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Ein Killer und zwölf Särge: N.Y.D. – New York Detectives

2021 111 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Ein Killer und zwölf Särge: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Ein Killer und zwölf Särge: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

 

Zwölf Särge soll der Bestatter Calcetti liefern, gepolstert mit Geldscheinen, die der Auftraggeber mitbringt. Von diesem Augenblick an gibt es eine Menge Leichen, und nur langsam kommt Privatdetektiv Bount Reiniger dahinter, dass es sich um eine Abrechnung mit der Mafia handelt. Der Mörder geht buchstäblich über Leichen, und auch Bount soll dazu gehören.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Gian Calcetti – Er lebt davon, dass andere sterben.

Mario Clarimoni – Er soll sterben, weil er andere nicht leben lässt.

Frederic Miller – Der Deckname dient einem Toten, dessen Macht über das Grab hinausreicht.

Al Mandron – Er sitzt auf einer Bombe und geht mit ihr in die Luft.

June March – ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

 

 

1

„Zwölf Särge, bitte“, sagte der Mann und nahm seine schwarze, fast schon erkaltete Zigarre aus dem Mund. Er war sehr selbstsicher und gelassen. Die Bestellung gab er auf wie einer, der es gewohnt ist, seine Hemden im Dutzend zu kaufen.

Gian Calcetti griff nach Bestellblock und Katalog. Er war der Chef des Unternehmens und hatte an diesem Tag den Platz am Verkaufstresen für einen erkrankten Mitarbeiter eingenommen.

Die gutgehende Sargtischlerei war seinem Begräbnisunternehmen angeschlossen und befand sich in einem mehrstöckigen Hofgebäude der Fulton Street im Stadtteil Brooklyn. Die Fenster des Hauses wiesen zum Parkplatz und erlaubten jedem, der hinausschaute, eine Kontrolle der Zufahrt.

Calcetti hatte den Zigarrenraucher bereits beim Betreten des Hofgeländes bemerkt und gefühlt, dass etwas Ungewöhnliches zu erwarten war. Calcetti hatte ein Gespür für dramatische Entwicklungen, es hatte ihn auch diesmal nicht getäuscht.

„Bitte“, sagte Calcetti und öffnete den Katalog mit den Fotos der verschiedenen Modelle und Ausführungen. „Das ist unser breitgefächertes Luxusangebot. Sie werden darin finden, was Sie suchen. Zwölf, sagten Sie?“

Calcetti musterte den Besucher ebenso devot wie prüfend. Der Mann war um die Vierzig. Er hatte ein blasses, energisches Gesicht von düsterer Entschlossenheit und sah aus wie einer, der Befehle erteilt und Widerspruch hasst. Seine schmalen Lippen waren fast blutleer, die dunklen Augen lagen dicht beieinander, die Stirn wölbte sich über ihnen wie ein Balkon und ließ erkennen, dass ihr Besitzer kein Dummkopf war.

Bekleidet war er mit einem schwarzen, knielangen Raglanmantel, der offenstand und den dunkelblauen, sichtlich aus Schneiderhand stammenden Gabardineanzug zeigte. Er hatte einen kleinen, rotbraunen Lederkoffer mitgebracht, der neben ihm auf dem Tresen lag.

„Zwölf“, bestätigte der Besucher und legte seine Zigarre auf den Rand eines Aschers. „Ich brauche eine Sonderausführung.“

„Das ist kein Problem“, meinte Calcetti. „Wir sind darauf eingerichtet, jeden Kundenwunsch zu erfüllen, soweit es in unserer Macht steht.“

„Es steht in Ihrer Macht“, sagte der Besucher kühl. „Soviel ich weiß, sind Ihre Särge mit Samt oder Seide ausgeschlagen. Ich möchte, dass Sie ein anderes Material benutzen.“ Er öffnete den mitgebrachten Koffer. „Dieses hier.“

Calcetti fielen fast die Augen aus den Höhlungen. Der Koffer war randvoll mit Hundert-Dollar-Noten gefüllt.

„Sind die echt?“, entfuhr es ihm.

„Sehen Sie nach.“

Calcetti nahm einen Schein heraus, er befingerte ihn und hielt ihn gegen das Licht, dann ließ er ihn sinken. „Echt“, sagte er.

„Lassen Sie den Inhalt nachzählen, es sind genau hundertzwanzigtausend Dollar“, sagte der Besucher.

Calcetti begann zu schwitzen. Er war in New York aufgewachsen und hatte sich in einer Branche etabliert, die mit harten Bandagen kämpfte. Er kannte jeden Trick seiner Gegner und hatte sich mit denen arrangiert, ohne die man nicht existieren konnte, mit der Mafia nämlich. Er wusste um Skurrilitäten und Verrücktheiten prominenter Kunden, er war mit Härte und Grausamkeit vertraut, er hielt sich für einen, der buchstäblich mit allen Wassern gewaschen war und dem man nichts

Neues mehr bieten konnte, aber dieser Kunde hier demonstrierte, dass man noch dazulernen konnte.

„Okay, ich verstehe. Zwölf Särge, ausgeschlagen mit Hundert-Dollar-Noten“, sagte Calcetti. „Zehntausend pro Sarg. Richtig?“

„Richtig“, sagte der Besucher. „Ich zahle bar.“

„In diesem Falle ist Vorauskasse nicht nötig“, meinte Calcetti.

Er hatte ein Dutzend Fragen auf der Zunge, er wünschte den Namen des Kunden zu erfahren, vor allem den Verwendungszweck der Särge, aber er spürte, dass Fragen dieser Art nicht erwünscht waren und hielt es für angezeigt, sich in höflicher Diskretion zu üben.

„Jetzt wäre nur noch das Modell zu bestimmen“, meinte Calcetti.

„Ich nehme das Beste, was Sie zu bieten haben.“

„Sehr wohl, Sir. Zink oder Holz?“

„Holz“, sagte der Besucher.

Calcettis Blicke gingen über die Schultern des Kunden hinweg und erfassten die Bewegung, die im Hof entstanden war. Ein Mann im hellen, offenen Trenchcoat überquerte den Parkplatz und kam geradewegs auf den Laden zu. Der Mann bewegte sich zielstrebig, aber ohne Eile, er hatte die Hände in die Manteltaschen geschoben und schaute sich interessiert um.

Wieder meinte Calcetti zu spüren, dass etwas Ungewöhnliches im Gange war, er fühlte ein seltsames Kribbeln auf der Haut und registrierte, dass auch sein Kunde diese atmosphärische Veränderung wahrnahm. Der Besucher wandte den Kopf, er blickte aus dem Fenster und sah den Mann.

Calcetti zückte den Kugelschreiber. „Wohin darf ich die Särge liefern, bitte?“

„Ich lasse sie abholen.“

„Hm, sagen wir in zwei Wochen?“

„Ich brauche die Särge morgen“, sagte der Mann.

Die Tür öffnete sich, die Klingel schepperte. Der Mann im Trenchcoat betrat den Verkaufsraum. Er zog seine Rechte aus der Tasche. Seine Finger umspannten einen Revolver. Die Mündung der Waffe war mit einem Schalldämpfer versehen.

Calcetti hob unaufgefordert die Hände.

Der Mann im schwarzen Mantel rührte sich nicht, er kehrte Calcetti jetzt den Rücken zu. Der Sargfabrikant konnte nicht sehen, was im Gesicht des Bedrohten vorging.

Der Eindringling grinste. Er war nicht älter als dreißig und hatte ein rundes, glattrasiertes Gesicht mit vorquellenden Augen. Sie waren porzellanblau.

Er hob die Waffe, zielte und schoss.

Er schoss dreimal hintereinander.

Jeder Schuss weckte in dem großen, aber nicht sehr hohen Raum ein dumpfes Echo.

Der Mann im schwarzen Regenmantel zuckte vor und zurück, er versuchte sich am Tresen festzuhalten, aber das misslang. Er brach zusammen und blieb auf dem weißen Marmorboden liegen, ohne sich zu rühren.

Der Schütze trat näher. Er schob den Kopf seines Opfers mit der Fußspitze zur Seite, so dass er dessen weit offene, gebrochene Augen sehen konnte. Er nickte zufrieden, dann schaute er Calcetti an und erklärte mit leiser, keinen Widerspruch duldender Stimme: „Du wirst ein Begräbnis für ihn arrangieren. Dritte Klasse. Der Mann heißt für dich Frederic Miller. Merke dir das. Frederic Miller. Alle anderen Daten bleiben deiner Phantasie überlassen. Wir sorgen dafür, dass ein paar Trauergäste aufkreuzen, alles muss und wird ganz echt aussehen. Kapiert?“

Calcetti schluckte. „Aber das geht nicht, ich muss einen Totenschein haben und …“

„Kein aber!“, fuhr der Schütze ihm scharf ins Wort. „Was du brauchst, wirst du dir beschaffen – sonst endest du wie er.“

Calcetti nickte, er ließ die Hände sinken.

„Geht in Ordnung“, sagte er kaum hörbar.

 

 

2

Gian Calcetti sah zu, wie der Mann behutsam den Schalldämpfer anfasste und abdrehte, wie er Waffe und Dämpfer einsteckte und hinausging. Er ging, wie er gekommen war, ohne Eile, aber mit der Zielstrebigkeit eines Mannes, der niemals an sich und seinem Tun gezweifelt hatte.

Calcetti gab sich einen Ruck, er eilte um den Tresen herum zur Tür, schloss sie ab und hängte das Schild mit dem Aufdruck GESCHLOSSEN an das Fenster, dann ließ er die Jalousie herab, um sicherzustellen, dass niemand von draußen hereinschauen konnte.

Er schloss den Koffer mit den Geldscheinen und wunderte sich, dass der Gangster den Koffer entweder nicht bemerkt oder sich für dessen Inhalt nicht interessiert hatte. Seltsam! Hundertzwanzigtausend Dollar waren schließlich kein Pappenstiel.

Calcetti beugte sich über den Mann, der am Boden lag. Der Mann war tot. Calcetti kannte sich im Umgang mit Leichen aus. Es störte ihn nicht, sie anzufassen, das gehörte zu seinem Beruf.

Er packte den Toten an den Beinen und zerrte ihn um den Tresen herum in einen Nebenraum, dann besorgte er sich einen Eimer mit Wasser und einen Wischlappen, um die handbreite Blutspur aufzunehmen, die den kurzen Weg markierte.

Er leerte den Eimer in den Ausguss und wiederholte die Arbeit, danach wrang er den Lappen aus und überzeugte sich davon, dass im Verkaufsraum keine sichtbaren Spuren des Geschehens zurückgeblieben waren. Er stellte den Koffer zu dem Toten, schloss die Tür des Nebenraums ab und nahm den Schlüssel an sich.

Er öffnete die Jalousien, nahm das Schild ab, setzte sich hinter den Tresen und steckte sich eine Zigarette an. Es hatte den Anschein, als habe niemand im Haus bemerkt, was geschehen war. Ein Wunder war das nicht, in den beiden oberen Etagen befanden sich die Tischlereiräume, dort sorgten Motorsägen und andere Maschinengeräusche dafür, dass die Schüsse nicht gehört worden waren. Zur Tatzeit war Millie, die Buchhalterin, nicht im Office gewesen, und Bremmer, der sonst im Verkaufsraum als Kundenberater tätig war, litt seit zwei Tagen an einer schmerzhaften Darm- und Magenerkrankung, der Arzt hatte ihm strikte Bettruhe verordnet.

Calcetti beruhigte sich langsam. Er hatte einen klaren Auftrag erhalten. Waren die hundertzwanzigtausend Dollar als Honorar für den Auftrag gedacht?

Für ihn war es kein Problem, ein Begräbnis zu fingieren, er leitete ein alteingeführtes Bestattungsunternehmen, er hatte Freunde bei der Polizei, und er wusste natürlich, wie die Papiere zu beschaffen waren, die man brauchte, um einer eventuellen Kontrolle begegnen zu können.

Calcetti genehmigte sich einen Cognac. Wenn er es recht bedachte, konnte er sich zu einem großartigen Geschäft gratulieren. Zugegeben, er deckte einen Mörder und dessen Organisation, er setzte sogar die eigene Existenz aufs Spiel, aber bei diesem Honorar ließ sich das vertreten, er hatte für weniger Geld schon krummere Dinger gedreht.

Calcetti stand auf. Im Hof war niemand zu sehen. Er schloss die Tür zum Nebenraum auf und knipste das Licht an, nachdem er die Tür hinter sich zugezogen hatte. Er beugte sich über den Toten und leerte dessen Taschen. Er fand einen Wagenschlüssel darin, ein goldenes Feuerzeug der Marke Flaminaire, ein unbenutztes, zusammengelegtes Taschentuch, eine Schachtel Marlboro, die zur Hälfte leer war, eine Dose mit Tabletten gegen Nierenschmerzen und einen Kugelschreiber mit den Initialen F. M.

Frederic Miller?

Calcetti fand es seltsam, dass der Mann keine Papiere bei sich gehabt hatte, weder eine Brieftasche noch Geld – den Kofferinhalt ausgenommen.

Calcetti nahm den Tascheninhalt des Toten an sich und ließ ihn in einem Plastikbeutel verschwinden, dann verließ er den Nebenraum und kehrte, nachdem er die Tür verschlossen und den Schlüssel abgezogen hatte, hinter den Verkaufstresen zurück.

Er überlegte, was zu tun war. Er musste mit Bruno sprechen, der würde ihm helfen, das Ganze zu arrangieren. Für ein paar Tausender ließ sich das machen. Bruno war ein alter Kämpe, der zu schweigen verstand und vor keiner Aufgabe zurückschreckte.

Calcetti wusste, dass es in dieser Stadt nicht ratsam war, seiner Neugierde die Zügel schießen zu lassen, aber er wünschte zu wissen, wer der Tote war, und was den Mann dazu bewogen hatte, zwölf Särge zu bestellen. Särge auf Vorrat?

Und warum hatte dieser Verrückte die Särge mit echtem Geld auspolstern lassen wollen?

Hatte er damit seine Verachtung gegenüber dem Geld ausdrücken wollen – oder gegenüber denjenigen, für die die Särge bestimmt gewesen sein sollten?

Überhaupt, was war das für ein Mann gewesen, der zu einer solchen Bestellung fähig gewesen war, und wer hatte den Killer beauftragt, diesen Mann aus dem Verkehr zu ziehen?

Calcetti seufzte. Er hasste es, in eine solche Geschichte verstrickt zu sein, ihn plagten dabei keine Gewissensskrupel, sondern eher die Befürchtung, dass der Sargbesteller Freunde haben könnte, die sein brutales Ende zu rächen wünschten.

Calcetti stand auf, als ein Kunde den Hof überquerte, eine gramgebeugte Witwe. Calcetti legte sein Gesicht in kummervolle Falten und stellte sich auf eine von Verständnis und Anteilnahme geprägte Beratung ein. Das Leben ging weiter. Die Toten brauchten ihre Betreuer.

 

 

3

Bount Reiniger folgte dem Sarg in gebotenem Abstand. Er war diesmal nicht beruflich unterwegs, ein alter Schulkamerad von ihm war plötzlich verstorben. Bount hatte sich aus Pietät und echter Anteilnahme verpflichtet gefühlt, an dem Begräbnis teilzunehmen.

Die Trauergemeinde war groß, sie kam nur einmal ins Stocken, als ein kleinerer Trauerzug ihren Weg kreuzte. Bount hörte kaum auf das, was der Prediger am offenen Grab zu sagen hatte, er genoss die blasse Frühjahrssonne und die sanfte Schönheit des Friedhofes, er dachte über den Tod nach, über sich selbst und die vielen Male, wo sein Beruf ihn gezwungen hatte, dem Ende ins Auge zu schauen, und er stellte sich die naheliegende, oft verdrängte Frage, wie lange sein Glück als Privatdetektiv wohl noch währen würde, und ob er in dieser Stadt und in diesem Beruf eine Chance hatte, ein alter Mann zu werden.

Er stellte die Frage weder ängstlich noch bedrückt, sie war für ihn jederzeit aktuell, er hatte sie im Übrigen schon wiederholt beantwortet, fast immer selbstlos, obwohl er nicht viel davon hielt, einen Heldentod zu sterben.

Nach der Trauerfeier reihte er sich in die lange Schlange der Kondolierenden ein, er drückte der Witwe die Hand und sagte, dass er jederzeit für sie da sei, falls sie Rat oder Hilfe brauchen sollte, dann ging er davon und überließ sich weiterhin den Fragen und Gefühlen, die die Umgebung in Ihm auslösten.

Es war seltsam, dass er im Zusammenhang mit diesen Gedanken plötzlich etwas hörte, das durchaus imstande war, ein Leben zu beenden.

Irgendwo fiel ein Schuss.

Er war kurz, hart und trocken.

Bount blieb stehen, er stellte seine Lauscher hoch, dann verfiel er in einen leichten Trab, er hastete hügelaufwärts der Stelle zu, wo der Schuss gefallen war.

Große, alte Grabdenkmäler, riesige Trauerweiden und andere Baumgruppen verdeckten ihm die Sicht. Ein paar alte Leute kamen ihm entgegen, sie musterten ihn verwundert, sie verstanden nicht seine Eile, die so gar nicht zu dieser düsteren, sanften und ruheheischenden Umgebung passen wollte.

Er rannte weiter und erreichte die Spitze des Hügels, dort blieb er stehen. Nur hundert Yards von ihm entfernt war eine Trauergemeinde auseinandergestoben. Bount erkannte sie wieder, es war die Gruppe, die den Trauerzug gekreuzt hatte, dessen Teilnehmer er gewesen war.

Der Sarg stand neben dem offenen Grab. Ein Mädchen beugte sich über einen Mann, der am Boden lag. Am Fußende des Sarges stand ein weiterer Mann, er schaute sich wie suchend um und tupfte sich das Gesicht mit einem blütenweißen Taschentuch ab.

Bount erreichte die Gruppe binnen einer Minute. Das Mädchen kniete am Boden, es kehrte ihm sein Gesicht zu. Es war tränenüberströmt.

„Er ist tot“, schluchzte es. „Er ist tot!“

Der Kopf des Toten ruhte in seinen Händen, es ließ ihn behutsam zu Boden gleiten, dann kippte es plötzlich um und verlor das Bewusstsein. Bount bewahrte es vor einem Fall auf den klebrigen Lehmboden. Während er die Ohnmächtige festhielt, schaute er den Mann an, der am Fußende des Sarges stand und einen völlig verdatterten Eindruck machte.

„Wo stand der Schütze?“, fragte Bount.

„Ich weiß es nicht“, murmelte der Mann und wandte den Kopf. Er streckte den Arm aus. „Ich hatte das Gefühl, dass der Knall von dort kam.“

Bount folgte dem ausgestreckten Zeigefinger, ohne etwas Verdächtiges zu bemerken. Es lag auf der Hand, dass der Schütze sich längst abgesetzt hatte.

„Wer ist der Tote – und wer ist das Mädchen?“, fragte Bount.

Der Mann gab sich einen Ruck, er schien seinen Schock überwunden zu haben. „Ehe ich diese Fragen beantworte, wüsste ich gern, wer Sie sind!“

„Bount Reiniger, Privatdetektiv.“

Das Mädchen hob blinzelnd die Lider, es schaute Bount an, es war klar, dass es die Worte mitgekriegt hatte.

„Privatdetektiv? Hatten Sie den Auftrag, dem Begräbnis beizuwohnen?“, fragte der Mann.

„Nein. Ich hörte den Schuss ganz zufällig. Wer sind Sie?“

„Mein Name ist Calcetti. Ich bin der Begräbnisunternehmer.“

„Wer ist der Tote?“, fragte Bount. „Ich meine nicht den im Sarg.“

„Ich weiß es nicht. Ich kenne die Trauergemeinde nicht“, sagte Calcetti.

Bount half dem Mädchen auf die Beine. Es lehnte sich gegen ihn, zitternd.

„Es ist mein Bruder“, flüsterte es. „Reggy Narisca.“

„Wir müssen die Polizei informieren“, sagte Bount. „Was ist mit den anderen?“

„Mit welchen anderen?“, fragte Calcetti.

„Mit den Trauergästen. Ich sehe sie nicht“, sagte Bount.

„Es waren nur ein Dutzend“, meinte Calcetti. „Als es knallte und dieser Mann umfiel, rannten sie in alle Himmelsrichtungen davon.“

„Das ist wahr“, flüsterte das Mädchen. Es löste sich von Bount, öffnete die Handtasche und nahm ein bunt-kariertes Batisttuch heraus. Es trocknete sich die Tränen. Sein Blick war dem Toten zugekehrt. Es war zu spüren, dass es seine Fassung zurückgewonnen hatte.

„Wer ist der Tote im Sarg?“, wollte Bount wissen.

„Ein Frederic Miller“, sagte Calcetti. „Ein Schneidermeister aus der Neptun Avenue, Brooklyn.“

„Todesursache?“, fragte Bount.

„Herzinfarkt. Lieber Himmel, was sollen diese Fragen?“, entrüstete sich Calcetti. „Hier geht es nicht um Miller, hier geht es um das Schicksal von Mr. – wie war doch gleich der Name?“

„Narisca“, flüsterte das Mädchen.

„Kommen Sie“, sagte Bount. „Wir gehen gemeinsam zur Friedhofsverwaltung und rufen die Polizei an.“

Sie setzten sich in Bewegung, das Mädchen ging in der Mitte. Bount blickte sie häufig von der Seite her an. Er fand Miss Narisca ungewöhnlich attraktiv, sogar schön. Er schätzte sie auf zweiundzwanzig. Sie hatte ein ebenmäßiges Gesichtsoval mit ausgeprägten Jochbeinen und großen, klaren Augen von violetter Tönung.

Ihr schwarzes Kostüm war von schlichter Eleganz, sie hatte rotblondes, kurzgeschnittenes Haar, das zum cremigen Weiß der glatten Haut und zum Schwarz der Trauerkleidung einen auffallenden Kontrast bildete, und schlanke wohlgeformte Beine.

„Wer hat das getan?“, fragte Bount unterwegs.

„Ich weiß es nicht“, erwiderte das Mädchen.

„Hatte Ihr Bruder Feinde, die Sie kennen?“

„Ich kenne nicht einmal seine Freunde.“

„Wer war Ihr Bruder, wovon lebte er?“, erkundigte sich Bount.

Das Mädchen schenkte ihm einen kurzen Blick, dann schaute es wieder geradeaus. „Reggy war Zeit seines Lebens ein Eigenbrötler, er wollte nichts von seiner Familie wissen, ich war die einzige, an der er hing. Er war fünfzehn, als er von zu Hause wegging und sich in New York niederließ. Meine Eltern haben sehr darunter gelitten, glaube ich – besonders in jenen wilden Jahren, als Reggy siebzehn wurde und immer wieder in den Polizeiakten auftauchte.“

„Wie alt ist er geworden?“

„Nächste Woche wollte er seinen achtundzwanzigsten Geburtstag feiern, deshalb bin ich hier. Reggy hatte mich eingeladen“, sagte das Mädchen.

„Sie standen in regelmäßigem Kontakt mit ihm?“

„Nein. Ich wohne in Chicago, bei meinen Eltern. Reggy und ich telefonierten hin und wieder miteinander, ich besuchte ihn, wenn ich in New York war das war alles.“

„Sie haben mir noch nicht gesagt, wovon er lebte“, äußerte Bount.

„Er war ein Spieler, glaube ich. Ein Profi.“

„Hm“, machte Bount. Es war überflüssig, mehr zu sagen. Spieler lebten gefährlich.

Sie erreichten die Friedhofsverwaltung. Bount übernahm es, die Polizei zu informieren. Danach rief er seinen Freund Toby Rogers an. Captain Rogers war Leiter der Mordkommission Manhattan. Der St. Thomas Friedhof, auf dem sich das Verbrechen ereignet hatte, gehörte nicht zu seinem Bezirk. Bount wünschte nur zu erfahren, was man im Police Headquarters über Reginald Narisca zu sagen wusste.

„Eine ganze Menge“, versicherte Toby Rogers grimmig. „Er war ein Killer.“

 

 

4

„Warum lief er frei herum?“, fragte Bount.

„Ein Mafia-Mann. Operierte nur mit voller Unterstützung seiner Organisation, also mit bestochenen Zeugen und gekauften Alibis. Es war einfach nicht möglich, ihn festzunageln. Dieses Problem haben offenbar andere für uns gelöst.“

„Wer sind die Gegenspieler seiner Organisation?“, fragte Bount.

„Wenn meine letzten Informationen noch stimmen, arbeitete Reggy-Boy für die Clarimoni-Clique. Sie kontrolliert als voll integriertes Mafia-Team die Nordseite. Eigentlich hat sie keine Gegner außer uns – keine Gangsterkonstellation würde es wagen, sich mit der Clarimoni-Clique anzulegen. Du wirst wissen, warum. Wer Clarimoni zu Fall bringen will, macht sich automatisch die Große Familie zum Feind.“

„Ist was über Nariscas Familie bekannt?“

„Er war ledig. Eltern und Geschwister leben in Chicago, sehr ehrenwerte Leute – jedenfalls sind sie niemals straffällig geworden.“

„Danke“, sagte Bount, legte auf und kehrte in den Warteraum zurück. Das Mädchen saß apathisch in einem Armlehnstuhl, Calcetti war verschwunden. Bount fragte, wohin der Leichenbestatter gegangen war.

„An die frische Luft, er sagte, dass er das Erlebte erst einmal verdauen müsse“, meinte das Mädchen.

„Ich kenne nicht einmal Ihren Vornamen.“

„Zena“, sagte das Mädchen und blickte ihn an. „Würden Sie für mich arbeiten? Das ist doch Ihr Beruf, nicht wahr? Ich kenne Sie nicht. Ich habe keine Ahnung, welchen Ruf Sie in dieser Stadt genießen, aber ich spüre, dass ich Ihnen vertrauen kann, und dass Sie Ihr Handwerk verstehen. Klären Sie dieses Verbrechen auf. Finden Sie Reggys Mörder.“

„Sie kommen billiger weg, wenn Sie diese Aufgabe der Polizei überlassen“, sagte Bount.

„Die Polizei hat in dieser Stadt alle Hände voll zu tun“, meinte das Mädchen. „Sie kann sich nicht um alles kümmern, aber wenn ich Sie mit dem Fall beauftrage, bin ich sicher, dass jemand am Ball bleibt.“

„Hundertfünfzig pro Tag, plus Spesen“, sagte er. „Ich werde versuchen, keinen Jahresjob daraus zu machen“, fügte er grinsend hinzu.

„Lieber Himmel, das ist eine Menge Geld“, erschrak das Mädchen.

„Ich weiß. Aber ich muss mein Office an der 7th Avenue, eine Angestellte und mich selbst unterhalten“, meinte er. „Mit dem, was ich verlange, käme ich nicht mal über die Runden. Mich retten gelegentliche Erfolgsprämien.“

„Die kann ich Ihnen nicht zahlen“, sagte Zena. „Meine Eltern betreiben in Chicago eine Offsetdruckerei, sie verdienen leidlich gut, aber die Konkurrenz ist hart, und zu großen Rücklagen hat es niemals gereicht.“

„Machen Sie sich darüber keine Gedanken“, meinte er. „Wer war Frederic Miller?“

„Ein Freund von Reggy. Reggy meinte, er sei es ihm schuldig, zu seinem Begräbnis zu gehen. Reggy bat mich mitzukommen“, sagte sie. „Ich wollte das nicht. Ich hasse Begräbnisse, außerdem kannte ich den Mann nicht. Ich tat es nur Reggy zuliebe.“

„Was hat Reggy über diesen Miller erzählt?“, fragte Bount.

„Warten Sie mal, sie haben zusammen die Schule besucht. Dieselbe Klasse, wenn ich mich recht erinnere. Reggy war ziemlich einsilbig, der Tod seines Freundes muss ihn deprimiert haben, jedenfalls fühlte ich, dass er nicht viel über ihn zu sagen wünschte.“

„Wussten Sie, dass Reggy von der Mafia bezahlt wird?“, fragte Bount.

Zena zuckte zusammen. „Nein!“, hauchte sie.

„Ich habe es gerade erfahren, aus erster Hand. Es kann gefährlich sein, sich um Reggys Tod zu kümmern. Ich sage das nicht, um auszusteigen, aber Sie müssen sich darüber klar sein, welche Risiken wir eingehen.“

„Risiken? Ich verstehe. Wir jagen einen Mörder. Er wird versuchen, sich zu wehren.“

„Das meine ich. Wollen Sie trotzdem weitermachen?“, fragte Bount.

Zena überlegte, sie biss sich dabei auf die Unterlippe. „Ja“, entschied sie dann. „Das bin ich Reggy schuldig. Er war mein Bruder.“

„Okay“, sagte Bount und stand auf. „Wie und wo kann ich Sie erreichen?“

„Ich bleibe zunächst in Reggys Wohnung“, meinte Zena. „Allerdings nur für eine Woche. Dann muss ich zurück nach Chicago. Ich arbeite in einer öffentlichen Bibliothek, halbtags. Den Rest meiner Zeit verbringe ich im Betrieb meiner Eltern.“

Als die Polizei eintraf, kam auch Calcetti zurück. Sie gaben zu Protokoll, was geschehen war.

„Ich besuche Sie heute Abend“, sagte Bount, als er sich von Zena verabschiedete. „Ich würde mich gern ein wenig in Reggys Wohnung umsehen. Rühren Sie dort nichts an und lassen Sie niemand herein, es sei denn, er käme von der Polizei und hätte einen Haussuchungsbefehl bei sich.“

Bount ließ sich Reggys Adresse geben, dann eilte er dem zum Ausgang schreitenden Calcetti hinterher. „Was geschieht mit dem Toten?“, fragte erden Unternehmer.

„Mit Miller, meinen Sie? Ich habe veranlasst, dass das Grab geschlossen wird“, sagte Calcetti. „Ich bin für den Sarg verantwortlich. Ich konnte ihn nicht gut im Freien stehen lassen, nicht wahr?“

„Wer hat das Begräbnis bestellt?“, fragte Bount.

„Da muss ich in meinen Unterlagen nachsehen“, meinte Calcetti. „Es war ein drittklassiges Begräbnis, Klasse C. Offen gestanden sind wir nicht darauf versessen, solche Feiern auszurichten. Die Gewinnspanne ist denkbar gering.“ Er lächelte entschuldigend. „Wir sind ein kommerzielles Unternehmen“, schloss er.

„Um so mehr überrascht es mich, dass Sie an diesem Begräbnis teilgenommen haben“, sagte Bount. „Sie können nicht zu jeder Bestattung gehen, nehme ich an. Warum nahmen Sie an dieser kleinen Zeremonie teil?“

„Ich betätige mich gelegentlich als Inspektor, ich überzeuge mich davon, dass meine Angestellten gute Arbeit leisten“, sagte Calcetti. „Das tue ich bei erst- und drittklassigen Begräbnissen. Auch die Armen haben Anspruch auf guten Service. Das ist ein Prinzip meiner Firma, das mir sehr am Herzen liegt, daran lasse ich nicht rütteln.“

„Ziemlich unkommerziell“, spottete Bount.

Sie hatten den großen Parkplatz vor den Toren des Friedhofs erreicht und blieben stehen. Gian Calcetti rückte seinen schwarzen Hut zurecht und zuckte mit den Schultern. „Das will ich nicht sagen“, meinte er. „Eine Firma wie die meine lebt von ihrem guten Ruf. Es macht einen tadellosen Eindruck, wenn der Chef sich um alles kümmert. Es belebt die unerlässliche Mund-zu-Mund-Propaganda. Insofern ist das, was wie verplemperte Zeit wirken mag, eine ausgezeichnete Reklame – also letzten Endes doch kommerziell.“

„Wer war Frederic Miller?“

„Warum interessieren Sie sich für ihn? Ein Toter wie jeder andere. Fragen Sie lieber, warum es den Trauergast erwischte, diesen Mr. Narisca.“

„Wer war Frederic Miller?“, wiederholte Bount.

„Das sagte ich Ihnen bereits. Ein Schneidermeister. Das steht jedenfalls in seinen Papieren. Ich habe keine Ahnung, ob er diesen Beruf bis zuletzt ausübte. Er wohnte in der Neptun Avenue hundertdreiunddreißig und war bei seinem Tod einundvierzig. Zufrieden?“

Bount hob irritiert die Augenbrauen. „Dann kann er unmöglich mit dem um dreizehn Jahre jüngeren Reginald Narisca in eine Klasse gegangen sein.“

„Wer behauptet das?“

„Zena, Nariscas Schwester. Reggy hat ihr das erzählt“, antwortete Bount.

„Unverständlich“, meinte Calcetti kopfschüttelnd. „Aber mein Problem ist das nicht. Darf ich mich jetzt verabschieden? Ich bin der Leiter eines Begräbnisinstitutes und Hersteller von Särgen. Sie können nicht von mir erwarten, dass ich mich an Ihrem Detektivspiel beteilige. Es ist Sache der Polizei, das Verbrechen aufzuklären.“

 

 

5

Gian Calcetti kletterte aus seinem Wagen, überquerte den Hof und schloss die Tür zum Verkaufsraum auf. Er war nachdenklich gestimmt und machte keinen Hehl aus seiner schlechten Laune. Reggy Nariscas Tod signalisierte Ärger – nicht nur mit den Behörden.

Calcetti zog die Jalousien hoch und blickte über die Schulter, als er Millies Stimme vernahm. Millie Frazer war seine Vertraute, sie war Buchhalterin, Sekretärin und Geliebte in einem.

„Bremmer hat angerufen, der Arzt besteht darauf, dass er noch zwei Tage im Bett bleibt.“

„Scheiße“, sagte Calcetti.

„Was ist los?“

Er entfernte das Schild mit dem Aufdruck GESCHLOSSEN und berichtete, was geschehen war. Er unterließ es, zu erwähnen, dass der getötete Narisca der Mann war, der hier im Verkaufsraum Miller erschossen hatte.

Millie brauchte nicht alles zu wissen, er hielt sie zwar für absolut zuverlässig und vertrauenswürdig, aber es gehörte zu seinen Prinzipien, niemals mehr zu sagen, als unbedingt erforderlich war.

„Ich muss zur Bank“, sagte Millie. „Hast du was wegzubringen?“

Er schüttelte den Kopf. Millie zog sich zurück. Er sah sie wenig später quer über den Hof zur Ausfahrt schreiten. Sie wird dick, konstatierte er missmutig, man kann es sich kaum noch leisten, mit ihr auszugehen.

Er überlegte, ob er es sich leisten konnte, Millie abzuhalftern und kam zu dem Schluss, dass das zu gefährlich sein würde, er musste wohl oder übel zu Millie halten.

Ein Mann tauchte im Hof auf, er näherte sich zielstrebig der Tür des Verkaufsraumes. Calcetti kannte den Mann nicht, spürte aber sofort, dass es wieder einmal Ärger geben würde. Dabei sah der Besucher ganz friedlich aus, er pfiff sogar vor sich hin. Calcetti schätzte ihn auf fünfunddreißig. Der Mann trug eine Sportkombination, Gabardinehose und Tweedsakko. Gute Qualität, wie Calcetti erkannte.

Der Mann war hellblond, er hatte ein sehr markantes Gesicht mit hellen Augen. Das Haar war dünn und fein, der Wind spielte damit und zwang seinen Besitzer dazu, es mit der Hand zu ordnen.

Der Mann betrat den Verkaufsraum, er schaute sich kurz um, näherte sich dem Tresen und legte seine gespreizten, schlanken Finger darauf. „Ich komme wegen der Särge“, sagte er. „Sie wissen schon. Das Dutzend. Wann kann ich die Ware abholen?“

Calcetti war zumute, als stieße ihm jemand einen Rammbock in die Magengrube. Er öffnete den Mund und schloss ihn wieder.

„Die Särge?“, echote er und war vergeblich darum bemüht, seine Stimme zu festigen. „Wie ist Ihr Name, bitte?“

„Mein Name tut nichts zur Sache – aber nennen Sie mich meinetwegen Al. Alfred. Was ist mit den Särgen?“

„Das muss ein Irrtum sein. Zwölf Särge? Die hat niemand bei mir bestellt.“

„Sind Sie ganz sicher?“, fragte der Blonde und lächelte maliziös. Er zeigte dabei zwei Reihen sehr weißer, fester Zähne. Das Lächeln machte Calcetti Angst. Er begriff, dass sein Hunderttausend-Dollar-Geschäft noch längst nicht unter Dach und Fach war.

Details

Seiten
111
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738953213
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (April)
Schlagworte
killer särge york detectives

Autor

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Titel: Ein Killer und zwölf Särge: N.Y.D. – New York Detectives