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Ein Jack Braden Thriller #34: Der Magier und die Göttin

2021 114 Seiten

Zusammenfassung

Auffällig viele Personen sterben an einem Herzschlag, und als der Privatdetektiv Jack Braden auf zwei dieser Fälle angesetzt wird, hat er zunächst keinen Erfolg, weil auch die zuständigen Ärzte einen Mord für unwahrscheinlich halten. Aber Braden ist hartnäckig und bleibt dran, bis er plötzlich eine heiße Spur hat – die allerdings in den Tod führt.

Leseprobe

Table of Contents

Der Magier und die Göttin

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Der Magier und die Göttin

Ein Jack Braden Thriller #34

von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

 

Auffällig viele Personen sterben an einem Herzschlag, und als der Privatdetektiv Jack Braden auf zwei dieser Fälle angesetzt wird, hat er zunächst keinen Erfolg, weil auch die zuständigen Ärzte einen Mord für unwahrscheinlich halten. Aber Braden ist hartnäckig und bleibt dran, bis er plötzlich eine heiße Spur hat – die allerdings in den Tod führt.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Mohamed Ali – Wahrsager, aber eigentlich ist er etwas ganz anderes und heißt auch nicht so.

Nita Walters – seine Assistentin, 18 Jahre alt, hübsch, goldbronziert und bald tot.

Shirley Mock – Nachtclub-Besitzerin, früher Striptease Girl und immer noch sehr dekolletiert.

Angelica Glass – chemische Laborantin, ein Fall von TOP SECRET.

Alwine Greer – Erbtante.

Gladys Reus – die sie nicht beerbt.

Stick up Don – kämpfte einst in Vietnam und kann das Töten nicht lassen.

Jack Braden und sein Team – lassen sich weder durch Magie noch vom Geheimdienst behindern.

 

 

1

„Eine Klientin!“, sagte Jack Bradens Sekretärin Dawn Barris und steckte den blonden Lockenkopf durch die Tür.

„Wer ist sie, und was will sie?“, fragte der Privatdetektiv.

„Es ist Joan Walters. Was sie will, wollte sie mir nicht verraten.“

Die Joan Walters?“

„Genau die. Sie scheint recht aufgeregt zu sein.“

„Warten Sie noch fünf Anstandsminuten, und dann schicken Sie mir die Frau herein. Kommen Sie auch, und vergessen Sie den Stenoblock nicht, Sunny.“

Was mochte Joan Walters für Sorgen haben, und warum brauchte sie einen Privatdetektiv? Jack Braden kannte die Frau vom Hörensagen und von Bildern. Bis vor acht Jahren war sie einer der Stars am Broadway gewesen. Sie hatte als Striptease-Girl angefangen und war schnell in die erste Reihe der Broadwaygrößen aufgerückt.

Damals hieß sie noch Joan Soleil, das war natürlich ein Künstlername, obwohl sie bereits mit Walters verheiratet war. Sie hätte es nicht nötig gehabt, einen Millionär zu heiraten, denn sie selbst war eine reiche Frau geworden.

Diese Joan Walters wartete also im Besuchszimmer. Jack Braden war neugierig, was sie zu ihm trieb und wie sie aussah. Er erinnerte sich ihrer nur noch als Luna aus dem gleichnamigen Musical, als Madame Pompadour und in dergleichen Rollen mehr.

Als sie dann ihm gegenüber im Besuchersessel saß, musste Jack Braden sich eingestehen, dass diese Frau, die nun fast vierzig Jahre alt sein musste, immer noch außerordentlich gut aussah. Ob ihre tadellose Figur und das glatte, bildhübsche Gesicht das Produkt eines kosmetischen Chirurgen war, konnte er nicht sagen. Jedenfalls wirkte sie noch erstaunlich jung. Ihr hellgraues Kostüm war von einem erstklassigen Schneider gebaut. Der Rock war vielleicht eine Kleinigkeit zu kurz, aber das konnte Joan Walters sich leisten.

„Was kann ich für Sie tun?“, eröffnete Jack Braden das Gespräch.

„Es geht um Nita. Nita ist meine Tochter. Ich mache mir in den letzten Monaten schreckliche Sorgen um sie. Das Mädel ist achtzehn Jahre alt, und sie sieht mir ähnlich wie aus dem Gesicht geschnitten“, sagte sie mit leisem Stolz.

Sie schien nicht zu wissen, wie sie fortfahren sollte. Sie zerrte an dem feinen Spitzentaschentuch, das sie zwischen den Fingern hielt.

„Sie wollten mir von Ihrer Tochter Nita erzählen!“, ermunterte sie Jack Braden.

„Ja, und jetzt fürchte ich, dass Sie mich auslachen werden. Es klingt ja auch lächerlich, aber ich habe Angst um Nita. Hätte ich sie nur ans Theater gelassen, wie sie wollte! Mein Mann hatte nichts dagegen, aber ich selbst war ja einmal das, was man ein Revue-Girl nennt, und ich weiß, dass man nur auf dem Weg über den Direktor und Regisseur etwas werden kann. Sie wissen ja, was ich meine. Jetzt hat sie sich auf etwas viel Schlimmeres eingelassen. Sie ist Assistentin des Wahrsagers Mohamed Ali.“

„Das ist doch fast dasselbe wie beim Musical“, lächelte Braden.

„Nein, es ist scheußlich. Der Kerl ist nicht nur Wahrsager, sondern auch Hypnotiseur, und er hat Nita vollkommen in der Hand. Sie tut alles, was er will. Stellen Sie sich vor! Allabendlich zeigt sie sich dem Publikum mit einem winzigen Minimum von Bekleidung, aber über und über mit Goldstaub bepudert. Er hat ihr den Namen der ägyptischen Pharaonin Hatschepsut gegeben, und in dieser Rolle verkündet sie von der Bühne herab seine unsinnigen Wahrsagungen. Hinterher weiß sie dann nicht mehr, was sie getan und gesagt hat.“

„Das ist kein Auftrag für einen Privatdetektiv. Ich wüsste nicht, was es da zu ermitteln gäbe. Sie sollten Ihre Tochter zu einem Psychiater bringen. Nur ein Seelendoktor kann sie dem unheilvollen Einfluss des Quacksalbers entziehen.“

„Das wollte ich, aber sie sträubte sich. Ich habe den Eindruck, dass sie in den Kerl verliebt ist.“

„Das ist schlimm, aber trotzdem weiß ich nicht, was ich gegen diesen Mohamed Ali unternehmen sollte. Fragen Sie Ihren Rechtsanwalt.“

„Das habe ich getan. Er sagte mir, Nita sei mit achtzehn Jahren mündig und könne tun und lassen, was sie wolle. Solange ich dem Kerl keine strafbare Handlung nachweise, kann man ihm nichts anhaben.“

„Und eine strafbare Handlung soll ich nun an den Tag bringen, wenn ich Sie recht verstehe, Mistress Walters.“

„Jetzt haben Sie mich endlich verstanden. Der Bursche ist ein Betrüger, Gauner und Verbrecher. Ich habe Erkundigungen über ihn eingezogen und erfahren, dass er Al Bush heißt. Seine Mutter war Ägypterin, daher rührt der orientalische Eindruck, den er macht.“

Jack Braden warf seiner blonden Sekretärin einen schnellen Blick zu. Dawn Barris zuckte etwas hilflos die Achseln.

„Tja, ich weiß wirklich nicht …“, begann er, aber Mrs. Walters unterbrach ihn.

„Ich akzeptiere kein Nein. Sie müssen mir helfen. Es geht um Nitas Glück, vielleicht sogar um ihr Leben. Hier ist sie.“

Sie warf zwei Fotos auf den Tisch. Die Bilder zeigten ein schönes, schwarzhaariges Mädchen, das eine stark verjüngte Ausgabe seiner Mutter war.

Dawn Barris war aufgestanden und blickte ihm über die Schulter.

„Und jetzt sehen Sie das hier!“

Ein drittes Bild kam zum Vorschein. Es zeigte dasselbe Mädchen in der stark reduzierten Tracht einer Pharaonin. Im Übrigen konnte man sogar auf der Fotografie erkennen, dass das Gesicht und der Körper golden glänzten. Sie saß in der typischen Haltung der Pharaonen auf einem Thronsessel. Die Hände lagen auf den Knien, und ihr Blick ging starr ins Leere.

In dieser Aufmachung war Nita noch viel schöner als in der Kleidung eines Teenagers. Sie musste für einen Scharlatan, wie es dieser Mohamed Ali war, eine unbezahlbare Assistentin sein.

Als Braden wieder aufblickte, schob ihm Mrs. Walters einen Scheck hin. Der Scheck lautete auf tausend Dollar.

„Bitte, hier ist ein Spesenvorschuss. Ihre Rechnung schicken Sie mir, wenn Sie, woran ich nicht zweifle, Erfolg gehabt haben.“

Eben noch hatte Braden ablehnen wollen. Als er aber jetzt das Gesicht des übermütig lachenden Teenagers mit der goldenen Statue der Pharaonin und deren starrem Gesichtsausdruck verglich, überkam ihn das Mitleid mit dem Mädchen, das sicherlich schamlos missbraucht wurde.

„Ich will es versuchen, Mistress Walters, aber ich kann Ihnen nichts versprechen. Sie dürfen mir keine Vorwürfe machen, wenn ich Ihnen über Kurz oder Lang erkläre, ich könne in der Sache nichts tun.“

„Seien Sie nicht zu bescheiden, Mister Braden. Meine beste Freundin, ich darf ihren Namen nicht nennen, hat Sie mir empfohlen. Sie behauptet, Sie hätten ihr das Leben gerettet.“

„Nicht jeder Fall ist wie der andere“, meinte der Detektiv. „Wenn man zu mir kommt und mich bittet, ein handfestes Verbrechen aufzuklären, so ist das etwas anderes, in diesem Fall aber kann ich nichts Strafbares feststellen. Jedenfalls hören Sie von mir.“

„Bitte, beeilen Sie sich, Mister Braden. Ich habe Angst. Mein Mann lacht mich zwar aus und sagt, ich solle Nita ihren Spaß lassen, sie werde schon von selbst wieder zur Vernunft kommen, aber ich kann nicht tatenlos zusehen, wie meine Tochter in ihr Unglück rennt.“

„Ich werde mein Möglichstes tun, Mistress Walters.“

Die schöne Frau streckte ihm beide Hände entgegen. Tränen standen in ihren Augen, als sie sagte: „Ich verlasse mich auf Sie, Mister Braden.“

 

 

2

MOHAMED ALI UND HATSCHEPSUT DER MAGIER UND DIE GÖTTIN!

war auf dem riesigen Plakat zu lesen, das über SHIRLEY MOCK‘S Club in der 52. Straße prangte. Darunter sah man einen Orientalen mit scharfen Gesichtszügen und einem grünen Turban neben dem Abbild einer ägyptischen Königin, deren Körper mit Gold bedeckt war.

Jack Braden parkte seinen Porsche Carrera und half Dawn Barris beim Aussteigen. Es war zehn Uhr abends, gerade die richtige Zeit, um einen Nachtclub aufzusuchen.

Der Pförtner riss die Schwingtür auf und kassierte mit tiefer Verbeugung den halben Dollar, den der Detektiv ihm in die Hand drückte. Braden nahm seiner Sekretärin den Mantel ab und ging hinüber zur Garderobe, während Sunny im Ladies Room verschwand, um ihr Make-up aufzufrischen.

Über den Club ist nichts Besonderes zu sagen, wenn man von der Wirtin, Mistress Mock, absieht. Sie war eines der ersten Striptease-Girls gewesen, und das war schon lange her. Inzwischen war sie in die Breite gegangen und leicht angegraut, was sie allerdings durch intensive brandrote Färbung kaschierte. Das einzige an ihr, was immer noch sehenswert war, war ihr Dekolleté, das sie auch bereitwilligst zeigte.

Im Übrigen war Mrs. Mock außerordentlich tüchtig. Sie thronte hinterm Buffet wie ein heidnische Göttin, und nichts entging ihren wachsamen Augen. Ihre molligen Arme waren mit unzähligen goldenen Reifen und Ketten bedeckt, und an ihren Fingern funkelten Ringe, die den Vorzug hatten, sogar echt zu sein.

Jack Braden hatte ihr vor langer Zeit einmal aus der Tinte geholfen, und das vergaß sie ihm nie. Als sie den Privatdetektiv erblickte, wälzte sie sich durchs Lokal und begrüßte Sunny und ihn mit Sacharin-süßem Lächeln.

„Ich habe schon gedacht, Sie hätten mich vollständig vergessen, Mister Braden. Wie reizend Sie heute wieder aussehen, Miss Barris! Sie müssen mir unbedingt verraten, wo Sie dieses grandiose Abendkleid gekauft haben.“

„Da müssen Sie Jack fragen!“, lächelte Sunny. „Er hat es mir als Dank für meine selbstlosen Dienste geschenkt.“

„Wie reizend von Ihnen, Mister Braden. Wenn ich nicht den Club hätte, so möchte ich Ihre Sekretärin sein.“

„Haben Sie einen guten Tisch für uns, Shirley? Wir möchten uns die Künste Ihres Magiers und vor allem seine schöne Assistentin ansehen.“

„Kommen Sie!“

Shirley Mock ging voraus, und so konnte Braden auch ihre imposante Rückseite bewundern. Der Tisch, zu dem sie die beiden führte, stand unmittelbar vor der Bühne, die jetzt noch hinter einem dunkelroten Plüsch Vorhang verborgen war. „Was darf ich Ihnen bringen lassen?“, säuselte die stattliche Dame. „Ich habe eine neue Sendung französischen Champagner bekommen, Moët & Chandon, Veuve Cliquot und die Krone allen Schaumweines, Pommery Cordon Rouge.“

„Dann lassen Sie uns davon eine Flasche auffahren, ich bin heute in Geberlaune“, lächelte Braden.

„Hey, Jean!“ Sie winkte einem Kellner. „Eine Flasche Pommery und drei Gläser.“

Damit nahm sie ebenfalls Platz.

Der Kellner brachte die Flasche, wies das Etikett vor und goss feierlich ein. Die Tanzkapelle schwieg, die Paare klatschten, aber ohne Erfolg. Ein Tusch, und ein befrackter Ansager, dem man den Mexikaner ansah, verkündete, dass jetzt die DREI BUTTERFLYS erscheinen würden.

Als dann die schlanken und hübschen Tänzerinnen über das Parkett wirbelten, seufzte Shirley Mock tief und wehmütig. Sie dachte wohl an die Zeiten, die schon so lange vorüber waren.

Es wurde elf Uhr, bis die Show angekündigt wurde.

„Jetzt werden Sie etwas Außerordentliches erleben!“, sagte Shirley Mock und schielte nach der fast geleerten Flasche.

Braden konnte nicht umhin, eine zweite zu bestellen.

Drei dumpfe Gongschläge, und der Vorhang rauschte auseinander.

Mister Al Bush alias Mohamed Ali wusste unbedingt, wie man so etwas aufzieht.

Die Kulisse zeigte drei Pyramiden und eine zwischen ihnen dahinziehende Karawane. Im Vordergrund der Bühne lagen zwei große Sphingen, denen man kaum ansah, dass sie aus Papiermaschee bestanden. In der Mitte stand ein vergoldeter und mit vielen bunten Glassteinen besetzter Thronsessel. Und in diesem Thronsessel saß Nita Walters als Königin Hatschepsut.

Sie trug den typischen Kopfschmuck der Pharaonen mit dem Skarabäus und sonst sehr wenig, wenn man von dem Goldpuder absah. Jedenfalls hätte sich die Pharaonin vor ein paar tausend Jahren nicht so gezeigt, obwohl man zu dieser Zeit absolut nicht prüde war.

Die Kapelle spielte leise und schmalzig, jedenfalls war es keine altägyptische Musik. Hinter einer der Sphingen tauchte ein großer, schlanker Mann von orientalischem Aussehen auf. Er war viel jünger und wirkte sympathischer, als Braden geglaubt hatte. Er trug eine hellbraune Djellabah, das weite Gewand der Ägypter, einen weißen Turban, um den er das grüne Tuch der Mekkapilger geschlungen hatte.

Vor der „goldenen Göttin“ sank er auf die Knie und erhob anbetend die Hände.

Nita Walters saß wie aus Stein gehauen. Nur ihre dunklen Augen zeugten von Leben und, wenn Braden sich nicht sehr irrte, von Leidenschaft.

Dann stand der Magier auf. Er verschränkte die Arme über der Brust und steckte die Hände in die weiten Ärmel seines Gewandes.

„Hatschepsut, die göttliche Pharaonin ist auferstanden, um Ihnen, meine Damen und Herren, den Beweis ihrer Macht und Allwissenheit zu liefern. Willst du das tun, o Göttin?“

„Ich will!“, ertönte eine glockenhelle Stimme, die bestimmt keine dreitausend Jahre alt war.

Es begann mit verhältnismäßig harmlosen Tricks. Mohamed Ali ließ sich unten im Saal den Führerschein eines Gastes aushändigen, und „die Göttin“ wusste bereits Sekunden danach, wie der Mann hieß und wann er geboren war.

Dasselbe führte der Magier mit Spielkarten, Telefonnummern und so weiter vor. Dann erst kehrte er auf die Bühne zurück.

„Und nun, meine sehr verehrten Damen und Herren, wird Hatschepsut, die göttliche Königin, jedem, der es will, die Zukunft prophezeien!“

Zuerst meldete sich ein kichernder Teenager, dem Glück in der Liebe und ein reicher Ehemann angekündigt wurde. Ein dicker Geschäftsmann war der Nächste. Ihm sagte die „goldene Göttin“ voraus, dass seine zur Zeit laufenden Transaktionen einen reichen Profit abwerfen würden.

Danach pausierte sie einen Augenblick und fuhr mit ihrer hell klingenden, aber eintönigen Stimme fort: „Hüten Sie sich vor Frauen. Sie sind verheiratet und haben ein Verhältnis mit einer anderen, einer Jüngeren. Es könnte Ihre Sekretärin sein. Seien Sie vorsichtig. Man soll in Ihrem Alter nicht mehr mit dem Feuer spielen.“

Auch diese Prophezeiung war kein Kunststück gewesen. Der Mann trug einen Trauring, war aber in Gesellschaft einer eleganten, jungen Dame gekommen, mit der er bestimmt nicht verheiratet war. Er war schwer beleidigt und zog unter dem unterdrückten Gelächter der anderen Gäste demonstrativ ab. Das ihn begleitende Mädchen hatte einen roten Kopf und war nicht weit von Tränen entfernt.

„Passen Sie auf, Sunny!“, flüsterte Braden. „Ich bin neugierig, was der Schwindler mir durch den Mund des Mädchens zu verkünden hat.“

Shirley Mock war bei dem Wort „Schwindler“ ärgerlich aufgefahren, aber sie enthielt sich der Äußerung, die ihr auf der Zunge schwebte.

Braden ging die wenigen Schritte zum Podium und stieg die sechs hölzernen Stufen hinauf.

„Hohe Göttin! Verkünde diesem Herrn, was die nahe Zukunft ihm bringen wird!“, rief der Magier theatralisch.

Der Detektiv glaubte, eine leise Bewegung der goldschimmernden Schultern wahrzunehmen. Die dunklen Augen des Mädchens bohrten sich in die seinen. Diese Augen aber waren ohne jeden Ausdruck. Nita Walters stand unter hypnotischem Einfluss. Das war es, was er vor allem hatte wissen wollen.

Dann begann sie stockend: „Sie heißen Jack Braden – Sie sind Privatdetektiv – Sie kamen in böser Absicht hierher – Sie sind ein schlechter Mensch, von schlechten Menschen bezahlt – Sie werden Ihr Ziel nicht erreichen – Ich, die Göttin, werde Sie strafen – Ich!“

Langsam, wie eine Marionette, deren Fäden der Puppenspieler hielt, erhob sie sich und stand in ihrer goldglänzenden Schönheit, hoch aufgerichtet und drohend.

Da sah Braden, wie die Augen des Mädchens sich verdrehten und wie sie zu schwanken begann.

„Wecken Sie sie auf! Schnell!“, zischte er dem „Magier“ zu. Aber da war es bereits zu spät.

Wie ein Klotz schlug sie vornüber, rollte über die Bühne. Bevor Braden zugreifen konnte, stürzte sie hinunter, riss einen Tisch mit Gläsern und Flaschen um und lag regungslos.

Noch im Sprung rief Braden: „Einen Arzt!“

Dann kniete er neben dem Mädchen nieder. Die umsitzenden Gäste waren aufgesprungen und standen erstarrt vor Schreck.

Ein Herr drängte sich durch. Er fühlte nach dem Puls der Ohnmächtigen und machte ein bedenkliches Gesicht.

„Den Unfallwagen!“, befahl er.

Ein paar der Umstehenden griffen zu. Das Mädchen wurde hinter die Bühne und in die Garderobe gebracht.

Al Bush alias Mohamed Ali stand dabei und rührte keine Hand. Nur sein Gesicht war verzerrt, aber nicht vor Schmerz oder Schreck, sondern vor Wut.

„Der Goldpuder muss sofort entfernt werden!“, befahl der Arzt. „Er verhindert die Hautatmung. Kein Wunder, dass sie zusammenbrach!“

Während ein paar weibliche Angestellte sich mit Hilfe von Wattebäuschen und Vaseline an die Arbeit machten, verließen alle anderen, mit Ausnahme des Arztes, den Raum.

Fünf Minuten danach war der Unfallwagen zur Stelle. Auch er hatte einen Arzt mitgebracht.

Es dauerte zwanzig Minuten. Draußen im Saal spielte die Tanzmusik, klirrten die Gläser, wurde gelacht und geflirtet. Der Zwischenfall war schon lange vergessen.

Plötzlich stand Dawn Barris neben Braden.

„Was ist mit ihr?“

„Ich weiß es nicht.“

Die Tür zur Garderobe öffnete sich, zwei Träger kamen mit der Bahre, auf der eine verhüllte Gestalt lag. Das Tuch war bis über den Kopf gezogen.

„Sie ist tot“, sagte der Unfallarzt. „Es war keine Hilfe mehr möglich.“

„Mein Gott!“, murmelte Dawn Barris.

Auch Braden war der Schreck in die Glieder gefahren.

„Welches ist die Todesursache?“, fragte er.

„Herzschlag. Der Kreislauf war durch den Goldpuder, der auf einer Schicht von Fett aufgetragen war, bereits überbeansprucht. Wenn ein Schreck oder eine Gemütsbewegung dazu kam, so genügte das, um den Herzschlag zu stoppen.“

„Ist denn gar nichts mehr zu machen? Können die Ärzte im Krankenhaus nicht doch etwas tun?“

„Selbstverständlich wird man das versuchen, aber ich befürchte …“ Er hob resignierend die Schultern.

„In welches Krankenhaus wird sie gebracht?“

„In das nächste, ins Berkshire Hospital.“

Shirley Mock fing an, lautstark und tränenreich zu jammern, aber Braden kümmerte sich nicht darum. Er zahlte seine Zeche. Drei Minuten später saß er neben Dawn Barris im Wagen. Keiner der beiden hatte beim Aufbruch ein Wort gesprochen.

Dawn war bleich, und Jack Bradens Gesicht sah aus wie eine steinerne Maske.

„Das ist furchtbar! Wer hätte das ahnen können!“, stöhnte Sunny.

„Das Schlimmste ist, dass ich mir die größten Vorwürfe mache. Mistress Walters muss ihrer Tochter erzählt haben, dass sie bei mir war, und Nita überbrachte es brühwarm dem Quacksalber. Ich möchte nur wissen, woher der mich kannte.“

„Aus dem NEWS oder einer anderen Zeitung, die Ihr Bild gelegentlich veröffentlicht hat“, sagte Sunny. „Ich kann nur nicht begreifen, warum das Mädchen sich über Ihre Anwesenheit so erregte. Sie musste doch damit rechnen, dass Sie kommen würden, um sich die Show anzusehen.“

„Ich verstehe das auch nicht.“

Dann schwiegen sie, bis sie vor dem Hospital ankamen.

„Die Patientin ist in die Unfallstation gebracht worden“, lautete der Bescheid am Eingang.

Dann saßen die beiden vor dem Raum, in dem die Ärzte um das Leben des Mädchens kämpften. Es dauerte lange, so lange, dass Braden anfing, doch noch Hoffnung zu schöpfen. Erst nach mehr als einer Stunde öffnete sich die Tür. Zwei Ärzte kamen heraus.

Braden sprang auf.

„Haben Sie Erfolg gehabt?“, fragte er atemlos.

„Sind Sie ein Verwandter?“, war die Gegenfrage.

„Nein. Mein Name ist Jack Braden, ich bin Privatdetektiv und wurde von der Mutter Nita Walters beauftragt, mich um sie zu kümmern. Die Mutter war in großer Sorge um ihre Tochter.“

Dabei wies er seine Lizenz vor.

„Es tut mir außerordentlich leid, Mister Braden. Es war nichts mehr zu machen. Wir haben sogar den Brustkorb geöffnet und versucht, das Herz durch Massage wieder zum Schlagen zu bringen. Zuerst schien es so, als ob das gelinge, aber nach wenigen Schlägen blieb es wieder stehen. Die Herzkammern waren wie gelähmt.“

„Und welches ist die Todesursache?“

„Herzschlag. Durch was dieser hervorgerufen wurde, können wir erst nach einer Obduktion eindeutig feststellen.“

„Sind die Eltern bereits benachrichtigt?“

„Nein. Bisher hatten wir ja keine Ahnung, wie das Mädchen hieß.“

Jack Braden machte die erforderlichen Angaben. Nun blieb ihm nur noch der schwere Weg zum Ehepaar Walters. Dawn Barris begleitete ihn.

Während sich Joan Walters in wilden Vorwürfen gegen sich selbst, Jack Braden und vor allem gegen den Scharlatan Al Bush erging, ehe sie mit einem Nervenschock zusammenbrach, bewahrte Mr. Walters eine fast unnatürliche Ruhe.

„Sie dürfen die Vorwürfe meiner Frau nicht ernst nehmen“, sagte er, nachdem die unglückliche Mutter zu Bett gebracht und unter der Obhut ihres Hausarztes geblieben. „Sie konnten nicht anders handeln, und Sie konnten das Unglück nicht voraussehen. Woran ist Nita Ihrer Ansicht nach gestorben?“

„Das ist eine Frage, die nur die Ärzte beantworten können. Ich weiß es nicht. Wir müssen die Obduktion abwarten.“

„Das ist wohl das Beste. Was hat eigentlich dieser Lump, der sich Magier nennt, dazu gesagt?“

„Gar nichts. Ich habe ihn überhaupt nicht mehr gesehen. Ich nehme an, dass er sich zu spät der Folgen bewusst geworden ist, die sein übler Streich hatte. Er ist wohl einfach weggelaufen.“

„Auf alle Fälle werde ich versuchen, den Kerl wegen fahrlässiger Tötung, wenn nicht sogar wegen Mordes, zu belangen. Er musste wissen, welchen Einfluss die Aufmachung mit Goldpuder ausübte, und er hätte unbedingt vorsichtiger sein müssen.“

„Ihre Tochter stand, meiner festen Oberzeugung nach, unter Hypnose, als die Sache passierte. Der Kerl suggerierte ihr, was sie zu sagen habe. Ich bin kein Experte, aber ich weiß, dass derartige, in der Hypnose gegebenen Befehle, keinerlei Gemütsbewegungen hervorbringen, wenn der Hypnotiseur das nicht will, und er wollte ja nichts anderes als mich blamieren oder abschrecken.“

„Sie glauben also, dass ihr die Bedeutung dessen, was sie sagte, gar nicht bewusst war?“

„Ich sagte schon einmal, dass ich kein Experte bin, aber ich erinnere mich, derartiges gelesen zu haben.“

 

 

3

Am Morgen des 13. Oktober rief Detektiv-Leutnant Bob Temper von der Mordkommission II in Bradens Office an.

„Es handelt sich um die Sache in SHIRLEY MOCK‘S Club, bei der ein Mädchen namens Nita Walters ums Leben kam. Ihr Vater hat Anzeige gegen Al Bush, der den Magier Mohamed Ali spielt, erstattet. Er behauptet, der Mann trage die Schuld am Tode seiner Tochter. Inzwischen ist das Resultat der Obduktion bekannt. Todesursache ist eine Lähmung der Herzmuskeln, die alle möglichen Anlässe haben kann. Die Ärzte im Krankenhaus neigen dazu, diese Anlässe erstens in der durch das Aufträgen des Goldpuders verursachten Kreislaufstörung und zweitens einer heftigen Erregung zu sehen. Ich brauche Ihre Aussage. Können Sie sofort zu mir kommen?“

Eine Viertelstunde später war Jack Braden in der Center Street im Polizeihauptquartier. Er berichtete von dem Besuch Mrs. Walters und von dem, was sich am Abend im Club zugetragen hatte.

„Haben Sie eigentlich diesen Al Bush schon vernommen?“, fragte er dann.

„Ja, soweit das möglich ist. Der Bursche hat einen Nervenschock erlitten oder er mimt ihn. Er wurde heute morgen um sechs Uhr von der Polizeistreife in der 12. Straße auf dem Kantstein sitzend vorgefunden. Er hatte getrunken, aber nicht so viel, dass das seine irren Reden erklärt hätte. Er wurde ins City-Hospital gebracht und liegt dort in der psychiatrischen Abteilung. Aus seinen Reden geht hervor, dass Nita Walters nicht nur seine Assistentin, sondern auch seine Geliebte war. Auf Grund des Eindrucks, den ich gewonnen habe, bin ich der Ansicht, dass der Mann im höchsten Grade fahrlässig gehandelt hat. Mehr werden wir ihm nicht zur Last legen können.“

 

 

4

„Drüben im Besuchszimmer sitzt einer, der Sie unbedingt sprechen möchte“, sagte Dawn Barris, als Jack Braden in das Office zurückkam.

„Was will er?“. fragte Braden unwillig.

Er hatte gar keine Lust, sich jetzt mit jemandem abzugeben.

„Er tut sehr geheimnisvoll. Er sagt, er habe etwas mit Al Bush zu tun.“

Im nächsten Augenblick war Dawn Barris allein. Braden hatte die Diele durchquert und die Tür zum Besuchszimmer aufgerissen.

Auf der Kante eines Sessels hockte ein kleiner, magerer Mann mit pockennarbigem Gesicht. Er war schäbig gekleidet und seine Wäsche angeschmutzt.

„Hello, Sniffy! Was wollen Sie von mir?“, fragte Braden.

Sniffy, dessen wirklichen Namen nur die Richter des Municipal Court und einige Gefängnisbeamte kannten, räusperte sich. Sniffy war ein kleiner Trickbetrüger und verschmähte es auch nicht, gelegentlich einen Betrunkenen zu fleddern oder eines der Mädchen aus dem Eastend zu erpressen. Außerdem war er ein Stool pigeon, was soviel heißt wie Spitzel oder Informant. Er hatte Braden schon öfter, natürlich gegen klingende Münze, Auskünfte gegeben oder besorgt.

„Reden Sie schon, Sniffy! Was gibt es?“

„Nur wenn Sie mir feierlichst versprechen, mich aus der Sache herauszuhalten“, war die Antwort.

„Sie wissen ganz genau, dass ich das schon im eigenen Interesse tue“, sagte Braden. „Ein bekannter Spitzel ist gewöhnlich auch ein toter Spitzel, und er kann mir nichts mehr erzählen. Also, reden Sie.“

„Ich habe von der Sache im SHIRLEY MOCK‘S Club gelesen. Ich kenne diesen angeblichen Al Bush oder Mohamed Ali, der den großen Zauberer markiert. Ich habe nämlich einmal zusammen mit ihm im Staatsgefängnis gesessen. Das ist allerdings schon zwölf Jahre her, aber ich erinnere mich noch an ihn. Er bekam es damals fertig, einen Wärter zu hypnotisieren, und hätten andere nicht aufgepasst, so wäre er vergnügt und munter aus dem Gefängnis spaziert. Vor vierzehn Tagen traf ich ihn auf der Straße, und zwar mit einem bildhübschen Mädchen. Ich sah sofort, dass er die Kleine unter dem Daumen hatte, und ich wusste ja, wie er das machte. Ich ging ihm nach und stellte ihn, als er allein war. Ich sagte ihm auf den Kopf zu, er habe das Girl hypnotisiert.“

„Und was war seine Antwort?“

„Er fuhr mich an, ich solle die Schnauze halten, sonst werde es ein schlechtes Ende mit mir nehmen. Aber wir waren mitten auf dem Broadway, und so lachte ich ihn aus. Er konnte mir nichts anhaben, und außerdem wusste er, dass er mich nicht hypnotisieren kann. Er hatte das aus Spaß einmal im Knast versucht – vergeblich! Zum Schluss gab er mir fünfzig Dollar und empfahl mir, ihm nicht mehr unter die Augen zu kommen.“

„War es dieses Mädel?“, fragte Braden und zog Nitas Foto aus der Tasche.

„Ja. Ich erkenne sie genau. Ich dachte, meine Auskunft könne Ihnen etwas wert sein“, sagte er lauernd.

„Sie ist nicht viel wert, aber einen Zwanziger können Sie haben. Wenn Sie noch etwas verdienen wollen, so versuchen Sie, mehr über Al Bush zu erfahren. Jede Kleinigkeit interessiert mich.“

„Etwas kann ich Ihnen sofort noch sagen. Er heißt nicht Al Bush. Damals im Gefängnis wurde er Roy Bird genannt.“

„All right, Sniffy, hier haben Sie Ihren Zwanziger. Wenn Sie mir mehr bringen, können Sie auch mehr verdienen.“

„Ich tue, was ich kann“, grinste der Spitzel. „Aber verpfeifen Sie mich nicht!“

Eine Stunde später war bereits festgestellt, dass die Auskunft stimmte. Die Stadtpolizei hatte den Gauner an Hand seiner Fingerabdrücke identifiziert.

„Allerdings nützt uns das wenig“, sagte Leutnant Temper am Telefon. „Das heißt, solang wir ihm in dem vorliegenden Fall keine grobe Fahrlässigkeit oder gar Absicht nachweisen können.“

 

 

5

Am nächsten Morgen um zehn Uhr wurde Nita Walters auf dem Linden Hill Friedhof beigesetzt. Offiziell hätte niemand wagen dürfen, diese „Ruhestätte der Verklärten“ einen Friedhof zu nennen. Der selige Mister Brown, der ihn gegründet hatte, würde sich das entrüstet verbeten haben. Mister Brown hatte vor 60 Jahren einen Ruf Gottes vernommen, der ihm befahl, dieses „Paradies auf Erden“ zu gründen.

Nun sind göttliche Rufe in den Staaten nichts Außergewöhnliches, und im Allgemeinen steckt dahinter am Ende ein gutes Geschäft! So war es auch bei Mister Brown gewesen. Er starb als Millionär. Allerdings kostet ein halbwegs anständiges Begräbnis in diesem „Garten Eden“ ungefähr 2500 Dollar.

Die Toten werden einbalsamiert, frisiert, geschminkt und in herrliche Phantasiegewänder gekleidet. Sie liegen nicht in Särgen, sondern in Prunkbetten, die in luftdichten Grüften aufgestellt werden. Es sind ausnahmslos schöne Leichen, auch wenn sie im Leben hässlich gewesen sind. Es hat Leute gegeben, die Mister Brown und seine Institution angegriffen haben, aber diese Leute waren bloß Meckerer und Querulanten. Für Angehörige der obersten vierhundert Familien war es eine Ehrensache, auf Linden Hill in Mister Browns Paradies einzugehen.

Dort also wurde Nita Walters, die in einem Nachtclub die Goldene Göttin gemimt hatte, und deren Vater Millionen besaß, zur ewigen Ruhe gebettet.

Es war das übliche Drumherum mit einem weißgekleideten Kinderchor, Posaunenbläsern und dem Friedhofspfarrer, nach dessen Worten Nita beinahe eine Heilige gewesen sein müsste. Es gab Hunderte von Leidtragenden und Neugierigen. Darunter auch Jack Braden und Dawn Barris.

Auch Mr. Al Bush, wie wir ihn weiter nennen wollen, war erschienen. Er hatte den Mantelkragen hochgeschlagen, was nicht weiter auffiel, denn ein kalter Wind peitschte den Regen durch die kahlen Äste. Die Denkmäler und Tempelchen troffen vor Nässe ebenso wie die Trauergemeinde, die immer kleiner wurde, je länger die Feierlichkeit dauerte.

„Sehen Sie da, Sunny“, flüsterte Jack Braden. „Der Kerl hat sich überraschend schnell von seinem Nervenschock erholt.“

„Wenn er jemals einen gehabt hat!“

Als man endlich auseinanderging, und Mr. Al Bush im Begriff war, seinen chromblitzenden Wagen zu besteigen, wurde er angesprochen. Zwei Herren, deren Beruf ihnen auf die Stirn geschrieben war, zückten ihre Ausweise und forderten ihn auf, ihnen zwecks Vernehmung ins Polizeihauptquartier zu folgen. Der Magier protestierte, aber das half ihm nichts.

Drei Stunden lang bemühte sich Leutnant Temper, ihn aufs Glatteis zu führen und ihm das Geständnis zu entlocken, er habe leichtsinnigerweise mit dem Leben seiner Partnerin gespielt und sie gegen ihren Willen in Hypnose versetzt. Aber er hatte keinen Erfolg.

Sogar die Bescheinigung eines namhaften Arztes konnte Al Bush vorweisen. Dieser Arzt bestätigte, dass die Behandlung mit Goldpuder keinerlei Gesundheitsschädigungen hervorrufen könne. Al Bush gab bereitwilligst zu, Nita habe ihm von dem Auftrag, den ihre Mutter Jack Braden erteilt hatte, erzählt. Als er den Detektiv, den er von Ansehen kannte, in SHIRLEY MOCK‘S Nachtclub und sogar auf der Bühne sah, habe ihn der Zorn übermannt. Er bereue das natürlich, glaube aber nicht, dass seine Handlungsweise etwas mit Nitas plötzlichem Tod zu tun habe. Er sagte, das Mädchen habe schon des Öfteren über Herzbeschwerden geklagt, er habe dem aber keine Bedeutung beigemessen.

Details

Seiten
114
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738952452
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (März)
Schlagworte
jack braden thriller magier göttin

Autor

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Titel: Ein Jack Braden Thriller #34: Der Magier und die Göttin