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Lüge, Hass und Tod

2021 117 Seiten

Zusammenfassung

Sie hatten die Agentur überfallen und den Town Marshal erschossen. Dann folgte eine überstürzte Flucht. Ein Aufgebot folgte ihnen.
Pat McMurray verlor den Anschluss an seine drei Komplizen. Sein Pferd brach sich im Gebirge ein Bein. Im Schneesturm übersah das Aufgebot den Mann zu Fuß, übersah den schlimmsten Banditen dieser vier Verbrecher.
Und McMurray hatte die Beute ...

Leseprobe

Table of Contents

Lüge, Hass und Tod

Copyright

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20

Lüge, Hass und Tod

Western von Glenn Stirling

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 117 Taschenbuchseiten.

 

Sie hatten die Agentur überfallen und den Town Marshal erschossen. Dann folgte eine überstürzte Flucht. Ein Aufgebot folgte ihnen.

Pat McMurray verlor den Anschluss an seine drei Komplizen. Sein Pferd brach sich im Gebirge ein Bein. Im Schneesturm übersah das Aufgebot den Mann zu Fuß, übersah den schlimmsten Banditen dieser vier Verbrecher.

Und McMurray hatte die Beute ...

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Er hat schwarzes Haar, ein schmales, hageres Gesicht, das ihn viel älter erscheinen lässt als die dreißig Jahre, die er wirklich alt ist. Jetzt, da er geht, zeigt sich, wie groß er ist, mindestens sechs ein Drittel Fuß.

Langer, so haben sie ihn immer genannt und gelächelt, wenn er ging, weil er X-Beine hatte, was für einen Reiter ein erstaunliches Attribut ist.

Pat McMurray ist es gewesen, der den Schuss auf den Town Marshal abgegeben hat, den tödlichen Schuss. Es bedrückt ihn aber nicht.

In seinem Leben hat es mehrere Manner gegeben, die den Kampf gegen ihn verloren hatten. Der Revolver an Pat McMurrays Hüfte ist glatt, ölig und vielbenutzt. Eine Mordwaffe. Die Waffe des Wolfes Pat McMurray.

Und er zieht sie aus der Halfter, als der Reiter sich ihm näherte. Noch kann ihn der andere nicht entdeckt haben, und McMurray stellt sich hinter die Deckung eines lehmbespritzten Strauches. Und dort wartete er. Wartete auf diesen Reiter, der im Schritttempo von der Stadt Cody her den zerfurchten Wagenweg entlangkommt. Ein Cowboy vielleicht, dem leichten zähen Pferd nach zu urteilen. McMurray denkt nur an dieses Pferd. Während sich seine Gedanken auf das Kommende konzentrierten, wächst der Wille in ihm, dieses Pferd zu besitzen, auf ihm zu reiten, nicht mehr auf wundgelaufenen Füßen durch den Morast des Tales waten zu müssen.

Der Reiter hält den Kopf gesenkt, schaukelt dösend im Sattel. Das Pferd trottet in alter Gewohnheit seinen Weg. Als es endlich den Kopf hebt und die Ohren nach vorn dreht, ist es für den Reiter zu spät.

Der Schuss trifft den Cowboy in die Schulter und wirbelt ihn aus dem Sattel. Das Pferd springt mit der Vorderhand hoch, wirft sich herum und will ausbrechen. Weil sein Reiter vor ihm niederschlägt, scheut das Tier erneut und läuft direkt auf Pat McMurray zu. Er springt dem Pferd entgegen, das wieder umkehren will, erwischt die schleppenden Zügel, kann sie fassen und reißt das Tier hart und brutal zurück. Das Pferd sinkt vor Schmerz in die Knie, weil es so gnadenlos an der Kandare gerissen wurde. Und ehe sich der Braune besinnt, ist Pat McMurray im Sattel, zieht die Sporen von der Brust her durch und jagt das entsetzte Geschöpf auf Cody zu. Erst nach einer Weile sieht er zurück und entdeckt die reglose Gestalt mitten auf dem lehmigen Weg. Ohne sich darum zu scheren, reitet er im Galopp weiter.

Rings um das Tal liegen die weißen Berge in der Dämmerung des Abends. Es ist der zweite Abend nach dem Überfall auf das Maklerbüro in Lenth. Beinahe vierzig Meilen hat Pat McMurray zurückgelegt — zu Fuß. Jetzt hat er ein Pferd. Man würde es in Cody vielleicht erkennen, aber die Nacht macht alle Pferde grau. Und damit hat Pat McMurray schon gerechnet, bevor er den Überfall auf den arglosen Reiter verübte, dessen Pferd er jetzt reitet. Was aus dem Mann werden mag, der dort draußen schwer verletzt im Schlamm liegt, bekümmert Pat McMurray nicht.

Im Dunkel der einbrechenden Nacht erreicht er die Stadt, lässt sein Pferd am Rande der Ortschaft zurück, indem er es einfach an einem Holm vor einem unbeleuchteten Haus anbindet. Um diese neun Meilen zu reiten, hat er einen Menschen niedergeschossen. Jetzt braucht er das Pferd nicht mehr.

Auch diesmal hat er wieder den Zufall auf seiner Seite. Schlimm für die anständigen Menschen, wenn Lumpen und Wölfe das Glück immer auf ihrer Seite haben. Erst der Schneesturm, dann die gestrige Nacht, und vorhin wieder ein anbrechender Abend. Nun aber die Siedler. Die ganze Stadt ist voll von ihnen.

Mit neunundzwanzig Wagen sind sie gekommen, um weiter westwärts zu ziehen. Vielleicht morgen. Vielleicht übermorgen. Neue Kolonnen sind unterwegs nach Cody. Es wimmelt von Fremden. Und niemand fragt Pat McMurray, warum er ein Pferd kaufen will. Warum ein Mann wie er einen Sattel braucht. Niemand fragt, zumal er zahlt. Er feilscht nicht, er zahlt. Er übernachtet auch im Hotel und schreibt mit steilen Buchstaben ins Hotelbuch den Namen: Clark Dolman.

Wie er auf diesen Namen kommt? Er entsinnt sich noch genau an den Mann. Damals in Texas, ziemlich nahe der Grenze war es gewesen, als ihm ein Rancher gegenübertrat, der fast so groß war wie er selbst. Ja, sogar dunkle Haare hatte er gehabt. Und schließlich hatten zwei Colts gekracht. Sie waren hinter Pat McMurray hergewesen, beinahe zwei Monate lang. Damals vor acht Jahren. Und nun gefällt es ihm, sich Clark Dolman zu nennen. Niemand stellte weitere Fragen. Es gibt zu viele Fremde in Cody in diesen Tagen.

Was wissen die Leute, dass der echte Clark Dolman vor acht Jahren im Big Bend starb.

Als er sein neues Pferd, einen lebhaften Fuchshengst, zum Mietstall bringt, stehen vor der Futterkammer zwei Männer im lebhaften Gespräch. Noch bevor sich Pat McMurray alias Clark Dolman aus dem Sattel schwingt, sieht er eine Frau über den Gehsteig auf die beiden Manner zugehen und den einen der beiden begrüßen. Der andere lächelt nur.

Eine Weile sitzt er reglos im Sattel und starrt zu den dreien hinüber. Dann erst, als der ältere Mann zu ihm hinsieht, steigt McMurray aus dem Sattel. Im Vorbeigehen, das Pferd am Zügel, hört er den älteren Mann sagen: „... das weiß der alte Storekeeper am besten. Fragt ihn! Wenn jemand den Treck führen kann, wird er den Mann für euch ausfindig machen. Ich wüsste einen guten Mann für euch, aber der ist oben im Gebirge um diese Zeit. Ein Pferdefänger. Er kommt erst im Sommer wieder hier vorbei. Und bis dahin wollt ihr sicher nicht warten.“

„Es ist so furchtbar, er wollte nur zurück, um das verlorene Pferd zu holen“, sagt das Mädchen, und in ihrer Stimme schwingt schmerzliche Trauer mit.

„Die Lumpen sterben eben nicht aus. Wofür mag es der Bandit getan haben?“, fragt der ältere Mann.

Und der jüngere antwortet: „Mac hatte nicht einmal Geld bei sich. Der Mörder muss in der Stadt sein. Wir haben das Pferd gefunden. Dort hinten stand es. An einem Haus angebunden ...“

Er weiß, wovon sie gesprochen haben. Und es erschreckt ihn, wie schnell der Tote gefunden worden ist. Tot? War der Mann auch wirklich tot?

Als McMurray einen freien Platz im Speisehaus gefunden hat, sieht er das Mädchen unweit von sich ebenfalls an einem Tisch sitzen. Zusammen mit dem jüngeren Mann, dem man unschwer den Siedler ansieht. Untersetzt, breit in den Schultern und muskulös. Seine breiten Fäuste ruhen wie Hämmer auf dem Tisch. Neben den beiden sitzen andere Siedler, die wohl offenbar zum gleichen Treck gehören.

Nach dem Essen geht McMurray auf sein Zimmer im Hotel, lässt sich heißes Wässer bringen und wäscht sich den Dreck der letzten Tage vom Leib. Dann schabt er sich den strubbeligen Bart ab, und er ist selbst erstaunt, wie sehr ihn das verändert.

Am folgenden Morgen erscheint er beim Barbier, lässt sich die Haare schneiden, kauft neue Kleidung im General Store und geht von da in den Saloon. Er weiß, was er damit riskiert, doch seine Sorge ist unbegründet. Es erkennt ihn niemand, obgleich auch hier der Mordanschlag auf den Treckführer des Manner-Trecks Gespräch Nummer eins ist. McMurray bestellt einen Whisky und sagt zu den diskutierenden Mannern an der Theke: „Es liegt immer wieder daran, dass nichts geschieht. Da bin ich jetzt aus Kirby heraufgekommen. Dort haben sie ein Jahr einen Verbrecher gesucht, und was meint ihr, Gents, wo er gesteckt hat? Er hat brav auf einer Ranch gearbeitet, und der Teufel hat sich um ihn gekümmert. Das sind Zustände, bei denen einem die Haare hochgehen.“

Ein dicker Mann schiebt sich näher und fragt: „Aus Kirby kommen Sie, Mister? Haben Sie vielleicht einen Job angenommen hier oben?“

„Nein, habe gehört, dass demnächst eine Telegraphengesellschaft herkommt, um eine Leitung zu ziehen. Wollte mich da als Scout bewerben“, behauptet McMurray.

Die Männer mustern ihn, besonders der Dicke. Dann sagt der: „Scout? Das können Sie gleich haben. Hier ist ein Treck ohne Scout. Sie wissen ja, was letzten Abend passiert ist.“

„Ich weiß es, natürlich. Aber ob diese Leute einen Scout brauchen, wusste ich nicht“, erwidert McMurray und gibt dem Kellner ein Zeichen, noch einen Whisky einzuschenken. „Würde Sie auch einladen, Gentlemen, aber ich bin pleite. Die paar Bucks, die ich noch habe, müssen für die Zeit reichen, bis die Company hier anfängt, eine Linie zu bauen.“

„Ich werde Ihnen helfen, Mister. Warten Sie hier, ich hole Owen Tokin! Er ist der Treckälteste. Ich will verdammt sein, wenn Sie nicht mit ihm einig werden.“

Der Dicke will gehen, aber McMurray hält ihn am Ärmel zurück.

„Moment mal, erst will ich wissen, wohin dieser Treck überhaupt zieht.“

„In die Carridge Ebene. Über die Rockys hinweg bis zum Carridge. Dort sind riesige Flächen von der Regierung für die Besiedlung freigegeben worden. Kein Run, jeder hat jetzt schon sein abgestecktes Gebiet.“

„Und was wird für den Scout bezahlt?“, fragt McMurray, als käme es ihm sehr auf diesen Lohn an.

„Hm“, meint der Dicke nachdenklich, „vielleicht würden Sie bei der Telegraphengesellschaft mehr bekommen. Aber es ist trotzdem nicht übel. Die Regierung zahlt dem Scout zweihundert Dollar, und jeder, der im Treck mitfährt, muss pro Wagen nochmals hundert Dollar zahlen. Aber das gilt für den Weg von Buffalo an. Für Sie würden es vielleicht etwas weniger sein.“

„Von Buffalo hierher ist es ein Kinderspiel. Die Berge, und dazu um diese frühe Zeit, sind die ganze Arbeit. Ich denke, dass mir diese Leute den vollen Lohn zahlen müssten“, erklärt McMurray.

Die anderen nicken zustimmend. Niemand findet diese Forderung unbillig.

„Wie viele Wagen haben diese Leute?“, fragt McMurray.

Der Dicke lächelt.

„Nur drei, Mister, nur drei. Aber das macht es für Sie nur einfacher.“

„Wären fünfhundert Bucks. Na schön, ich werde mir diesen ...“

„Tokin ...“

„Hm, diesen Tokin werde ich mir ansehen.“

 

 

2

Sie sitzen im Wagen des alten weißhaarigen Owen Tokin zusammen. Sein Sohn Mark, ein schmaler, dunkelhaariger, junger Bursche, seine Tochter Mary Ann, die McMurrays Begierde entzündet hat, und die Brüder Manner, zwei erdverbundene stämmige Manner um die vierzig, von denen der eine McMurray schon gesehen hat, als der sein Pferd in den Mietstall führte.

„Er mag ein tüchtiger Scout sein“, meint Jens Manner und pafft dicke Wolken aus seiner Pfeife zum Plandach des Wagens. „Ein finsterer Bursche ist er trotzdem. Seine Hände sind weich. Ich weiß nicht, aber er sieht aus wie ein Kerl, der noch nie so recht gearbeitet hat im Leben. Hände sprechen, ich gebe viel darauf.“

Sein älterer Bruder Art hakt die Daumen hinter die Weste und sagt brummig: „Diese Burschen aus dem Süden sind alle anders als wir. Er soll Texaner sein. Gut, wir sind kein Verein, und wir nehmen ihn nicht zu uns auf. Er soll uns über die Berge führen. Mehr wollen wir nicht. Was er sonst tut, kann uns egal sein. Ich bin dafür.“

Der alte Owen nickte nur.

„Dann holen wir ihn uns. Er wird es tun, hat er gesagt, soll er es also tun. Was ist mit Henry?“ Er wendet sich an das Mädchen. Sie zuckte die Schultern.

„Er hat gesagt, dass er nicht eher weiterzieht, ehe er nicht den Burschen hätte, der Mac niedergeschossen hat. Mac ist Henrys Freund. Und er werde diese Tat sühnen, hat er weiter gesagt.“

„Dieser verrückte Kerl. Hier ist ein Sheriff, der sich darum kümmern kann. Wir müssen weiter. Und Henry wird gebraucht.“

Die Männer sehen sich an, aber sie wagen nicht auszusprechen, was sie denken. Nämlich, dass Henry Johansen sowieso kein Mann für Mary Ann wäre.

Am Morgen des kommenden Tages spannen die Männer des Tokin-Trecks ihre Pferde an die drei Wagen. Immer sechs Pferde an einen Prärieschoner. An den letzten kommt die kleine Remuda, die aus sechs kräftigen Zugpferden besteht.

Als sie fertig sind, erscheint Clark Dolman auf seinem lebhaften Fuchshengst. Es ist schon dämmrig, und die Menschen im Treck sind noch müde und verschlafen.

Die Gespanne fahren an. Und noch einmal blickt Mary Ann durch den hinteren Planschlitz, ob Henry Johansen nicht doch noch kommen wird. Doch sie sieht ihn nirgends.

Seufzend klettert sie vorn neben den alten Tokin auf den Bock. Da reitet rechter Hand der neue Treckführer an ihr vorbei, blickt sie an, lächelt und ruft mit übertriebener Höflichkeit: „Einen schönen Morgen wünsche ich Ihnen, Madam. Einen der vielen schönen Morgen, die Ihnen noch bevorstehen!“ Er zieht den Hut wie ein Grande, aber sie nickt nur flüchtig und empfindet seinen Gruß als aufdringlich.

Jens Manner auf dem Bock des nachfolgenden Fahrzeuges hört nicht, was Clark Dolman sagt, aber er sieht die Geste und lässt vor Wut die Peitsche in der Luft knallen, dass Clark Dolmans nervöser Hengst einen jähen Sprung macht. Und jetzt lacht Jens Manner voller Schadenfreude. Denn Dolman hat Not, den Hengst zu parieren. Und er blickt über die Schulter auf Jens Manner zurück. In seinen Augen steht Hass, doch er sagt nichts.

Gegen Mittag dieses Tages geschehen in Cody drei bedeutsame Dinge. Der Cowboy Mac kommt kurz vor seinem Tod noch einmal zu Bewusstsein und schildert seinem Freund Henry Johansen, der am Bett des Sterbenden sitzt, wie der Mörder ausgesehen hat. Dann rafft ihn der Sensenmann von dieser Welt hinweg.

Eine Stunde später trifft in Cody ein Reiter mit zwei Pferden ein. Kein unbekannter Fremder, den die Menschen hier noch nie gesehen haben. Die Einheimischen kennen Brent Waco sehr gut, und viele schütteln seine Hand, bevor er noch in der Mitte der kleinen Stadt vor dem Hotel angelangt ist.

Ein breitschultriger stämmiger Mann ist er, nicht sehr groß, aber recht derb und ganz der Typ des Pioniers. Was an ihm auffällt, ist kein blanker Colt oder die Art, wie er eine Waffe trägt. Auch reitet er auf einem recht durchschnittlich erscheinenden Pferd, einem rostroten Wallach, der gutmütig durch den Schlamm der Straße stapft. Die Leute hier kennen Red, den Rostroten. Sie haben auch schon manche Kunde von der Treue und Zuverlässigkeit dieses unscheinbaren Pferdes gehört. Und wahrhaftig, der Pferdefänger und Pferdekenner Brent Waco weiß zu gut, was er an Red hat. Für Seine Arbeit gibt es kein besseres Pferd.

Etwas nerviger und temperamentvoller ist Black, der Rapphengst, der trotz des langen Ritts aus den Bergen recht munter neben dem Rostroten tänzelt.

Doch über Brent Waco gibt es auch andere Geschichten. Man weiß, dass er als Junge bei Indianern aufgewachsen ist, dass er der beste Pfadfinder im ganzen Norden ist. Und man kennt sein wunderbares Gewehr, die Remington Express. Er kann gut damit umgehen, aber er ist kein Schießer oder Menschenjäger. Wenn er in einen Kampf eintritt, dann nur, um denen zu helfen, die von gewalttätiger Hand unterdrückt oder bedroht werden.

Doch heute ist etwas an ihm, das jedem in Cody auffällt. Brent Waco trägt einen Sheriffstern. Brent Waco ist Hilfssheriff von Lenth.

Der greise Doc von Cody trifft Brent vor dem Hotel. Und er macht ein bekümmertes Gesicht, als er Brent begrüßte.

„Von dir müssten wir noch ein paar haben. Es geschehen schreckliche Dinge in diesem Land.“

„So ist es, Doc. Auch in dieser Stadt.“

Der alte Arzt nickt. Und er erzählt von Mac, dem Scout, der von einem Unbekannten erschossen wurde. Niemand wisse, warum.

„Mac Tobet?“, fragt Brent und zieht die Brauen erstaunt hoch.

Der Doc nickt wieder.

„Henry Johansen ist bei ihm. Aber davon wird Mac auch nicht mehr lebendig. Er konnte nur seinen Mörder noch beschreiben. Henry hat es sich erzählen lassen. Verflucht ist diese Welt, und warum bist du Hilfssheriff?“

Brent Waco rollt sich eine Zigarette und bietet dem Doktor den Tabaksbeutel an, aber der schüttelt den Kopf.

„In Lenth haben fünf Bestien das Büro des Maklers Martin überfallen und ausgeraubt. Dann sind sie draußen vom Town Marshal und zwei anderen Mannern gestellt worden. Der Town Marshal und einer der Lumpen sind tot. Die beiden Helfer des Marshals sind schwer verletzt. Die Posse hat die flüchtigen vier nicht eingeholt. Einer der vier hat in den Bergen sein Pferd halb verendet liegengelassen. Einer also hatte kein Pferd, aber er ist der Posse auch entwischt. Der Schneesturm und die Nacht waren gegen die Posse. Und jetzt bin ich unterwegs. Der Town Marshal hinterließ eine junge Frau und vier Kinder. Erst wollte ich den Auftrag nicht annehmen. Aber als ich die Kinder gesehen habe und als Martin mir versichert hat, dass ein Teil der Beute den Angehörigen der Opfer zur Verfügung gestellt werden soll, habe ich eingewilligt.“

„Dann wird es Zeit, dass du mit Henry Johansen sprichst. Ich glaube, da steckt derselbe Schuft hinter der Geschichte in Lenth und hier, und Henry weiß, wie er aussieht.“ Der Doc zieht sich eine Zigarre aus der Westentasche, beißt die Spitze ab und speit sie in den Schlamm. „Ich bin verdammt froh, dass du in diese Stadt gekommen bist. Geh zu Henry, der sagt dir mehr. Ich muss jetzt ins Hotel. Die Frau vom alten Joe bekommt schon wieder ein Baby. Das elfte ...“

„So sterben die krummbeinigen Tinters nie aus, wie?“, scherzt Brent, bevor er zum Hotelstall reitet, um seine Pferde zu versorgen.

Henry Johansen und der Sheriff von Cody kommen gemeinsam in den Speisesaal, wo Brent Waco mit einigen wenigen Gästen zu Mittag isst. Die Mittagsstunde ist vorbei, aber für Brent Waco hätte der Wirt noch mitten in der Nacht etwas kochen lassen.

Der Sheriff von Cody ist ein gezeichneter Mann. Ein betrunkener Cowboy hat ihm vor einem Jahr in die Brust geschossen. Der Lungenschuss hätte dem Sheriff fast das Leben gekostet. Und man sieht dem Mann an, dass er an Tuberkulose leidet. Die Folgen der Schussverletzung.

Henry Johansen kommt auf krummen Reiterbeinen hinter dem Sheriff her. Er ist klein, strohblond und hat ein wetterbraunes Gesicht. Vor Jahren hat Henry einmal zusammen mit Brent Waco auf einer Ranch Pferde zugeritten. Die beiden kennen und schätzen sich.

„Na, Brent, beleidigst du diese Stadt mal wieder mit deiner Anwesenheit?“, fragt Henry, da sieht er den Stern an Brent Wacos Weste. „Das darf doch nicht wahr sein. Eh, Sheriff, dieser Bursche ist ein Hochstapler. Nimm ihn fest! Welcher leichtsinnige Vogel hat dir das Blech vermacht, Brent?“

Brent lächelt nur. und der Sheriff lässt sich ächzend auf der Bank nieder.

„Halt die Klappe, Henry, und setz dich erst!“, knurrte er.

Brent schiebt den leeren Teller weg und stopft sich seine Pfeife.

„Es tut gut, so eine Flasche wie dich wieder einmal zu sehen, Henry. Du weißt, wie der Bursche ausgesehen hat, der Mac ...“

Henrys Grinsen verfliegt. Mit ernster Miene sagt er: „Ich denke, dass ich sogar weiß, wer es ist. Das ist das Schlimmste von allem. Ich wollte schon los, aber da kam der Sheriff und meinte, du wärst gekommen. Nun will ich noch darauf warten, was du sagst.“

„Und wie lange muss ich noch warten, bis du mir deine Geschichte erzählst?“

Henry kratzt sich am Hinterkopf.

„Hm, eigentlich sollte ich es dir nicht sagen. Du bist imstande und reitest auch mit.“

„Ich suche die vier Burschen, die den Überfall auf Martins Maklerbüro gemacht haben. Und einer davon hatte kein Pferd.“

Henry springt auf.

„Mensch, hat er es verloren?“ Und als Brent nickt, fährt Henry fort: „Er hat kein Pferd, geht zu Fuß, trifft auf Mac, schießt ihn nieder, reitet auf Macs Pferd in die Stadt, lässt das Pferd stehen, kauft ein neues Pferd, nennt sich — eh, Sheriff, wie hat er sich genannt?“

„Clark Delman oder Dolman ...“

„Wird Treckscout, und jetzt ist dieser Hundesohn ...“

Der Sheriff hebt die Hand.

„Langsam, das ist kein Beweis. Er könnte es sein, aber so genau war die Beschreibung von Mac auch wieder nicht. Das ist nichts als ein Verdacht. Ein nackter Verdacht. Ich müsste ...“

Brent sieht den kranken Sheriff aus den Augenwinkeln heraus an. Der Mann hat Not, sich hier in der Stadt zu behaupten. Ein Verfolgungsritt wäre zu viel.

„Sheriff, ich habe Grund, dieser Sache nachzugehen. Viele Köche verderben den Brei. Es ist gut, wenn du hierbleibst, falls die anderen drei hier auftauchen. Die drei sind allein weitergeritten, das habe ich schon vermutet, als ich ihr erstes Camp gefunden habe. Von einem vierten Mann fehlten die Fußspuren im Schnee. Leider war das erst an diesem Camp zu sehen, weil bis dahin Schnee gefallen ist. Nun weiter, Henry, nehmen wir an, er wäre es wirklich. Wo sind diese Leute mit dem Treck?“

„Jetzt dürften sie etwa zwanzig Meilen weit von hier sein. Mittag ist vorbei, ja, zwanzig Meilen. Sie fahren nach Westen. Sechs Menschen mit drei Wagen. Die Manner-Brüder, der alte Tokin, seine Tochter ...“

„Stimmt das, was ich gehört habe — von der Tochter?“, fragt Brent lächelnd.

Henry macht ein finsteres Gesicht.

„Natürlich stimmt das, man kann ja nicht ewig als Einzelgänger herumkrebsen und seine Socken alleine stopfen. Aber wenn ich denke, dass dieser Hundesohn von einem Kerl ...“

„Zwanzig Meilen sind keine Ewigkeit, Henry. Sattle dein Pferd, wir reiten in zwei Stunden! Sorg für die Vorräte! Ich lege mich noch ein bisschen aufs Ohr. Wenn die zwei Stunden herum sind, weckst du mich! Klar?“

Henry wendet sich achselzuckend an den Sheriff: „Verstehst du das, Sheriff? Seit ich diesen Pferdedompteur kenne, lasse ich mich von ihm behandeln wie ein Stutfohlen. Warum eigentlich? Jeder andere hätte ihn schon durch die Decke gestoßen. Und ich Trottel lasse mir alles von ihm gefallen. Der kommt hier an, hat ein Stück Blech auf dem Bauch und gibt an wie drei Tüten Hummeln.“ Er steht seufzend auf und brummt: „Ich werde einen Sack Rattengift für dich als Vorrat einkaufen!“

 

 

3

Vor den südlichen Kämmen der Snow Mountains lagern zwölf Männer in einem Seitental. Ihre Pferde knabbern am graubraunen Wintergras, das in kleinen Flächen neben dem Bachlauf frei von Schnee ist.

Die Männer sitzen im Kreis um ein Feuer herum, das knackend und prasselnd lodert und ein wenig Wärme spendet. Drei dieser zwölf Gestalten waren noch vor kurzem bei dem Überfall in Leuth dabei. Der schmale Len Rint mit dem blutleeren Gesicht, der stämmige Bill Delorme und der abgrundhässliche Hitch Cassidy, der zum Banditen wurde, weil eine Frau ihn betrog.

Von den anderen fällt ein Mann besonders auf. Ein blonder, schwergewichtiger Hüne mit buschigen Brauen über den hellen Augen. Maxwell Jones, den fünf Sheriffs und ein US Marshal suchen. Einer der Manner, die einst für Quantrill geritten sind und die nicht ins normale Leben zurückfanden nach dem mörderischen Krieg.

Mit abgrundtiefer Stimme fragt er zum wiederholten Male die drei Männer neben sich: „Und ihr seid sicher, dass er diesen Treck führt?“

„Wir sind sicher. Und er hat das Bargeld. Bestimmt hat er es noch. Eine Menge Bucks, sage ich euch“, erklärt Hitch Cassidy. „Ich habe heute Morgen den Treck beobachtet, als er aus der Stadt herauskam. Dann bin ich wie der Teufel geritten. Aber er war es.“

„Wie reizend von ihm“, spottet Maxwell Jones. „Er wird doch nicht etwa zum biederen Treckscout geworden sein? Neues Leben oder so?“

„Ich würde sagen, wir sollten einmal diesem Treck entgegenreiten, mit Pat sprechen und ihn zu uns holen.“ Das sagt Bill Delorme, der sich immer gut mit Pat McMurray verstanden hat.

Maxwell Jones schüttelte den Kopf.

„Wenn er in diesen Treck gekrochen ist, dann will er eigene Wege gehen. Er ist ein Verräter, sonst wäre alles anders. Ich denke, das mit dem Pferd war auch ein Trick. Er wollte die Bargeldbeute für sich allein.“

„Nein“, sagt Bill Delorme. aber sogar Hitch Cassidy und Len Rint lachen nur.

Und dann sagt Maxwell Jones: „Also schnappen wir ihn uns. Warten wir, bis sie auf den Pass kommen. Unsere Absichten treffen sich ja. Ich will die Siedler zum Teufel jagen, und ihr wollt das Geld, das Pat McMurray hat. Bleibt also bei uns, dann machen wir alles gemeinsam.“ Er grient plötzlich und fährt gedehnt fort: „Außerdem suchen euch bestimmt einige Aufgebote. Bei uns seid ihr sicher. Wir kennen die Berge wie unsere Tasche. Warten wir, bis sie auf dem Pass sind. Dort holt sie alle der Teufel. Tausend Dollar zahlt Buckin Short für jeden Treck, der umkehrt, weil Buckin Short das Carridge Land für seine Rinder braucht. Er wird die tausend Bucks auch zahlen, wenn ein Treck weder umkehrt noch weiterfährt. Was kann ich dafür, wenn verrückte Pferde mit den Wagen durchgehen und in die Schlucht stürzen? He, Manner, ist das richtig?“

„Goldrichtig!“, sagen einige, aber Bill Delorme schweigt. Er denkt an Pat McMurray, der jetzt zum Verräter gestempelt wird. Ist er das wirklich? Diese Frage beschäftigt ihn.

 

 

4

Als sie zwei Stunden geritten sind, schwitzt Henrys Pferd. Der Rostrote und der Rappe von Brent Waco sind noch trocken.

„Man soll es nicht glauben, Brent, aber diese rothaarige Krücke von dir ist doch zäher als ein Stück Rohleder. Vorhin habe ich noch gedacht, mit diesem Sägebock schaffen wir es nie, den Treck einzuholen. Und nun ...“ Er wischt sich den Schweiß von der Stirn. Der Nachmittag ist warm geworden. Die Märzsonne brennt auf die verschlammte Landschaft und lässt den Boden dampfen. Die Hufe der Pferde sinken rief ein.

„Wir werden noch bis hinüber zum Waldstreifen reiten und dort eine Rast machen“, erklärte Brent. „Deine Blindschleiche braucht mehr Ruhe, sonst musst du bald umsteigen. Wäre überhaupt gut, wenn du nachher ein wenig auf Red reitest. Den Rappen kann ich dir nicht anbieten, der tut es nur mit mir.“

Henry wirft einen schiefen Blick auf den feurigen Rapphengst und meint trocken: „Der sieht auch so aus wie'n Pulverfass auf Beinen. Hoffentlich macht dieser Clark Dolman keine Mätzchen. Du, hör mal, Brent, da fällt mir was ein. Clark Dolman! Mensch, da war unten am Arroyo Grande ein Rancher, der hat auch so geheißen. Brent, das muss vor zehn Jahren gewesen sein. Richtig, ich war noch ein Bursche von sechzehn Jahren. Achtzehn vielleicht, aber in dieser Zeit ist es gewesen. Da wurde Clark Dolman von einem Viehdieb erschossen. Sagten die Leute damals. Den Kerl haben sie nie erwischt. Dolman, ausgerechnet dieser Name. So häufig ist der doch gar nicht, wie?“

„Hm, nicht sehr“, erwidert Brent. „Das war in Texas?“

„Genau, das Arroyo Grande liegt nun mal dort, daran hat sich nichts geändert“, meint Henry ironisch.

„Dir frechen Köter stopfe ich auch noch das Maul, warte mal!“ Brent droht ihm mit dem Finger und grinst dabei.

Henry macht ein todernstes Gesicht und brüllt: „Zu Befehl, Sheriff! Wo wollen Sie aber die zehn Manner hernehmen, die das besorgen?“

„Klappe halten: Sieh mal dort vorn!“ Brent deutet auf die Berge. Eine Staubwolke weht gen Himmel. „Der Treck!“

„Na, bitte, könnten schon längst dort sein, wenn deine alten Klepper etwas schneller wären“, ruft Henry grinsend.

Brent wirft nur einen kurzen Blick auf Henrys ermüdeten Braunen. Dann sagt er ebenso spöttisch: „Dann lass deinen Express endlich von der Leine, ich komme dann morgen Mittag nach.“ „Tja, Brent“, seufzt Henry Johansen, „ein Pferd aus deinem String müsste man haben. Weißt du, ich habe mein ganzes Geld heimlich Mary Ann gegeben. Die Siedler sind arm, verstehst du. Nie hätte sie mich darum gebeten. Und so habe ich vor dem Start in Buffalo meinen ,Star‘ verkauft gegen diesen Schlappschwanz von einem Gaul. Es hat hundert Bucks eingebracht, genug für die Tokins, sich Vorräte einzukaufen. Mary Ann bat ihrem Vater vorgeschwindelt, sie hätte einen Ring vom Erbe ihrer Mutter verkauft. Doch den hatte sie schon lange vorher weggeben müssen.“

„Willst du sie wirklich heiraten? Eine Siedlerstochter, du, als Cowboy?“, fragt Brent skeptisch.

„Warum nicht? Der liebe Gott hat mir zwei Fäuste und einen schlauen Kopf gegeben.“

„Hauptsache glücklich, Junge, das andere ist alles Beiwerk. Da, sie halten an.“ Er zeigt nach vorn, wo sich die Staubwolke gelegt hat. Kaum sichtbar, nur als winzige Punkte stehen drei Wagen auf dem Weg. Es sieht aus, als stünden sie dicht vor den Bergen, doch Brent weiß, dass es bis zu den Bergen immer noch gut vierzig Meilen sind. Erst kommen die Ausläufer, dann geht es steil zum Pass hinauf.

„Wir reiten jetzt schräg zum Wald hin und bleiben von nun an möglichst im Wald, damit man uns nicht allzu früh entdeckt“, erklärt Brent und treibt sein Pferd an. Voller Übermut wirft Black, der als Handpferd läuft, den Kopf hoch. Henrys Brauner hingegen beschleunigt sein Tempo nur mit größtem Widerwillen.

Nach der Rast reitet Henry auf Red, wie sie es vereinbart hatten. Dennoch hat der reiterlose Braune Mühe, den Schritt der beiden anderen Pferde zu halten.

Vorn am Ausgang des Waldes sehen sie wieder die Wagen, und noch immer stehen sie. Jetzt holen Brent und Henry schnell auf. Doch sie halten sich am Rande des Waldes, möglichst hinter den vorderen Stämmen, damit sie nicht schon von weitem gesehen werden.

Henry hält diese Maßnahme für überflüssig, aber er weiß, dass Brent so etwas nicht ohne Grund tut. Schließlich sind sie auf eine Meile an den Treck heran. Sie sind sogar schon seitlich an ihm vorbei und schräg davor in einem Waldstück, das den Beginn der Vorberge darstellt. Von hier aus sehen sie über die schmutzig braune Prärie und den Wagenweg, der hindurchführt auf die Berge zu.

Deutlich erkennen sie alle drei Wagen. Am vordersten muss ein Rad gebrochen sein, denn Brent erkennt durch das Zielfernrohr der Remington Expressbüchse, wie drei Manner mit Winden und Balken arbeiten, um den Wagen abzustützen.

„Entweder sind sie fertig und räumen das Zeug weg, oder sie haben den Wagen nicht hoch genug aufgebockt“, meint Henry.

Brent sieht es genauer.

„Sie haben ihn schon aufgebockt, aber irgendwie muss ihnen alles im Schlamm abgesackt sein. Sie bekommen das reparierte Rad nicht drauf. Da ist übrigens das Mädchen. Hm, hätte ich dir Stinktier gar nicht zugetraut, so einen guten Geschmack.“

Henry zischt wie eine Schlange.

„Für den schönen Sonntagsnamen werde ich mich noch bei Gelegenheit revanchieren. Gib mir mal das Ding! Ich will sehen, ob sie ...“

„Nun heul doch nicht gleich, da!“, sagt Brent lachend und gibt Henry das Gewehr. Aufgeregt späht der strohblonde Texaner durch das Glas.

„Mann, da ist er ja, dieser Bursche. Schwänzelt doch immer um sie herum. Mensch, wenn ich den Kerl zu fassen kriege ...“

„Ruhig Blut, Junge! Noch ist ihm nichts bewiesen. Und nun ist es Zeit für uns. Es wird dämmrig. Sobald es dunkel ist, beginnt die Arbeit.“

Henry will schon das Gewehr zurückgeben, da reißt er es plötzlich wieder an die Schulter und blickt angespannt durch das Zielfernrohr auf die Berge zu.

„Eh, da kommen drei Reiter. Direkt von den Bergen her. Halten auf die Wagen zu. Bei den Wagen haben sie noch nichts bemerkt. Aber jetzt! Jens Manner, dieser eifersüchtige Gockel, er sieht was. Nun gucken die anderen auch.“

Brent nimmt Henry das Gewehr mit dem Zielfernrohr ab, blickt selbst hindurch. Doch die Entfernung bis zu den drei Reitern ist noch so groß, und die Sicht wird ständig schlechter. Er kann nicht erkennen, wer diese drei sind.

„Los, ich glaube, jetzt beginnt es zu stinken! Auf die Pferde, wir reiten hin. Das Spiel hat sich gewandelt. Vorwärts, Henry!“

„Na klar, unser Mann mit dem Blech auf dem Bauch muss jetzt den Helden spielen. Und ich Trottel spiele natürlich mit. Immer dasselbe“, seufzt Henry ergeben und steigt auf Red.

Sie langten fast gleichzeitig an: Brent Waco und Henry Johansen von der einen Seite her kommend, Len Rint, Bill Delorme und Hitch Cassidy von der anderen.

Brent mustert diese drei Gestalten, und er spürt, dass es Banditen sind. Sie sind gekleidet wie jeder andere, nur dass ihre Revolver etwas blanker sind vom häufigen Gebrauch. Und doch hätte das nicht soviel zu sagen. Aber es müssen Banditen sein, sagt sich Brent. Ich habe mich da noch selten getäuscht.

Auch der Bursche, der sich Clark Dorman nennt, gefällt ihm nicht. Lässig lehnt dieser Kerl am Wagen, und es mag vielleicht Zufall sein, dass Mary Ann und der alte Tokin zwischen ihm und den anderen Reitern stehen. Nur glaubt Brent nicht an einen Zufall.

Der hässliche Hitch Cassidy erfasst die Situation auf seine Weise. Die Gegenwart eines Sheriffs passt offenbar nicht in sein Konzept.

Details

Seiten
117
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738953121
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (April)
Schlagworte
lüge hass

Autor

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Titel: Lüge, Hass und Tod