leben gerettet. Der Nachteil war, dass jeder ihn sofort als Revolvermann einschätzen musste.

Sein Whiskyglas war leer. Er wollte gerade die Hand heben und einem der Girls zuwinken, als die Schwarzhaarige von selbst neben ihm erschien. Sie strahlte ihn an. „Auch neu hier? Was willst du trinken?“

Charly deutete die gewünschte Größe an. „So einen Eimer Bier, wenn‘s recht ist. Ich bin Charly.“

„Ich bin Patsy“, sagte die Schwarze. „Bleibst du länger in Clinton, Charly?“

„Das kommt darauf an“, sagte Charly etwas zweideutig. Es kam darauf an, ob die Männer mit den tief geschnallten Colts auf Verdruss aus waren, und darauf, ob Charly weibliche Gesellschaft fand. Seit er die leichtgeschürzten Mädchen gesehen hatte, war ihm klar, was ihn auf andere Gedanken bringen konnte, weg von dem Jungen, den er hatte erschießen müssen.

„Würde mich freuen“, sagte Patsy leise. „Dein Bier kommt gleich, Charly.“

Der Klavierspieler wollte immer noch nicht aufhören. Charly fragte sich, warum ihn noch keiner aus dem Fenster geworfen hatte und das Instrument gleich hinterher. Aber vielleicht waren die Leute hier einfach nichts Besseres gewöhnt.

Patsy kam mit dem Bier. Sie zeigte deutlich, dass er ihr gefiel, und er hatte ähnliche Empfindungen. Sicher war er aber erst, als sie ihm zu verstehen gab, wann sie Feierabend hatte und dass sie hier im Saloon ein kleines Zimmer bewohnte. „Am Ende des Korridors“, raunte sie ihm leise zu.

Charly lächelte.

Vielleicht fand der Fall auf diese Weise doch noch einen erfreulichen Abschluss. Er blies den Schaum vom Bier und trank in kleinen Schlucken.

 

 

3

Eine Faust umklammerte Jesse Calhouns Revolverhand. „Bist du wahnsinnig?“, zischte Bud Memphys. „Was soll der Schwachsinn?“

Calhoun ließ den Abzug los. Er starrte erst seinen Colt an, dann Memphys. Vorsichtig entspannte er den Hammer wieder und schob die Waffe ins Leder zurück.

„Du musst den Verstand verloren haben, hier einfach mitten im Saloon losballern zu wollen“, fuhr Memphys scharf fort. „Das fehlte jetzt gerade noch. Garantiert kommt der Sheriff hinzu … vergiss nicht, dass wir morgen früh etwas zu tun haben!“

„Schon gut“, murrte Calhoun. „Du hast recht. Aber lass uns verschwinden. Hier stinkt‘s plötzlich nach ‘nem Sternschlepper.“

„Was soll das heißen, Jesse?“

„Siehst du den Mann da? Den mit der Lederweste? Sie nennen ihn Rio Grande Charly. Das ist einer von Richter Parkers Männern.“

„Du bist verrückt“, keuchte Memphys auf. „Woher willst du das wissen?“

„Ich weiß es“, sagte Calhoun. „Dieses Gesicht vergesse ich in meinem ganzen Leben nicht mehr.“

„Und er kennt dich auch?“

„Ich weiß es nicht, Bud. Ich fürchte es aber. Wenn er mich sieht, geht hier der Tanz los, und dann ist es mit unserer morgigen Aktion erst mal Essig.“

„Und deshalb wolltest du ihm eine Kugel in den Rücken jagen? Du bist verrückt, Mann. So etwas macht man nicht mitten im Saloon.“

„Vielleicht ist er wegen uns und Crocket hier“, sagte Calhoun.

„Wenn er ein Marshal ist“, sagte Memphys, „kaufen wir ihn uns später. Du verschwindest erst mal aus dem Saloon. Ich beobachte ihn weiter. Er scheint sich mit einem der Saloonkätzchen anzufreunden. Vielleicht nimmt sie ihn mit hinauf ins Zimmer. Notfalls können wir so etwas arrangieren. Dann stellen wir fest, ob er einen Stern hat, und wenn ja …“ Er fuhr sich mit der flachen Hand über die Kehle. „Das geht dann unauffällig ab, nicht in aller Öffentlichkeit. Klar? Manchmal muss man auch denken, mein Freund.“

Calhoun nickte. Bud Memphys hatte recht. Crocket hätte ihn auspeitschen oder erschießen lassen, wenn wegen seiner Voreiligkeit die Sache morgen platzte. Calhoun passte einen Moment ab, in dem Rio Grande Charly in die entgegengesetzte Richtung sah, dann erst erhob er sich und verließ fast fluchtartig den Saloon.

 

 

4

Charly Wash blieb bis zuletzt. Es war schon lange nach Mitternacht, als der Keeper endlich die Stühle hochstellen konnte. Die Männer mit den tief geschnallten Colts waren verschwunden. Charly fragte sich, ob sie in Clinton übernachteten, und wenn ja, wo das sein würde. Er hatte zwar inzwischen erfahren, dass es in der Etage über dem Saloon nicht nur die Zimmer der Mädchen gab, sondern auch Fremdenzimmer, aber von einem richtigen Hotel war dieses Haus noch weit entfernt.

Charly selbst hatte ebenfalls ein Zimmer angemietet. Er war zwar fast sicher, dass er es nicht in Anspruch nehmen würde, aber es bestand ja doch noch die Möglichkeit, dass Patsy ihn nur hatte zum Narren halten wollen. Außerdem hatte er so seine Sattelrolle mit Decke, Ersatzkleidung und Essgeschirr herüberholen können. Im Zimmer waren die Sachen besser aufgehoben als im Mietstall, in dem er seinen Palomino untergebracht hatte.

Charly verließ den Saloon und stieg die Treppe hinauf. Oben orientierte er sich. Rechts befand sich das Zimmer, das er gemietet hatte und in dem seine Sachen lagen, links am Ende des Korridors musste sich Patsys Zimmer befinden. Charly lächelte. Vor der Tür blieb er stehen und klopfte leise an.

„Komm herein“, hörte er von drinnen Patsys gedämpfte Stimme.

Er öffnete die Tür, die nach innen aufschwang, betrat das Zimmer und ließ die Tür hinter sich wieder ins Schloss gleiten.

Zwei Kerzen brannten und ließen ihn die Spur erkennen, die Patsy gelegt hatte. Ein rechter Schuh, ein linker Schuh, ein rechter Strumpf, ein linker Strumpf, ein Mieder, ein mit Rüschen besetztes Höschen … Charly schluckte. Ihm wurde warm. Diese Einladung ließ an Deutlichkeit nichts mehr zu wünschen übrig.

Die vielversprechende Spur endete vor dem breiten Bett. Unter einer dünnen Decke lag Patsy, die schwarzhaarige Schönheit. Sie sah Charly aus halbgeöffneten Augen entgegen. Er kauerte sich vor dem Bett nieder und streckte die Hand nach Patsy aus. Das Girl richtete sich halb auf, und die Decke, die die Umrisse ihres schlanken Körpers nachgezeichnet hatte, verrutschte und gab ihre festen Brüste frei.

Ein aufregender Anblick.

Was nicht stimmte, war der Ausdruck in ihren Augen, die sich jetzt weiteten. Trotz des unzureichenden Lichts glaubte Charly darin Angst zu lesen.

Angst vor wem?

Charly nahm den Luftzug wahr.

Aber er konnte nicht mehr schnell genug reagieren. Der Anblick der unbekleideten Patsy hatte ihn zu sehr abgelenkt. Noch während Charly herumfuhr, traf ihn der wuchtige Schlag und schleuderte ihn neben dem Bett auf den Boden. Vor seinen Augen tanzten bunte Ringe. Er kämpfte gegen die Bewusstlosigkeit an, wollte sich wieder aufraffen und dem nächsten Schlag ausweichen, als es ihn erneut mit der Wucht eines Dampfhammers traf. Da gingen für ihn die Lichter endgültig aus.

 

 

5

„Bist du verrückt? Du hast ihn erschlagen“, knurrte Bud Memphys verärgert. „Wir hatten abgemacht, dass wir ihn niederschlagen und untersuchen …“

„Na und?“, knurrte Jesse Calhoun. Er warf einen Blick auf das Mädchen, das sich bis jetzt unter Kontrolle gehalten hatte. Jetzt aber schlug Patsy die Hände vors Gesicht und begann zu schluchzen. Hoffentlich schreit sie nicht, dachte Calhoun. Aber vermutlich hatte Patsy dafür zu große Angst vor dem Revolver, den Memphys nach wie vor auf sie gerichtet hielt.

„Nur ein toter Sternträger ist ein guter Sternträger“, sagte Calhoun. „Pass auf, ich beweise es dir.“ Er machte sich an Charly zu schaffen, der aus einer Kopfwunde blutete. Hastig durchsuchte Calhoun ihn, dann wurde er fündig. „Hier“, stieß er hervor und hielt den silbernen Stern hoch. „Reicht dir das als Beweis?“

Direkt neben ihm auf dem Bett kroch Patsy förmlich bis zur Wand zurück, wickelte sich krampfhaft in ihre Decke ein.

„Was machen wir nun mit ihm?“, fragte Memphys unbehaglich.

„Was schon? Wir scharren ihn ein. Damit ist die Sache erledigt. Der verdammte Hängerichter hat einen Büttel weniger.“ Calhoun trat mit der Stiefelspitze nach Charly.

„Das war Mord, Jesse“, murmelte Memphys. „Das Mädchen hat‘s gesehen …“

„Das Mädchen wird keiner fragen“, sagte Calhoun kalt. „Wir sind weg, diesen Fremden wird keiner mehr vermissen, und wenn das Girl zum Sheriff läuft …“ Er starrte Patsy finster an und machte mit Daumen und Zeigefinger eine Bewegung. „Peng“, sagte er. „Oder ein Messerstich ins liebende Herz, haha. Wenn du uns verpfeifst, Kleine, haben wir immer noch genug Zeit, dich fertigzumachen. Klar?“

Patsy nickte. Sie war totenblass und einer Ohnmacht nahe.

Ganz so kaltblütig, wie er sich gab, war Calhoun nicht. Aber das merkte niemand, nicht einmal Memphys. Wie seinem Komplizen widerstrebte es auch Calhoun, das Mädchen zu töten. Er hoffte, Patsy werde die Klappe halten. Dann war alles okay. Solange kein Kläger auftrat, gab es keinen Jäger und erst recht keinen Richter. Okay, er hatte diesen Rio Grande Charly nicht erschlagen wollen, zumindest nicht mit dem Mädchen als Zeugen. Nur niederschlagen und durchsuchen. Aber er hatte mit dem Gewehrkolben eben etwas zu fest zugedroschen. Pech. Es war eben passiert und ließ sich nicht mehr ändern. Jetzt galt es, so gut und schnell wie möglich davonzukommen.

Calhoun bückte sich, zerrte Charly hoch und schleifte ihn zum Fenster, das er öffnete. Dann ließ er den blonden Texaner einfach nach draußen fallen. Es gab ein weiches Rascheln anstelle des dumpfen Polterns, das Calhoun erwartet hatte. Er sah nach draußen. Der Tote war auf ein paar Strohballen gefallen, die unter dem Fenster gestapelt waren.

„Merk‘s dir gut, Kleine“, sagte Calhoun. „Wir kommen zurück und bringen dich um, wenn du an die große Glocke hängst, was hier passiert ist.“

Die beiden Männer verließen das Zimmer, um Rio Grande Charly unter die Erde zu bringen.

Mit zusammengepressten Lippen sah Patsy ihnen nach. Als die Schritte der beiden Männer auf dem Korridor verklangen, huschte sie zum Fenster und sah nach draußen.

Wenig später tauchten die beiden draußen auf. Einer lud sich den Toten über die Schulter, der andere trug einen Spaten und eine Hacke. Sie verschwanden aus Patsys Sichtfeld.

Aber sie hatte etwas gesehen, das den anderen entgangen war.

 

 

6

Charly erwachte mit dem Gefühl drückender Enge. In seinem Kopf dröhnte und schmerzte es, und er verspürte beginnende Atemnot. Als er die Augen öffnen wollte, drückte etwas dagegen, und er schloss sie hastig wieder, aber es war ihm bereits etwas hereingekrümelt. Durch heftige Zwinkerreaktionen wurde das auch nicht besser. Er wollte vorsichtig reiben, schaffte es aber nicht, sich zu bewegen!

Tonnengewichte lasteten anscheinend auf ihm!

Er wollte hoch, schaffte es nicht. Als er nach Luft schnappte, drang Erdreich in seinen Mund. Er würgte, wollte ausspucken. Sein Körper verkrampfte sich. Ein Erstickungsanfall packte ihn, aber er konnte sich nicht einmal zusammenkrümmen. Schweiß brach ihm aus allen Poren, und immer wieder kam der grelle Schmerz von der Kopfverletzung.

Er begriff, wo er sich befand, aber das Begreifen machte es nicht weniger furchtbar: man hatte ihn begraben! Lebendig! Einfach in ein Loch geworfen und zugeschaufelt!

War er nur deshalb wieder erwacht, um jetzt hier zu ersticken?

Panik! Todesangst! Wieder bäumte sich alles in ihm auf. Diesmal schaffte er es, sich etwas zu bewegen. Die Erde war nicht richtig festgestampft. Charly bekam etwas Platz. Vor allem für seinen Kopf! Er hustete, spuckte Erde aus, und durch die Erschütterungen rutschte sie sofort wieder nach. Himmel!, dachte er. Lieber Gott, hilf mir …

Am liebsten hätte er geschrien. Aber das nützte ihm nichts.

In dieser letzten Anstrengung hatte er alle Reserven, die er noch besaß, verpulvert. Er erschlaffte. Die Sinne begannen ihm zu schwinden.

Und dann war da plötzlich Luft.

Luft!

Mit einem japsenden Schrei soff er sie in seine Lungen, hustete, spuckte wieder Erdkrumen. Das Loch über ihm wurde größer. Er sah Sterne, sah Himmel und einen Engel über sich, der ihn befreite … einen Engel mit schwarzem Haar … und dann verlor er wieder die Besinnung.

Als er zum zweiten Mal erwachte, hatte das Mädchen ihn fast freigelegt. Sie grub mit den Händen. Ein Spaten lag neben ihr, aber den hatte sie wohl nur anfangs eingesetzt. Schließlich wollte sie ihn damit nicht verletzen.

Patsy …

Charly versuchte sich aufzurichten, stützte sich auf die Ellenbogen. Wieder hustete er. Seine Worten waren ein kaum verständliches, heiseres Krächzen. „Was … ist passiert?“

„Später“, stieß Patsy hervor, selbst über und über mit Erde beschmutzt. „Kannst du aufstehen und gehen? Bist du in Ordnung?“

Charly nickte. Aber dann kam er doch nicht allein auf die Beine. Patsy stützte ihn. Vor seinen Augen tanzten schwarze Flecke. „Was …“, wollte er wieder fragen, aber Patsys Zeigefinger legte sich auf seine Lippen. „Später“, wiederholte sie.

Sie half ihm ins Haus, eine Treppe hinauf, und dann fand er sich auf dem bekannten Korridor wieder. Patsy

führte ihn in ihr Zimmer, das ihm vorhin zum Verhängnis geworden war, und setzte ihn auf einen Stuhl.

Immer noch brannten nur die beiden Kerzen.

Jetzt, wo er saß, fühlte er sich wieder etwas besser. Aber da war dennoch eine Übelkeit, die aus der Tiefe kam und hochsteigen wollte. Er kämpfte dagegen an.

„Das war eine Falle, nicht wahr?“, stieß er hervor. Er konnte wieder halbwegs klar denken. „Du hast ihnen geholfen, ich hab‘s in deinen Augen gesehen. Wer war es?“

„Zwei Männer“, sagte sie leise. Sie kniete jetzt vor ihm, fasste nach seinen Händen. „Charly bitte, … hör mich an! Ich musste es tun. Sie hätten mich getötet. Die ganze Zeit war ein Revolver auf mich gerichtet. Sie standen hinter der Tür, da …“ Sie deutete auf die Stelle, wo Memphys gestanden hatte.

Er tastete nach seinem Gesicht, betrachtete seine Hände. Alles war verschmiert.

„Was wird hier gespielt?“, fragte er. „Was waren das für Kerle?“

„Die Fremden“, sagte sie. „Die heute Nachmittag kamen. Ihr Boss ist ein Mann namens Crocket, mehr weiß ich nicht. Die beiden Kerle waren schon hier, als ich heraufkam. Sie zwangen mich, mich auszuziehen. Dann kamst du. Sie schlugen dich nieder. Einer holte einen Stern aus deiner Tasche. Sie hielten dich für tot und gingen hinaus, um dich zu begraben. Aber ich sah, dass du einmal mit den Augenlidern gezuckt hast. Das schafft kein Toter. Da bin ich hinterher und habe dich wieder ausgegraben, kaum dass sie weg waren.“

„Wie … wie lange war ich …“

„Ganz kurz nur“, sagte sie.

Draußen erklang Hufschlag. Erst ein Pferd, dann drei, fünf, viele. Charly konnte sie nicht mehr auseinanderhalten. Eine ganze Truppe von Reitern trabte am Saloon vorbei. Er wollte aufstehen, aber Patsy drückte ihn auf den Stuhl zurück. „Du kannst doch nichts sehen. Das Fenster geht nach hinten“, sagte sie.

Die Männer im Saloon, dachte Charly. Crocket … den Namen hatte er nie gehört. Warum hatten sie ihn niedergeschlagen?

Er sah seinen Deputy-Stern auf dem Boden neben dem Bett liegen. Hatte jemand gewusst, dass Charly für Richter Parker ritt? Aber wer? Der Texaner versuchte immer, so unauffällig wie möglich zu arbeiten. Wenn er sich den Stern an die Brust heftete, gingen ihm Galgenvögel aus dem Weg. Oder sie schossen schneller aus dem Hinterhalt, als er sie entdecken konnte.

Trotzdem war er sicher, dass ihn jemand erkannt hatte.

Wieder versuchte er sich zu erheben und schaffte es auch. Aber ihm wurde schwindlig. Er war doch stärker angeschlagen, als er gedacht hatte.

Er musste sein Vorhaben, den Männern nachzureiten, aufgeben.

„Du bist verletzt und schmutzig“, sagte Patsy leise. „So kommst du mir nicht ins Bett. Warte, ich helfe dir.“ Sie schaffte aus einer Zimmerecke eine Wasserschüssel und einen Lappen herbei und begann Charly auszuziehen. „Die Sachen müssen dringend gewaschen werden“, sagte sie. Dann säuberte sie Charly und legte ihm einen Verband an. Er ließ es sich gefallen wie ein kleines Kind. Es war ein angenehmes Gefühl, umsorgt zu werden, und Patsy war ganz nah bei ihm. Schließlich half sie ihm, zu ihrem Bett zu gehen und sich hinzulegen. Augenblicke später flog ihr Kleid in eine Ecke, und dann war sie neben ihm, warm und weiblich.

Charly lächelte.

„Es hat keinen Sinn“, sagte er leise. „Patsy, ich habe mein eigenes Zimmer hier. Ich bin … jetzt nicht in der Lage und in der Stimmung …“

„Du bleibst hier“, sagte sie entschieden. Patsy lächelte in der Dunkelheit und kuschelte sich an den großen Texaner. Sie hatte diesen Mann gewollt, als sie ihn unten im Saloon sah, und sie war glücklich, dass sie ihm hatte helfen können. Durch das offene Fenster konnte sie die funkelnde Sternenpracht sehen. Da dachte sie wieder an den Stern, der neben dem Bett lag und Charly Wash gehörte. Sie wusste, dass sie diesen Mann nicht halten konnte. Sie konnte nur die Stunden mit ihm genießen. Er gehörte nicht ihr, auch nicht einer anderen Frau, sondern dem Gesetz.

 

 

7

Das Erwachen war nahezu lautlos. Die Männer erhoben sich von ihren Decken, auf denen sie geschlafen hatten, teils halb unter dem Küchenwagen, teils unter dem Sternenzelt. Schwarzgrau zeichneten sich die Silhouetten der Nachtwachen vor dem roten Streifen der Morgendämmerung ab.

Die Herde war ruhig. Die Tiere schliefen noch. Aber schon in den nächsten Minuten würden auch sie erwachen. Ihre inneren Uhren gingen noch perfekter als die der Cowboys, die sich aus den Decken schälten, ihre Sachen zusammenrollten. Santer, der Koch, brachte das Feuer wieder in Gang, um Wasser für den Morgenkaffee zu erhitzen. „Eine Bohne Kaffee auf drei Liter Wasser“, spotteten die Männer gutmütig. Aber sie wussten schon, was sie an Bret Santer hatten. Die paar Jungs, die auf der Ranch zurückgeblieben waren, würden ihn vermissen.

Wie jedes Jahr, wenn der Captain seine Herde nach Norden trieb, nach Kansas hinauf, zur Bahnverladestation. Auf derselben Route, die einstmals Chisholm benutzt hatte, nach dem sie benannt worden war. Der „Chisholm-Trail“ von Texas nach Kansas, quer durch Oklahoma.

Fünfzehntausend Stück Vieh hatten sie diesmal; die größte Herde, die der Captain je zusammenbekommen hatte. Sie hatten mit der Aufzucht diesmal unglaubliches Glück gehabt. Es war ein Sprung nach vorn gewesen; der Viehbestand hatte sich fast verdoppelt. Wenn der Captain die Herde zu einem halbwegs vernünftigen Preis verkaufen konnte, hatte er fast ausgesorgt. Und mit ihm seine Männer, die für ihn durch dick und dünn gingen. So, wie sie es damals auch getan hatten, als sie gegen die Yankees kämpften. Er war damals ihr Captain gewesen, und er war es für sie auch heute noch, nach anderthalb Jahrzehnten. Auch wenn längst keiner von ihnen mehr auch nur ein einziges Teil trug, das noch an eine Uniform erinnerte.

Ex-Captain Clay Jordan kam zum Chuck-Wagen. Matt Brynner, der Vormann, hielt ihm die Faust mit hochgerecktem Daumen entgegen. „Alles okay“, sagte er. „In einer halben Stunde, schätze ich, sind wir wieder in den Sätteln.“

Jordan nickte.

Eigentlich war es närrisch, dass er selbst den Trailboss machte. Brynner wäre der richtige Mann dafür gewesen. Aber Jordan gehörte zu den Männern, die selbst leisten wollten, was sie anderen abverlangten. Wenn er die Herde nach Norden schickte, ritt er mit, das war immer so gewesen. Seine Männer kannten es nicht anders.

Die Männer kauten an Brot und Dörrfleisch und nippten am glühend heißen Kaffee. Jordan sah nach Norden, als könne er sehen, was sich hinter dem Grau der Morgendämmerung verbarg.

„Das Territorium ist so unsicher wie noch nie“, sagte Brynner. „Wir sollten mit Schwierigkeiten rechnen, Captain.“

Jordan drehte den Kopf. „Meinst du, die Rothäute würden versuchen, uns ein paar Dutzend Rinder abzunehmen? Die trauen sich an eine so große Herde nicht ‘ran.“

„Ich meine nicht die Indianer. Ich meine Banditen. Oklahoma ist ein Land ohne Gesetz.“

„Hierhin verkriechen sich die Einzelgänger“, behauptete Jordan. „Außerdem – nicht hier in dieser Gegend. Die gehen in die Berge, oder in den Osten. Hier ist Oklahoma City zu nahe.“

Brynner verzog das Gesicht. Er teilte die Meinung des Ranchers nicht „Trotzdem, Captain. Ich hab ein verdammt ungutes Gefühl. Wir sollten besser mit einem Überfall rechnen, oder mit was weiß ich.“

„Es wird nichts passieren. Wer greift schon eine Herde an, Matt? Wir liegen mit keinem anderen Rancher in Fehde, dass er versuchen könnte, sie uns abzunehmen. Die Leute von der Kreuzbalken-Ranch am Rio Grande treiben ihre Tiere auch jedes Jahr durch Oklahoma. Und ihnen ist auch noch nie was passiert. Du bist zu misstrauisch, Matt“

„Wir hätten wie früher durch den Panhandle treiben sollen.“

„Wir sparen hier Zeit. Und je kürzer der Trail, desto besser ist die Verfassung der Tiere, desto besser können wir sie verkaufen. Was nützt es uns, wenn die Biester abgemagert sind bis zum Gehtnichtmehr? Der alte Chisholm hat schon gewusst, warum er seine Herde hierher getrieben hat.“

„Dein Wort in Gottes Ohr, Captain. Mir gefällt dieses verdammte Oklahoma nicht“, knurrte Matt Brynner. Zwei Sekunden später war er tot.

 

 

8

Der Überfall kam mit der Gewalt und der Schnelligkeit eines Tornados. Dem Schuss, der Matt Brynner niedergestreckt hatte, folgten in schneller Folge weitere. Ein weiterer Cowboy zuckte zusammen, schrie auf und stürzte. Das Krachen der Schüsse schreckte die Rinder auf. Jäh erwachten die Tiere, begannen nervös und irritiert zu laufen.

„Überfall!“, brüllte Clay Jordan. „Überfall!“

Im ersten Augenblick dachte er an Indianer. Aber dann sah er die Reiter in der Morgendämmerung auftauchen, die zuerst aus der Ferne mit Gewehren geschossen und die Rinder aufgeschreckt hatten. Das sah nicht nach Indianern aus, obgleich sie Lärm machten wie eine ganze Horde Comanchen. Schießend ritten sie in vollem Galopp heran.

Ein weiterer Cowboy flog aus dem Sattel.

Die Herde begann jetzt als gewaltige Masse zu laufen. Ein riesiger Koloss mit Tausenden von Beinen. Ein Tier machte das andere nervös. Einige der Tiere begannen zu brüllen.

Jordan rannte zu seinem nervös tänzelnden Pferd, das er schon gesattelt hatte. Er riss das Gewehr aus dem Scabbard und feuerte auf die heranreitende Meute. Wieder schrie jemand.

„Haltet die Rinder auf!“, brüllte Jordan. Schuss auf Schuss jagte er aus der Winchester. Er fühlte sich um anderthalb Jahrzehnte zurückversetzt, in die Zeit des Bürgerkrieges. Damals wie heute ging es um sein Leben und um das seiner Leute, und diesmal ging es um noch mehr: Um die Herde, um die Existenz.

Er schaffte es nicht, die Outlaws zu zählen, die heranfegten wie ein Wirbelwind, schießend und schreiend. Sie waren in ständiger Bewegung. Jordan war sicher, noch nie so schlecht geschossen zu haben wie heute. Auch andere Cowboys feuerten jetzt. Drei, vier Mann jagten, tief auf den Pferde rücken geduckt, an der durchgehenden Herde vorbei, um die Spitze zu erreichen und eine Stampede zu verhindern, die jetzt auszubrechen begann. Jordan drehte den Kopf und sah, wie einer der Männer aus dem Sattel stürzte, mitgeschleift wurde … und dann verlor er ihn aus den Augen.

Vier, fünf Reiter rasten direkt auf Jordan zu, dessen Pferd sich losriss und durchging. Von einem Moment zum anderen stand der Rancher völlig ungedeckt. Eine Kugel pfiff haarscharf an ihm vorbei, und er ließ sich fallen, krümmte sich dabei zusammen. Er hatte Glück, dass die Outlaws aus vollem Galopp heraus schossen. So war die Wahrscheinlichkeit gering, getroffen zu werden. Wenn eine Kugel traf, dann nur aus Zufall. Schlimmer war, dass die aufgeschreckte Herde davonraste und sich zu zerstreuen begann.

Ein Reiter setzte mit einem weiten Sprung über Jordan hinweg auf den Chuck-Wagen zu. Schon waren zwei weitere da. Lassos flogen, fanden am Wagen Halt. Die Wurfseile spannten sich, als die Banditen anritten. Jordan kam auf die Knie, zielte und schoss. Es klickte nur. Das Magazin der Winchester war leer. Er zog den Revolver, aber die Schüsse verfehlten die Reiter. Der Kuchenwagen stürzte um. Die Seile wurden gekappt. Einer der Outlaws sprang aus dem Sattel und rannte auf den Wagen zu. Er sah den halb aufgerichteten Jordan, zog im Laufen den Colt und ließ heißes Blei auf den Rancher los. Jordan ließ sich fallen. Die Kugeln pfiffen haarscharf über ihn hinweg.

Details

Seiten
112
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738953350
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (April)
Schlagworte
chisholm-trail

Autor

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Titel: Chisholm-Trail