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Der Nobelkiller: N.Y.D. – New York Detectives

2021 110 Seiten

Leseprobe

Table of Contents

Der Nobelkiller: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

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Der Nobelkiller: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 110 Taschenbuchseiten.

 

May Carrington soll getötet werden. So jedenfalls hat es ihr Mann bestimmt und einen Gangster damit beauftragt, die Tat für ihn auszuführen. Der Gangster jedoch will bei May abkassieren und verrät das Komplott. Aber da stellt sich heraus, dass der Auftraggeber gar nicht ihr Mann ist.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Der Mann im seidig schimmernden Mohairanzug hatte einen korrekt gezogenen Scheitel und eine rosige Gesichtshaut. Die Art, wie er an dem Baum lehnte und eine Zigarette rauchte, wirkte lässig-nonchalant, aber sie täuschte nicht darüber hinweg, dass er hochgradig nervös war.

John Prather saß im Sattel seiner schweren, japanischen Maschine. Er hielt die Arme vor der Brust verschränkt und musterte den Mann, der ihn an diesen Ort etwas außerhalb der Stadt gebeten hatte, aus schmalen, verkniffenen Augen.

„Hier bin ich“, sagte er. „Also – was wollen Sie von mir?“

„Ich habe einen Auftrag zu vergeben“, erwiderte der Mann im Mohairanzug. „Das sagte ich Ihnen bereits am Telefon.“

„Stimmt. Sie behaupteten, dass ich durch Sie eine Stange Geld verdienen könnte“, erinnerte sich John Prather. „Viel mehr haben Sie nicht gesagt.“

Der Mann lächelte dünn. „Immerhin hat es ausgereicht, Sie zu motivieren. Sie sind gekommen. Darüber bin ich sehr froh.“

„Lassen Sie endlich die Hosen runter“, forderte Prather. Er war ganz in schwarzes Leder gekleidet. Auf der Rückseite seiner Jacke befand sich das Emblem der Gruppe, ein schwarzer Teufel mit rotglühenden Augen, der feixend auf einem brennenden Globus ritt. „Kommen Sie zur Sache“, sagte Mann. Worum geht es?“

„Ich habe Ihnen bereits am Telefon klargemacht, dass Sie für das Geld etwas tun müssen … etwas, das mit Moral und Gesetz nicht in Einklang zu bringen ist“, meinte der Mann. „Sie erwiderten, dass Sie an diesen Begriffen nicht interessiert seien.“

„So geschwollen habe ich mich bestimmt nicht ausgedrückt, aber ich stehe zu meinen Worten. Ich bin kein Heiliger. Jeder weiß das, aber wie haben Sie es erfahren?“

„Sie sind der Boss der Black Devils“, erwiderte der Mann im Mohairanzug. „Vor einer Woche stand etwas über Sie und Ihre Gang in der Zeitung. Ich wette, Sie kennen den Artikel. Darin heißt es, dass Sie und Ihre Jungen vor nichts zurückschrecken, buchstäblich vor gar nichts.“

John Prather grinste. Ihm hatte der Artikel gefallen. Seit seinem Er scheinen hatten die Leute noch mehr Respekt vor ihm und der Bande.

„Ich verstehe“, sagte er langsam. Seine Kinnladen bewegten sich mahlend. Er hatte herausgefunden, dass es den Leuten Angst machte, wenn er sie anstarrte und mit ausdruckslosem Gesicht auf einem Gummi herumkaute. „Sie haben also den Artikel gelesen, ins Telefonbuch gesehen und sich meine Nummer ‘rausgepickt. Sie haben gedacht: Das ist mein Mann, den hole ich mir. Ich muss da aber eine Kleinigkeit richtigstellen. Ich bin kein mieser, kleiner Ganove. Ich bin nur für Sachen zu haben, die sich lohnen, bei denen es um etwas geht.“

„Es freut mich zu hören, dass Sie diesen Standpunkt verfechten, er passt in mein Konzept“, meinte der Mann und ließ die Zigarette fallen. Er trat sie sorgfältig mit dem Absatz aus.

John Prather sah ihm dabei zu. Er bemerkte, dass der Mann sehr elegante, rotbraune Mokassins trug. Sie waren offenbar handgefertigt.

„Wissen Sie, ich möchte mich von meiner Frau trennen“, sagte der Mann und vermied es, Prather anzusehen.

„Was habe ich denn damit zu tun?“, fragte John Prather.

Der Mann lächelte. Er hatte hellblaue Augen und blondes Haar, das den Eindruck erweckte, als sei es leicht pomadisiert.

„Scheidung kommt nicht in Frage“, er klärte er.

John Prather war verblüfft. Er vertraute seinen Muskeln und seinen Fäusten. Er hatte keine Skrupel, sie bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ins Spiel zu bringen, er drehte auch mal ein Ding, das nicht in die Landschaft der Rechtsordnung passte, aber er war kein Killer.

Er wollte dem Mann das sagen, aber irgend etwas hielt ihn davon ab, massiv zu werden. Er wollte erst einmal wissen, was der Unbekannte von ihm erwartete. Vor allem wünschte er herauszufinden, welche Summe genannt werden würde.

„Soll ich sie umlegen?“, fragte er.

Der Mann lächelte schon wieder. Es war ein Lächeln, das John Prather Übelkeit verursachte. „Ich will sie loswerden, das ist alles. Ich überlasse es Ihnen, wie Sie das anstellen. Wichtig ist nur, dass mein Alibi steht.“

„Warum nehmen Sie sich keinen Profi?“, fragte John Prather. „Killer gibt‘s in dieser Stadt haufenweise.“

„Ich kenne keinen. Ich habe keinerlei Kontakte zur Unterwelt“, sagte der Mann. „Der Artikel in der Zeitung brachte mich auf die Idee.“

„Schon gut“, unterbrach John Prather. „Was springt dabei für mich heraus?“

Er hatte nicht vor, zu töten. Um keinen Preis.

Natürlich sagte er das dem Mann nicht. Warum auch. Es genügte, zu kassieren und dann unter einem Vorwand zu kneifen. Der Blonde mit dem pomadisierten Scheitel würde danach nicht den Hauch einer Chance haben, sein Geld wieder einzutreiben.

„Zehntausend Dollar“, sagte der Mann.

John Prathers Kinnladen blieben stehen. Er spitzte die Lippen. Killer pflegten in dieser Stadt schon für ein Drittel oder Viertel der genannten Summe aktiv zu werden.

„Wie steht es mit einem Vorschuss?“, fragte Prather.

„Den können Sie haben“, meinte der Mann. „Sagen wir Tausend?“

„Das ist zu wenig“, preschte Prather vor. „Die Hälfte ist doch wohl üblich.“

„Ich weiß nicht, was üblich ist. Aber welche Sicherheit habe ich, dass Sie den Auftrag auch ausführen?“

„Keine“, sagte John Prather grinsend und setzte seine Kinnladen erneut in Bewegung. „Sie müssen mir schon blind vertrauen. Entweder Sie zahlen, oder Sie lassen es bleiben.“

Der Mann schwieg ein paar Sekunden. Er versuchte in John Prathers Gesicht zu lesen, aber es war unmöglich, dem harten, glattrasierten Gesicht einen klar definierbaren Ausdruck abzutrotzen.

„Sie schaffen sie mir vom Leibe?“, fragte der Mann schließlich.

„Aber klar“, John Prather nickte. „Das ist kein Problem. Ich brauche nur das Geld und ihre Adresse.“

 

 

2

John Prather, der eingeschworene Zweirad-Fan, hasste es, Auto zu fahren; Porsches, Thunderbirds und ähnliche Flitzer ausgenommen. Als er beschloss, May Carrington aufzusuchen, hielt er es aber für angezeigt, seinen schwarzen Lederdress gegen eine Sportkombination einzutauschen und mit dem blauen Chevrolet seines Vaters loszubrummen.

Das Haus der Carringtons befand sich in Long Island, auf einem sanften Hügel, dessen betuchte Bewohner einen unverbaubaren Blick über die Great South Bay genießen konnten. Hier, im Ortsteil Patchogue, residierten Leute, die ihr Vermögen in Millionen zu messen pflegten und beträchtliche Prozentzahlen davon für ihre Sicherheit ausgaben.

Von den in Patchogue üblichen Leibwächtern war freilich nichts zu sehen, als John Prather durch die offene Toreinfahrt fuhr und den Chevy vor dem einstöckigen Klinkerhaus mit den weißen Fensterläden zum Halten brachte. Er stieg aus, ging auf die Tür zu und klingelte.

Ein Butler öffnete. „Ich möchte zu Mistress Carrington“, sagte Prather.

„Sind Sie angemeldet?“, näselte es zurück.

„Nein.“

„Darf ich Ihren Namen und den Grund Ihres Besuches erfahren, Sir?“

„Nein, das dürfen Sie nicht“, sagte Prather. Er grinste dabei. Einerseits machte es ihm Spaß, mit Sir angeredet zu werden, andererseits hielt er es für notwendig, sich über den Domestiken lustig zu machen. Was gab es auf dieser Welt doch für lächerliche Kreaturen!

Prather trat über die Schwelle. „Wo ist sie?“, fragte er und schob den Butler beiseite wie ein lästiges Hindernis.

Er erhielt keine Antwort, doch die Reaktion, mit der er fertig werden musste, war um so schockierender.

Der Butler praktizierte einen Judogriff. Die Attacke war nicht einmal im Ansatz erkennbar und schickte John Prather ebenso rasch wie schmerzhaft zu Boden.

John Prather schluckte. Er brauchte Sekunden, um zu begreifen, was geschehen war.

Dieser lächerlich anmutende Typ mit der ledern wirkenden Haut und dem traurigen Gesichtsausdruck, ein Mann von mindestens vierzig, hatte es tatsächlich geschafft, ihn von den Beinen zu holen!

John Prather erhob sich. Er war konsterniert.

Zum Glück war keiner von den Black Devils Zeuge des Geschehens geworden, denn dass er, der Boss der Bande, von einem ganz in feierliches Schwarz gewandeten Butler auf den Rücken gelegt worden war, ließ sich einfach nicht rechtfertigen.

John Prather grinste. Er war gewarnt. Ein zweites Mal würde ihm das nicht passieren!

Er schoss die Linke ab. Er legte eine Menge Drive hinein, aber seine Faust schoss ins Leere. Noch ehe er sie zurückziehen und erneut angreifen konnte, widerfuhr dem Arm etwas Ärgerliches. Er wurde abgefangen und mit einem Drehgriff bedacht. John Prather schrie. Der Schrei fiel zusammen mit dem dumpfen Krachen, den sein auf den Steinplatten der Vorhalle auftreffender Körper erzeugte.

„Was geht hier vor?“, fragte eine kühle Frauenstimme.

John Prather hob den Kopf. Die junge Frau, die aus der Halle getreten war, trug einen eleganten Hosenanzug aus feinem, silbergrauen Chiffon. Von fast gleicher Tönung war das kurzgeschnittene Haar. Es bildete einen seltsamen Kontrast zu dem glatten, jugendlichen Gesicht mit den riesigen, dunklen Augen und den schwellenden, roten Lippen.

„Der junge Mann hat versucht, auf eine sehr rüde Weise hier einzudringen“, rechtfertigte der Butler mit näselnder Stimme sein Verhalten.

John Prather erhob sich benommen. Er kam sich gedemütigt vor. „Mistress Carrington?“, murmelte er.

„Die bin ich. Was wünschen Sie von mir?“

„Ich … ich muss Sie sprechen.“

„Wer sind Sie? Worum geht es?“

„Ich habe gute Gründe dafür, Ihnen meinen Namen nicht zu nennen“, sagte John Prather zögernd. „Sie werden sie billigen, wenn Sie erfahren, was mich zu Ihnen führt.“

May Carrington zögerte. Sie musterte den Besucher prüfend und sehr kühl, fast so, als sei er ein Gegenstand, eine Ware minderer Qualität. „Also gut“, seufzte sie schließlich. „Begleiten Sie mich auf die Terrasse.“

John Prather grinste dem Butler ins Gesicht. „Alle Achtung, alter Junge“, sagte er. „Von dir kann unsereiner noch eine ganze Menge lernen.“

Die Frau schritt voran. Sie bewegte sich im Schleier eines herb-süßen Parfüms. Prather folgte ihr und blickte sich beeindruckt um. Halle und Wohnzimmer waren ungewöhnlich groß. In jedem Detail der eleganten Einrichtung zeigte sich, dass die Carringtons Geschmack und Geld besaßen und zu repräsentieren wussten.

Die Terrasse lag im Schatten einer aufgespannten Markise. May Carrington setzte sich und lud den Besucher ein, ihr gegenüber Platz zu nehmen.

„Worum geht es?“, fragte sie.

„Um Ihr Leben“, erwiderte John Prather und kam damit geradewegs zur Sache.

„Sie wollen mir eine Versicherung verkaufen? Danke, damit bin ich versorgt.“

„Man will Sie ermorden.“

May Carrington lächelte. „Es ist schon seltsam“, meinte sie. „Die Leute lassen sich immer wieder etwas Neues einfallen. Glauben Sie, eine besondere Marktlücke entdeckt zu haben? Sie behaupten mir gegenüber, ich sei bedroht und werden sich mir, davon bin ich überzeugt, im gleichen Atemzug als Retter anbieten. Sehr originell ist das nicht.“

„Wie hätten Sie‘s denn gern?“, fragte Prather wütend. Er hatte eine andere Reaktion der Frau erwartet.

„Aus dem Alter, wo Märchen mir gefallen konnten, bin ich längst heraus.“

„Ihr Mann ist seit gestern in Detroit“, sagte John Prather und holte die Brieftasche aus seinem Sakko. Er öffnete sie. In ihrem Inneren lagen drei Tausender. „Er hat mir Fünf davon gegeben“, fuhr er fort. „Zwei habe ich bereits ausgegeben. Ich habe Schulden damit beglichen.“

„Worauf wollen Sie hinaus?“

„Ich möchte Ihnen die Wahrheit verkaufen.“

„Welche Wahrheit?“

„Ihr Mann legt Wert darauf, dass Sie aus seinem Leben verschwinden. Für immer. Er hat mich gebeten, Sie umzubringen. Ich hatte niemals vor, darauf einzugehen, aber Sie werden verstehen, dass ich gewillt war, das Geld einzustreichen. Ich kann‘s gebrauchen. Jetzt möchte ich von Ihnen eine Belohnung kassieren.“

Im Gesicht der Frau zuckte kein Muskel, nur die ohnehin schon sehr großen Augen schienen sich zu erweitern. „Max liebt mich“, sagte sie. „Ich weiß es.“

„Ich weiß es besser.“

„Ich glaube Ihnen nicht. Können Sie beweisen, was Sie behaupten?“

John Prather lehnte sich zurück. Er bewunderte die Frau, er war zutiefst beeindruckt von ihrer Schönheit, und er fragte sich, was sie bewogen hatte, Max Carrington zu heiraten … einen Mann, dessen Haut an ein Marzipanschweinchen erinnerte und der sein Haar pomadisierte.

„Ihr Mann ist kein Dummkopf“, sagte er. „Natürlich gibt es für das Gespräch, das er mit mir führte, keine Zeugen. Er hat mich telefonisch gebeten, ihn auf einem Parkplatz außerhalb der Stadt zu treffen. Ich war pünktlich. Er war vor mir da. Er lehnte an einem Baum und rauchte.“ Plötzlich lachte die Frau.

„Was ist daran so lustig?“, knurrte John Prather irritiert.

„Sie haben sich verraten. Ihre Geschichte kann gar nicht stimmen“, sagte May Carrington. „Max ist Nichtraucher.“

„Das ist nicht wahr“, murmelte John Prather.

„Soll ich Howard rufen? Der Butler wird es Ihnen bestätigen“, sagte die Frau.

John Prather stülpte die Unterlippe nach vorn. „Kann ich mal ein Foto von Ihrem Mann sehen?“, fragte er nach kurzer Pause.

Die Frau zögerte, dann erhob sie sich und ging ins Haus. Als sie zurückkehrte, hielt sie ein silbergerahmtes Foto in der Hand. „Das ist er“, sagte sie und überließ John Prather das Bild.

„Ich will verdammt sein“, entfuhr es Prather.

Die Frau setzte sich. „Das ist nicht der Mann, mit dem Sie gesprochen haben wollen – richtig?“

„Das ist Ihr Mann?“

„Ja, das ist Max. Max Carrington.“ Das Foto zeigte das schmale, markante Gesicht eines schätzungsweise achtunddreißig-jährigen Mannes. Er hatte dunkles, lose zurückgekämmtes Haar mit Koteletten. Der schmale Mund lächelte spröde. Die hellen Augen fixierten den Betrachter, trotz des Lächelns wirkten sie seltsam kalt und hart.

„Das ist nicht der Mann, mit dem ich gesprochen habe“, sagte John Prather.

May Carrington verzog die Lippen. „Ich wollte Sie nur auf die Probe stellen“, sagte sie. „Das ist mein Bruder.“

Sie nahm Prather das Bild ab, begab sich ins Wohnzimmer und tauchte eine Minute später mit einem anderen Foto auf. Es war gleichfalls in Silber gerahmt. Das Bild zeigte einen sehr ernst aussehenden Enddreißiger, der einen versonnenen, geradezu grüblerischen Eindruck machte. Auch er hatte dunkles Haar und helle Augen.

„Wer ist das?“, fragte John Prather.

„Das ist Max.“

„Ich kenne ihn nicht“, sagte John Prather stirnrunzelnd.

„Na, bitte!“, meinte die junge Frau und setzte sich. „Ich wusste ja …“ Sie unterbrach sich. In ihren Augen formierte sich Angst. „Aber wenn jemand Max‘ Name missbrauchte und Ihnen Geld dafür gab, dass Sie mich umbringen, erhebt sich die Frage, was dahintersteckt.“

„Eben.“ John Prather nickte, schon wieder obenauf. „Jemand wünscht Sie aus dem Verkehr zu ziehen, das steht nun mal fest. Dieser Job ist ihm zehn Riesen wert. Meinetwegen auch nur die fünf, die ich bekommen habe. Der Mann erwartet, dass ich handle … nach der Tat würde ich den Rest der Summe schwerlich einklagen können.“

„Wann haben Sie mit dem Mann gesprochen?“

„Das letzte Mal vor drei Tagen.“

„Sie haben ihn mehrere Male getroffen?“

„Insgesamt zweimal. Einmal auf dem Parkplatz vor der Stadt, und ein zweites Mal im Yankee Stadion, bei den Umkleidekabinen. Auch da war niemand in der Nähe“, schloss John Prather.

„Wie sah der Mann aus?“

„Blond. Hochgewachsen. Prima in Schale. Sein Haar machte den Eindruck, als enthielte es Pomade oder einen anderen Festiger. Der Scheitel war auffallend korrekt gezogen, wie mit dem Lineal, und die Gesichtshaut war richtig rosig, sie ähnelte der eines Kindes.“

„Alter?“

„Vierzig, würde ich sagen.“

„Ich wüsste auf Anhieb niemand zu nennen, auf den diese Beschreibung passt“, sagte die Frau langsam, aber John Prather hatte das Gefühl, dass sie log und sehr wohl ahnte oder wusste, von wem er sprach.

„Sie werden verstehen, dass ich Ihnen meinen Namen nicht zu nennen wünsche“, sagte John Prather. „Immerhin habe ich mich bereit erklärt, einen Mord zu begehen – auch wenn diese Absichtserklärung purer Bluff war und bloß dem Zweck diente, dem Kerl das Geld aus der Tasche zu holen. Ich habe fünftausend kassiert und möchte das Geld nicht nur behalten, sondern noch vermehren. Deshalb bin ich hier. Sie sind jetzt gewarnt. Meine Warnung kann und soll Ihnen helfen, weiteren Bedrohungen zu trotzen. Ich denke, das sollte honoriert werden.“

„Wir können den Mann austricksen“, sagte May Carrington.

„Wie denn?“

„Ich nehme doch an, dass Sie den Rest der Summe bekommen sollen, wenn ich tot bin?“

„So haben wir es abgesprochen.“

„Wie sollte das … das Verbrechen im einzelnen vor sich gehen?“, fragte die junge Frau.

„Er hat mir keine Ratschläge erteilt. Er sagte nur, dass es passieren müsse, während er sich in Detroit aufhält“, erklärte John Prather.

„Wann sollten Sie den Rest der Summe erhalten?“

„Nach Ihrem Tod.“

„Wie?“

„Er hat versprochen, mir das Geld zuzuschicken.“ John Prather grinste. „Da ich nicht vorhabe, und niemals vorhatte, den Job auszuführen, muss ich wohl oder übel auf den Rest der Summe verzichten. Ich hoffe, Sie gewähren mir dafür die verdiente Kompensation.“

„Sie können das Doppelte bekommen, wenn Sie herausfinden, wer der Mann ist.“

„Wie soll ich das anstellen?“

„Oh, Sie wissen, wie er aussieht. Haben Sie nicht versucht, ihm zu folgen? Haben Sie nicht gesehen, welches Auto er benutzte und welche Nummer es hatte?“

„Nein. Er nannte mir seinen Namen. Das genügte mir. Warum hätte ich unter diesen Umständen versuchen sollen, mich an seine Fersen zu heften?“

„Sie sind naiv“, sagte die junge Frau.

John Prather biss sich auf die Unterlippe. Natürlich hatte May Carrington recht. Vor lauter Gier, das Geld zu behalten, hatte er wie ein Anfänger gehandelt. Dabei hätte ihm klar sein müssen, dass ein Mann, der einen Mordauftrag vergibt, nicht mit seiner Identität hausiert. Gerade der Umstand, dass der Mann im Mohairanzug sich als Max Carrington vorgestellt hatte, bewies, dass er ein anderer war.

„Ich muss wohl oder übel zur Polizei gehen und sie von dem Vorfall in Kenntnis setzen“, sagte May Carrington langsam. „Aber erst spreche ich mit Max darüber. Ich telefoniere mit ihm … oder ich nehme die nächste Maschine und besuche ihn in Detroit.“

„Davon rate ich Ihnen ab.“

„Warum?“

„Ich bin weder Hellseher noch Detektiv, aber wenn ich mir vor Augen halte, was geschehen ist, komme ich zu dem Schluss, dass Max, Ihr Mann, trotz allem der eigentliche Drahtzieher ist.“

„Absurd!“

„Okay. Sie können selbst am besten beantworten, wer von Ihrem Tod profitiert.“

„Ich muss das Ganze erst einmal verarbeiten. Lassen Sie mir Ihre Adresse hier, bitte. Ich verständige Sie, sobald ich einen Entschluss gefasst habe.“

„Ich sagte bereits, dass ich Ihnen meinen Namen nicht nennen kann. Sie müssen mir schon glauben, dass wahr ist, was ich Ihnen berichte.“

„Eines begreife ich nicht. Warum hat der Mann, von dem Sie sprechen, gerade mit Ihnen Kontakt aufgenommen?“

„Mein Name stand kürzlich in der Zeitung. Ich wurde als ein Mann ohne Skrupel beschrieben, als einer, der vor nichts zurückschreckt. Das brachte den Blonden offenbar auf die Idee, mir den Auftrag anzubieten. Ich hätte ihm am liebsten die Fresse poliert, aber dann erschien es mir klüger und vernünftiger, ihm die Mäuse abzunehmen.“

„Kommen Sie morgen hier vorbei … um die gleiche Zeit. Passt Ihnen das?“

„Geht in Ordnung“, erwiderte John Prather und erhob sich. „Aber versuchen Sie bitte nicht, mich aufs Kreuz zu legen. Ich müsste Ihnen sonst beweisen, wie recht der Artikelschreiber mit seinen Worten über mich hatte.“

Eine Minute später stieg er in den Chevy und fuhr los. Als er die Straße erreicht hatte, kam ihm eine Idee. Er lenkte das Fahrzeug an den Bürgersteigrand, stoppte und kletterte ins Freie.

Zu Fuß begab er sich zurück auf das Carrington‘sche Grundstück. Er hatte keine Ahnung, ob man ihn bemerkte. John Prather schritt an der Tür vorbei und ging um das Haus herum.

Die Terrasse war leer. Das überraschte ihn nicht. Vieles sprach dafür, dass May Carrington mit ihrem Mann telefonierte oder doch versuchte, ihn fernmündlich zu erreichen. John Prather hatte den Wunsch, mitzuhören, was sie ihm zu sagen hatte.

Er pirschte sich an die offene Terrassentür heran, ohne einen Laut zu vernehmen. Noch während er erwog, ob es zu vertreten sei, sich in das Haus einzuschleichen, fiel sein Blick auf einen von Bäumen und Büschen halb verdeckten Geräteschuppen am Ende des Gartens.

John Prather runzelte die Stirn. Irgend etwas an dem Schuppen faszinierte ihn, er wusste selbst nicht zu sagen, wieso. Die Tür des Schuppens stand halb offen. Dahinter gähnte tiefe Dunkelheit.

John Prather überquerte den Rasen, er schritt geradewegs auf den Schuppen zu, ohne sich über sein Handeln recht klar zu sein. Es schien, als würde er von fremden Kräften bewegt, er konnte einfach nichts dagegen tun.

Er stoppte, als er den Schuppen erreicht hatte und blickte über seine Schulter. Weit und breit war niemand zu sehen. Offenbar hatte noch niemand bemerkt, dass er zurückgekommen war.

John Prather gab sich einen Ruck und trat über die Schwelle des Gerätehauses.

Sein Fuß stockte. Sein Herz vollführte einen jähen, schmerzhaften Sprung.

Vor ihm lag ein Mann.

Der Mann ruhte auf dem Rücken, mit leicht gespreizten Beinen.

Die Augen des Mannes standen weit offen. In ihnen war die kalte, glasige Starre des Todes.

John Prather schluckte.

Es gab keinen Zweifel, dass es sich bei dem Toten um den Blonden mit dem pomadisierten Haar handelte, um den Burschen, der ihm einen Mordauftrag erteilt und fünf Tausend-Dollar-Noten in die Hand gedrückt hatte.

John Prather griff sich an den Hals. Er hatte geglaubt, Meister der Situation zu sein, aber angesichts des Toten dämmerte ihm, worauf er sich eingelassen hatte und welche Gefahren ihm drohten.

 

 

3

Bount Reiniger chauffierte seinen Mercedes 450 SEL übertrieben langsam. Das tat er immer, wenn er keine Lust hatte zu arbeiten. An einem sonnigen Tag wie diesem, wo man vom Highway über die große Südbucht blicken und sich an den weißen Segeln der Jachten und Jollen erfreuen konnte, machte es wenig Spaß, unterwegs zu einer Klientin zu sein, deren Stimme am Telefon zwar recht aufregend und sogar erotisch gewirkt hatte, deren Besitzerin jedoch, wie seine Intuition ihm sagte, nicht viel mehr zu bieten versprach als ein neuerliches Puzzle. Eines, in dem vermutlich das Verbrechen und einige höchst unangenehme menschliche Leidenschaften dominieren würden …

Als er vor dem Haus der Carringtons stoppte, vertiefte sich seine Unlust, ohne dass er zu sagen wusste, warum.

Das imponierende Anwesen lud eher dazu ein, der Arbeit mit Spannung und Erwartung entgegenzublicken. Alles deutete darauf hin, dass hier Leute wohnten, die es sich leisten konnten, rasch und gut zu zahlen. Doch auch diese Erkenntnis brachte es nicht fertig, Bounts Stimmung aufzubessern.

Er hatte das manchmal.

Der fast tägliche Umgang mit Mord und Gewalt hinterließ seine Spuren. Er musste damit leben.

Zum Glück war May Carrington, die ihm kurz darauf in einem apfelgrünen Kleid gegenübertrat und ihn begrüßte, durchaus sein Typ – eine hochattraktive junge Frau mit beträchtlicher Ausstrahlung, eine Mischung von Damenhaftigkeit und Sexappeal.

Sie führte Bount ins Wohnzimmer. Nachdem beide sich gesetzt hatten, sagte May Carrington: „Mich hat vor wenigen Stunden ein junger Mann besucht, der sich weigerte, seinen Namen zu nennen. Er behauptete, von meinem Mann fünftausend Dollar Anzahlung und den Auftrag bekommen zu haben, mich zu töten. Inzwischen weiß ich, dass er nicht mit meinem Mann gesprochen hat. Ein Foto genügte, um das klarzustellen – aber ich bin trotzdem zutiefst beunruhigt. Ich weiß nicht, was ich von der Geschichte halten soll. Natürlich hätte ich die Polizei einschalten können, aber das würde Öffentlichkeit bedeuten, und die möchte ich meiden. Max sieht seinen Namen nur ungern in den Zeitungen. Deshalb hielt ich es für eine gute Idee, mich an einen Privatdetektiv zu wenden. Ich zog ein paar Erkundigungen ein und ließ mir sagen, dass Sie die Nummer eins in dieser Stadt sind.“

„Danke“, sagte Bount. „Was erwarten Sie von mir?“

„Finden Sie heraus, wer der blonde Mann war, von dem der junge Mann sprach – und beschäftigen Sie sich auch mit meinem Besucher. Möglicherweise hat er das Ganze nur erfunden, um eine Belohnung einstreichen zu können.“

„Haben Sie ihm Geld gegeben?“

„Nein, ich habe ihn ersucht, morgen noch einmal herzukommen – gegen elf Uhr morgens. Wenn Sie wollen, können Sie hier die Unterhaltung belauschen. Selbstverständlich steht es Ihnen auch frei, sich schon vorher mit dem jungen Mann zu beschäftigen. Howard, der Butler, war klug genug, sich die Nummer des Wagens zu notieren, mit dem der junge Mann hier aufkreuzte“, sagte May Carrington und schob Bount einen Zettel zu, der auf dem Tisch lag. „Hier ist sie.“

Bount warf einen Blick auf das Papier und steckte es ein. May Carrington berichtete zusammenhängend vom Besuch des jungen Mannes und schloss: „Er bestreitet zwar, ein Ganove zu sein, aber alles spricht dafür, dass er einer ist. Hätte er sonst Geld eingestrichen, für das er keine Gegenleistung erbringen möchte? Und dann: Der Blonde kann sich nur deshalb an ihn gewandt haben, weil er meinte, für den makaberen Auftrag den richtigen Mann gefunden zu haben. Alles in allem glaube ich dem Besucher. Ja, er machte den Eindruck, als stimmte, was er zu sagen hatte …“

„Wie lange sind Sie schon verheiratet?“

„Sieben Jahre. Ich bin jetzt sechsundzwanzig. Max ist achtunddreißig.“

„Kinder?“

„Nein. Es gab eine Zeit, wo ich darunter litt, aber inzwischen habe ich mich damit abgefunden, dass ein kleiner Defekt in meinem Körper es mir unmöglich macht, Mutter zu werden.“

„Wer würde von Ihrem Tod profitieren?“

„Max natürlich. Er würde erben, was ich hinterlasse – und das ist nicht wenig“, schloss sie.

„Wie viel?“

„Ein paar Dutzend Millionen“, sagte May Carrington in einem Tonfall, als spräche sie über den Inhalt eines billigen Bonbonbeutels.

„Sie haben das Geld in die Ehe gebracht?“

„Ja. Streng genommen bestand meine Mitgift aus dem Haus mitsamt Grundstück und den Grondale-Werken, einer Firma, die Zahnräder und Kugellager herstellt. Ich hatte sie gerade von meinem bei einem Unfall ums Leben gekommenen Vater geerbt, als ich Max kennenlernte. Max war Ingenieur. Ich heiratete ihn vor allem deshalb, weil ich begriff, dass er für den Betrieb der richtige Mann war. Einer, der etwas von Technik verstand und gleichzeitig das notwendige kaufmännische Knowhow besaß. Inzwischen hat sich gezeigt, wie richtig meine Entscheidung war. Max hat die Firma einem neuen Boom zugeführt. Unsere Produkte sind in aller Welt gesucht und gelten in ihrer Art als einmalige Spitzenleistungen.“

Bount lächelte. „Eine reine Vernunftheirat also?“

„Das war sie, ohne Zweifel, aber schon wenige Monate nach der Eheschließung fingen wir an, uns wirklich zu lieben. Ein Glücksfall! Daran hat sich bis zum heutigen Tage nichts geändert“, sagte May Carrington.

„Weiß Ihr Mann vom Besuch des Unbekannten?“

„Ich habe mit Max telefoniert. Er wollte sofort zurückkommen, aber auf mein Drängen erklärte er sich schließlich bereit, bis zum Abschluss der Verhandlungen in Detroit zu bleiben“, erwiderte May Carrington. „Ich musste ihm versprechen, einen Privatdetektiv zu engagieren. Das habe ich getan“, fügte sie lächelnd hinzu. „Ich hoffe, dass Sie uns helfen können und herausfinden, was sich

hinter den Ereignissen verbirgt.“

„Ich muss jetzt sehr simple und möglicherweise sogar töricht klingende Fragen stellen“, meinte Bount. „Obwohl anzunehmen ist, dass Sie sie sich schon selbst stellten, muss ich sie aussprechen. Haben Sie Feinde?“

„Ja, das habe ich mich auch gefragt, nachdem der junge Mann gegangen war. Ich suchte nach einem Motiv, nach einer Erklärung für das Geschehen, aber es ist mir nicht gelungen, eine zu finden. Natürlich habe ich Feinde. Wer hat die nicht? Aber die Leute, von denen ich spreche, würden die Abneigungen, die sie mir gegenüber empfinden, schwerlich in ein Verbrechen ausufern lassen – von Mord ganz zu schweigen. Ich habe mir im einzelnen die Gesichter vorgenommen, um die es dabei geht, aber ich bin sicher, dass nicht eines davon als Initiator des Geschehens in Betracht kommt.“

„Was sind das für Leute, die Sie nicht mögen?“, wollte Bount wissen.

May Carrington hob die runden Schultern und ließ sie wieder fallen. „Nehmen Sie den Crow-Golfklub. Max und ich sind Mitglieder. Der Klub gilt als sehr exklusiv. Man muss schon etwas sein, um ihm angehören zu dürfen. Oberflächlich betrachtet geht es dort sehr nobel und gesittet zu, sogar heiter, aber wer hinter die Kulissen zu blicken vermag, begreift rasch, wie lebhaft Neid, Missgunst und sogar Hass regieren. Das ist nun mal so unter Menschen, die prominent sind oder sich dafür halten – sie wollen in jedem Kreis die erste Geige spielen und hassen diejenigen, die ihnen überlegen sind.“

„Kein Grund zum Töten – oder?“

„Stimmt genau.“

„Hat Ihr Mann eine Freundin?“

May Carrington schlug die Augen nieder, sie zögerte mit der Antwort, dann sagte sie: „Sie sind selbst ein Mann. Sie wissen, wozu Männer imstande sind. Ja, er hat eine Freundin … ein hübsches, kleines Ding, das er gelegentlich besucht, wenn ihm danach zumute ist. Es ist – wie soll ich sagen? – ein rein erotisches Verhältnis. Es dient wohl auch dem Zweck, sich selbst bestätigt zu fühlen. Max ist geschäftlich stark engagiert, er ist ein Mann, der bis zu zwölf Stunden am Tage arbeitet, das Wochenende eingeschlossen. Solche Männer brauchen Abwechslung. Was er tut, hat mit Liebe nichts zu tun. Diese Liebe gehört mir, das weiß und fühle ich. Die Kleine ist eine Gespielin, nicht mehr.“

„Weiß Ihr Mann, dass Sie über das Verhältnis informiert sind?“, fragte Bount.

„Nein.“

„Sie haben ihn niemals daraufhin angesprochen?“ Bount wunderte sich.

May Carrington lächelte matt. „Hätte das etwas geholfen? Er hätte sie in die Wüste geschickt und sich irgendwann eine andere genommen. Es gibt Männer, die so etwas brauchen. Eine Frau wie ich ist gut beraten, wenn sie sich darauf einstellt und diese Dinge hinnimmt. Solange sie unsere Liebe nicht ernsthaft gefährden, sehe ich keinen Anlass, mich über diese Flirts aufzuregen.“

„Wer ist das Mädchen, mit dem er befreundet ist?“

„Sie heißt Lynn Faber und bewohnt ein Apartment in der Fünften Avenue, Haus eintausendeinhundertdreiundvierzig. Max hat es ihr geschenkt. Auch die Einrichtung hat er bezahlt.“

„Das Ganze muss ihn ein Vermögen gekostet haben.“

„Die Firma gehört mir, aber Max ist am Gewinn beteiligt und inzwischen selbst millionenschwer. Er kann sich Hobbies dieser Art leisten.“

„Im Falle Ihres Todes würde ihm die ganze Firma gehören, nicht wahr?“

„Ja, aber Sie müssen sich vor Augen halten, wie wenig ihm mein Ableben helfen würde, seinen Lebensstandard zu verbessern. Die Arbeit bliebe so hart, wie sie jetzt ist, und ob ein Mann im Jahr für sich drei, fünf oder acht Millionen ausgeben kann, ist wirklich nicht von Bedeutung. Noch eins kommt hinzu. Ich verstehe zu repräsentieren. Max weiß das zu schätzen. Die kleinen Mädchen, die er braucht, haben einfach nicht das Zeug, sich auf dem gesellschaftlichen Parkett zu bewähren. Max weiß das. O nein, er ist mit seinem Leben durchaus zufrieden. Er hat eine Arbeit, die ihm Erfolg bringt, Gewinnanteile an einer Firma, die in die Millionen gehen, eine Freundin, bei der er sich mal austoben kann, wenn ihm danach zumute ist, und eine Frau, die er liebt. Sie können es drehen und wenden wie Sie wollen – da gibt es kein Motiv.“

„Ich nehme an, Sie haben sich das Aussehen des Burschen beschreiben lassen, der sich dem jungen Mann gegenüber als Ihr Gatte ausgab …“

Details

Seiten
110
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738951844
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (März)
Schlagworte
nobelkiller york detectives

Autor

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Titel: Der Nobelkiller: N.Y.D. – New York Detectives