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Der Boss schickt seinen besten Mann: N.Y.D. – New York Detectives

2021 106 Seiten

Zusammenfassung

Privatdetektiv Bount Reiniger will den Mord an Colette aufklären. Sie war die Geliebte des Gangsters Marsden. An den kommt man nicht leicht heran, und so versucht Reiniger mit Hilfe der Polizei den Buchhalter auszuquetschen. Der wird jedoch von seinem Bruder aus dem Gefängnis geholt und versteckt. Marsden schickt einen Killer los, der nicht nur den Buchhalter sondern auch Reiniger töten soll. Dieser Killer hat noch nie versagt.

Leseprobe

Table of Contents

Der Boss schickt seinen besten Mann: N.Y.D. – New York Detectives

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Der Boss schickt seinen besten Mann: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 106 Taschenbuchseiten.

 

Privatdetektiv Bount Reiniger will den Mord an Colette aufklären. Sie war die Geliebte des Gangsters Marsden. An den kommt man nicht leicht heran, und so versucht Reiniger mit Hilfe der Polizei den Buchhalter auszuquetschen. Der wird jedoch von seinem Bruder aus dem Gefängnis geholt und versteckt. Marsden schickt einen Killer los, der nicht nur den Buchhalter sondern auch Reiniger töten soll. Dieser Killer hat noch nie versagt.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Richard Marsden – Der Mord an seiner Geliebten soll dem Gangsterboss zum Verhängnis werden.

Suzy Kent – Sie hat etwas gesehen, aber sie hat nicht den Mut, darüber zu reden.

Roy Vernon – Er weiß sehr viel. Wird er es auch verraten?

Nolan Baddeley – Eine nahezu hundertprozentige Mordmaschine, an der Bount beinahe scheitert.

Anthony Livesey – Die Nummer zwei in der Gang.

June March – ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

 

 

1

Der Killer grinste.

„Hierher gehörst du schon lange, Reiniger“, sagte er.

Sie befanden sich auf einem kleinen alten Friedhof in Brooklyn. Unkraut wucherte auf den Gräbern, und Schlinggewächse umrankten die Grabsteine.

„Hier wird dich niemand suchen“, prophezeite der Verbrecher, dessen Auftrag es war, Bount Reiniger abzuservieren.

Ein unsympathischer Bursche, fand Bount Reiniger. Der musste einfach Killer werden. Für keinen Job eignet er sich besser.

Der Mann war ein Profi, und er wollte seinen Auftrag so gewissenhaft wie möglich erledigen, deshalb plante er, dem Privatdetektiv nicht nur eine Kugel zu verpassen, sondern ihn auch gleich von der Bildfläche verschwinden zu lassen.

Man würde eine Zeitlang nach Bount Reiniger suchen, diese Suche aber schließlich enttäuscht aufgeben. Seine neuen Freunde würden die Würmer sein.

„Geht das nicht ein bisschen flotter?“, fragte der Killer ungeduldig. „Ich will mir deinetwegen nicht die ganze Nacht hier um die Ohren schlagen.“

„Ein alter Mann ist kein Eilzug“, gab Bount zurück.

„Von wegen alter Mann. Du bist im besten Saft. Eigentlich schade um dich. Du hättest noch ‘ne Menge Miezen beglücken können.“

„Scheint, als würde daraus nun nichts mehr werden“, sagte Bount.

„Darauf kannst du dich verlassen. Du hättest deine Nase nicht so unverschämt in anderer Leute Angelegenheiten stecken sollen.“

„Das ist mein Job“, verteidigte sich Bount.

„Und mein Job ist es, dafür zu sorgen, dass du nun über die Klinge springst. Grab endlich weiter!“ Der Killer trat einen Schritt vor und gab dem Detektiv einen Fußtritt. „Ich kann ja verstehen, dass die Motivation fehlt, wenn man sich sein eigenes Grab schaufeln muss, aber es ist niemand hier, der dir die Arbeit abnimmt.“

„Wie wär‘s mit dir?“, wollte Bount wissen.

Der Killer lachte. „Ich rühre für dich nur einen einzigen Finger, Bester, und das ist der am Abzug meiner Kanone.“

Bount stach den Spaten, den ihm der Gangster gegeben hatte, wieder ins Erdreich. Knietief hatte er sich bereits in den Boden gegraben, aber das reichte dem Mörder noch nicht.

„Schaufle dir eine schöne, tiefe Grube“, verlangte der Verbrecher.

„Auch noch arbeiten, bevor …“

„Wie man sich bettet, so liegt man“, sagte der Killer.

„Tu mir den Gefallen und verschone mich wenigstens mit weisen Sprüchen“, maulte Bount.

„Verrat mir mal, wie man sich in einer solchen Situation fühlt.“

„Beschissen“, antwortete der Detektiv ehrlich. „Und ich weiß noch nicht einmal, weshalb ich über den Jordan gehen soll. Vielleicht liegt eine Verwechslung vor.“

„Ausgeschlossen. Der Boss sagte: Leg diesen Reiniger um! Das war kein Hörfehler.“

Bount warf die nächste Spatenladung hoch. Er beeilte sich nicht mit seiner Arbeit, denn wenn er fertig war, würde der Killer schießen. Noch hoffte Bount, dass es nicht dazu kommen würde, aber seine Chancen standen nicht besonders gut.

Der Mann, der wie ein Gangster aus Al Capones Zeiten aussah, hatte ihn kassiert, als er eine Bar verließ. Bount hatte in seinen Mercedes steigen und hierher fahren müssen.

An einem Grabstein hatte bereits der Spaten gelehnt. Der Killer hatte sich gut auf seinen Job vorbereitet.

„Heißt dein Boss zufällig Richard Marsden?“, fragte Bount.

Der Killer schüttelte den Kopf. „Du kannst es selbst jetzt nicht lassen, wie? Immer neugierig.“

„Ist der einzige Fehler, den ich habe“, erwiderte Bount.

„Du hast noch einen zweiten: Du bist blöd wie die Nacht, Reiniger“, behauptete der Gangster.

„Wer sagt das?“

„Hättest du sonst versucht, Richard Marsden was ans Zeug zu flicken?“

„Wie viel bezahlt er dir dafür, dass du mich umnietest?“

„Genug“, antwortete der Killer.

„Angenommen, ich würde mein Sparschwein schlachten …“

„Nichts zu machen, Reiniger. Ich bin ein ehrlicher Killer. Ich falle meinem Boss nicht in den Rücken.“

„Tja, dann …“ Bount schwang den Spaten diesmal kräftiger, und der Verbrecher bekam die ganze Ladung ins Gesicht. Für einige Sekunden war der Mann blind.

Diese kleine Chance nutzte Bount Reiniger. Er schlug mit dem Spatenblatt nach der Revolverhand des Killers, hoffte, dass dieser die Waffe fallen lassen würde, aber die Freude machte ihm der Mann nicht.

Bount sprang aus dem Grab. Blind vor Wut und Hass – und weil er Erde in den Augen hatte – feuerte der Killer in die Grube, in der sich der Detektiv nicht mehr befand.

Bount schlug abermals mit dem Spaten zu. Der Gangster taumelte, aber er richtete seine Waffe auf Bount Reiniger.

Bount ließ den Spaten fallen und stürzte sich auf den Verbrecher. Die nächste Kugel hätte ihn beinahe erwischt. Sengend heiß fegte sie an seiner Wange vorbei.

Und dann kam der grimmige Kampf um die Waffe. Nur einer konnte ihn gewinnen. Unentschieden würde dieser erbitterte Kampf nicht ausgehen.

Sie setzten beide alles ein, um den Gegner zu bezwingen. Bount Reiniger hatte leichte Vorteile. Während er das Handgelenk des Verbrechers mit der Linken festhielt, schlug er mit der Rechten zu.

Der Killer riss sein Knie hoch, und der Treffer ließ Bount aufstöhnen. Ein höllischer Schmerz durchtobte seinen Unterleib. Beinahe hätte er den Schussarm des Gangsters losgelassen. Bount japste nach Luft, Übelkeit würgte ihn.

Der Mörder bekam Oberwasser. Er versuchte, sich von Bount loszureißen. Sie verloren dabei beide das Gleichgewicht und stürzten in das frisch geschaufelte Grab.

Der Killer lag unter Bount, und die Kanone befand sich zwischen ihnen. Die Erschütterung des Aufpralls ließ sie losgehen. Bount spürte die Hitze des Mündungsfeuers.

Obwohl das Krachen des Schusses von ihren Körpern gedämpft wurde, war Bount eine Weile halb taub. Schließlich merkte er, wie der Mann unter ihm erschlaffte.

Die Kugel hatte den Killer getroffen. Der Mann war tot.

 

 

2

Bount richtete sich schwer atmend auf. Er traute dem Frieden noch nicht, nahm dem Gangster zuerst den Revolver aus der kraftlos gewordenen Hand und fühlte nach dessen Halsschlagader.

Kein Puls war mehr zu spüren. Der Verbrecher war tot, und er lag in jenem Grab, das Bount Reinigers letzte Ruhestätte hätte werden sollen.

Bount steckte die Waffe in seinen Gürtel und durchsuchte die Taschen des Toten. Den Papieren, die er fand, entnahm er, dass der Mann Rocky Blane hieß.

Einen Beweis dafür, dass Blane auf Richard Marsdens Lohnliste stand, fand er nicht, aber das konnte er trotzdem als gegeben betrachten.

Bounts Nerven machten sich bemerkbar. Er war kein Übermensch. Immerhin hatte sein Leben an einem verdammt dünnen Faden gehangen.

Bount rauchte eine Pall Mall. Dann verließ er den verwahrlosten Friedhof. Er brauchte die Unterstützung seines Freundes. Toby Rogers musste ihm ein paar Steine aus dem Weg räumen.

Bount brauchte jetzt Hilfe. Er musste sich voll auf Marsden konzentrieren, wenn er nicht unter die Räder kommen wollte.

Er erreichte seinen silbergrauen Mercedes 450 SEL und stieg ein. Captain Rogers hatte heute Nachtdienst, das traf sich gut. Bount wollte dem bärbeißigen Freund ohnehin mal wieder einen Besuch abstatten.

Er verließ Brooklyn und fuhr über den East River nach Manhattan hinüber. Zwanzig Minuten später betrat er das Police Headquarter, in dem trotz der späten Stunde eine Hektik wie in einem Taubenschlag herrschte.

Nachts war erfahrungsgemäß noch mehr los als am Tage, denn wenn es dunkel wurde, kamen die Ratten aus ihren Löchern und verwandelten die Stadt zeitweise in einen Hexenkessel.

Als Bount das Büro des Leiters der Mordkommission Manhattan C/II betrat, brach dieser in schallendes Gelächter aus.

„Weshalb dieser Heiterkeitsausbruch?“, fragte Bount mürrisch. „Ist das auf deine zerrütteten Nerven zurückzuführen?“

„Wann hast du dich zuletzt im Spiegel gesehen?“, fragte der gewichtige Toby.

„Ist schon eine Weile her.“

„Du könntest heute einer Vogelscheuche Konkurrenz machen. Das bin ich von dir nicht gewohnt. Sonst bist du immer der große Strahlemann und siehst aus wie frisch aus dem Ei gepellt.“

„Ich dachte, ich trete mal im Rogers-Look auf, damit ich besser zu dir passe“, konterte Bount. „Für einen, der bereits in seinem eigenen Grab gelegen hat, sehe ich noch ganz passabel aus, finde ich.“

Dem Captain verging das Lachen. „Was ist passiert? Hat‘s wieder mal Mord und Totschlag gegeben?“

„Weder – noch“, antwortete Bount. Er zog sich einen Stuhl heran, drehte ihn um und setzte sich rittlings drauf.

Toby atmete auf. „Dann brauche ich diesmal ausnahmsweise nicht den Müll für dich wegzuräumen. Wie erfreulich!“

„Komm schon, Toby. Tu nicht so, als würdest du mir nur höchst ungern einen Gefallen erweisen. Du freust dich doch jedes Mal darauf, mir beweisen zu können, was für ein guter Freund du bist.“

„Sag mal, hat dir jemand mit einem harten Gegenstand den Scheitel gezogen?“, fragte der Captain misstrauisch.

Bount hielt ihm die Pall-Mall-Packung hin. „Zigarette, Toby?“

Der Captain kniff die Augen zusammen. „Da muss wirklich irgend etwas faul sein. Bist du krank, Bount? Du bist verträglich, bietest mir eine Zigarette an … Da stimmt was nicht, Kamerad. Ich wette, du willst was von mir.“

„Die Wette hast du schon gewonnen.“

„Ich möchte es mir trotzdem nicht leisten, dein Angebot abzulehnen“, sagte Toby grinsend und nahm sich gleich drei Zigaretten. Eine klemmte er sich hinter das linke Ohr, eine hinter das rechte, und die dritte rauchte er. „Also, was hast du auf dem Herzen, Bount? Schieß los!“

Bount Reiniger zog den Revolver des Killers aus dem Gürtel.

„Du brauchst nicht so wörtlich zu nehmen, was ich sage“, bemerkte Toby Rogers und wies auf die Kanone.

Bount legte die Waffe vor ihn auf den Schreibtisch. „Damit wollte mich jemand erschießen.“

„Und wie geht es dem Mann jetzt?“

„Er ist tot“, sagte Bount.

Der Captain verdrehte die Augen. „Ich hab‘s befürchtet. Also doch Mord und Totschlag.“

„Falsch“, widersprach der Detektiv seinem Freund. „Es war genau genommen nicht einmal Notwehr. Der Mann hat sich selbst erschossen.“

„Weil er es nicht übers Herz brachte, dich umzulegen?“

„Es war ein Unfall“, sagte Bount Reiniger und erzählte dann haarklein, was sich ereignet hatte.

Er legte die Papiere des Toten neben die Waffe. Toby sah sie sich an, nahm einen Zug von der Pall Mall und blies den Rauch an Bount vorbei.

„Ist dir bekannt, für wen der Revolverschwinger gearbeitet hat?“, wollte der Captain wissen.

„Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit für Richard Marsden“, antwortete Bount.

Der Captain sah ihn groß an. „Du hast dich mit Marsden angelegt?“

Bount grinste. „Irgendwer musste es ja schließlich mal tun.“

„Ganz allein …“

„Ich arbeite immer allein, wie du weißt.“

„Ja, deshalb muss ich dir ja so oft aus der Patsche helfen“, brummte Toby Rogers. „Wenn ich dich nicht so gut kennen würde, müsste ich annehmen, dass du nicht weißt, worauf du dich einlässt – oder dass du verrückt bist.“

„Da du mich aber kennst, weißt du, dass weder das eine noch das andere zutrifft“, sagte Bount. „Ich will Marsden haben, Toby. Jetzt erst recht.“

„Das kann ich mir vorstellen. Aber du solltest nichts im Zorn gegen ihn unternehmen, Bount. Das könnte gefährlich werden.“

„Er hat seine Geliebte umgebracht, und ich werde ihm diesen Mord nachweisen“, sagte Bount hart.

„Ich sorge dafür, dass dir meine Kollegen drüben in Brooklyn wegen des toten Killers keine Schwierigkeiten machen.“

„Darum wollte ich dich bitten.“

„Man wird die Angelegenheit so unbürokratisch wie möglich abwickeln.“

„Danke, Toby.“

„Ich bin froh, dass es Rocky Blane nicht geschafft hat“, gestand der Captain schließlich.

Bount nickte. „Ich auch.“

Am nächsten Morgen fiel June March aus allen Wolken, als ihr Bount seinen arg in Mitleidenschaft gezogenen Anzug übergab und sie bat, ihn zur Reinigung zu bringen.

Mit großen, sorgenvollen Veilchenaugen sah sie ihren Arbeitgeber an. „Bount, was ist passiert?“

„Jemand wollte mir ein Loch in diesen Anzug schießen“, antwortete der Detektiv. „Ich hab‘s verhindert.“

„Du spielst die Sache mal wieder runter“, meinte seine blonde Sekretärin. „Immer wenn du das tust, war‘s besonders schlimm. Ich kenne dich.“

Bount schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Wie ihr mich alle kennt – Toby Rogers, du.“

„Was du mir soeben erzählt hast, war sicher die Untertreibung des Jahrhunderts“, behauptete June.

Bount gab ihr einen abgemilderten Bericht des Sachverhalts und zog sich anschließend in sein Allerheiligstes zurück. June brachte ihm wenig später die Morgenpost und den Kaffee, den wohl keine Sekretärin in New York und Umgebung besser kochte als sie.

Jetzt erst fiel ihm auf, dass sie ein neues Kleid anhatte.

„Donnerwetter“, sagte er und lehnte sich zurück. „Ist das aber sexy.“

„Ich dachte schon, du würdest es überhaupt nicht bemerken.“

„War bestimmt nicht billig.“

„Ich hab‘s mit Schwarzarbeit finanziert“, antwortete June und kehrte ins Vorzimmer zurück.

Eine Stunde später meldete sie den Anruf von George Montgomery. Es war seine Tochter, die von Richard Marsden ermordet worden war. Bount verabredete sich mit seinem Klienten zum Lunch im Cattleman‘s Club.

Toby meldete sich, gerade als Bount sein Büro verlassen wollte.

„Unmöglich, zu beweisen, dass Rocky Blane für Marsden gearbeitet hat“, sagte der Captain.

„Das war zu erwarten“, erwiderte Bount. „Marsden ist ein gerissener Halunke. Den erwischt man nicht so leicht.“

„Ich wäre dir dankbar, wenn du dich ab und zu bei mir melden würdest, Bount“, sagte Toby Rogers. „Nur, damit ich weiß, dass du noch lebst.“

„Mach ich, Dicker. Ich wusste gar nicht, dass dir so viel an mir liegt.“

„Du weißt eine ganze Menge nicht.“

„Ich weiß eine ganze Menge mehr als du“, sagte Bount.

„Wenn du mal stirbst, müssen sie dir den Mund zubinden, sonst schnatterst du ewig weiter.“

„Der eine hat seinen Mund zum Reden, der andere zum Essen – und zum Schnorren“, sagte Bount und legte schnell auf.

 

 

3

George Montgomery war ein hagerer, eleganter Mann mit eingefallenen Wangen und grauem Haar. Er besaß eine Gabelstaplerfabrik und konnte immer noch nicht verstehen, dass seine Tochter die Geliebte eines Gangsterbosses gewesen war.

Der Kellner führte Bount Reiniger an Montgomerys Tisch. Bount Reiniger bestellte zunächst einen Johnnie Walker. Mit dem Drink brachte der Kellner die Speisekarten.

Bount entschied sich für ein T-Bone-Steak mit grünen Bohnen. Der Einfachheit halber bestellte George Montgomery das gleiche für sich.

Der Fabrikant war nervös und blass. Er musterte den Detektiv ungeduldig. Vor drei Tagen hatte er Bount engagiert. Seit drei Tagen trug Bount Einzelheiten in dem Fall zusammen. Er war Marsden mit seinen Recherchen lästig geworden. Deshalb hatte der Gangsterboss Rocky Blane in Marsch gesetzt, damit dieser ihm den unbequemen Schnüffler vom Hals schaffte. Der Schuss war jedoch nach hinten losgegangen. Jedenfalls für Rocky Blane.

„Nun, Mr. Reiniger, was haben Sie mir zu berichten?“, wollte Bounts Klient wissen.

„Leider noch nicht sehr viel“, sagte Bount Reiniger bedauernd.

Montgomerys Augen funkelten. „Ich will, dass dieser Bastard ins Zuchthaus kommt.“

„Das wird er, Mr. Montgomery“, versicherte Bount.

„Je länger Sie ihm Zeit lassen, desto besser kann er seine Spuren verwischen.“

„Ich kann Ihre Ungeduld verstehen, Mr. Montgomery, aber Marsden ist ein Hai. Wer ihn fangen will, muss sich gut darauf vorbereiten. Ist das Netz zu dünn, beißt er sich durch die Maschen und ist im Handumdrehen wieder frei.“

„Ich halte nichts von Sprüchen, Mr. Reiniger. Ich bin nur an Resultaten interessiert“, erklärte Montgomery grimmig.

„Wenn Sie der Meinung sind, ich wäre nicht der richtige Mann für Sie, steht es Ihnen frei, einen anderen Detektiv zu engagieren“, erwiderte Bount gelassen.

„Sie wollen aufgeben?“

„Das habe ich nicht gesagt“, erwiderte Bount. „Wenn man mich engagiert, erwirbt man damit nicht automatisch auch das Recht, mir sagen zu dürfen, wie ich meine Arbeit tun soll. In den meisten Fällen weiß ich besser als meine Klienten, welche Schritte zum Ziel führen. Oder würden Sie es dulden, wenn jemand zu Ihnen käme und Ihnen erklären wollte, wie Sie Ihre Fabrik leiten sollen?“

„Das lässt sich doch überhaupt nicht vergleichen …“

„Finde ich doch“, sagte Bount.

„Sie kriegen von mir Geld …“

„Sie können sicher sein, dass ich dafür auch etwas leiste“, fiel Bount seinem Klienten ins Wort.

„Marsden hat meine Colette umgebracht.“

„Sie wollen seinen Kopf, und Sie werden ihn kriegen.“

„Wann?“, wollte George Montgomery wissen.

„Sobald die Zeit reif ist“, antwortete Bount.

Es zuckte in Montgomerys blassem Gesicht. „Mann, ich habe keine besonders guten Nerven. Wenn Sie diesen Verbrecher nicht bald zu Fall bringen, kaufe ich mir eine Kanone und schieße diesen räudigen Köter eiskalt über den Haufen.“

„Das würden Sie nicht schaffen“, prophezeite Bount.

„Wollen wir wetten?“

„Sie kämen nicht mal auf Schussnähe an Marsden heran“, behauptete Bount. „Sobald er merkt, was Sie vorhaben, sind Sie tot. Seien Sie versichert, dass Marsden bei mir bestens aufgehoben ist. Geben Sie mir die Zeit, die ich brauche, und ich verspreche Ihnen, dass Marsden für den Mord an Ihrer Tochter und für all seine anderen Missetaten sühnen wird.“

Die Steaks kamen. Bount aß seines mit großem Appetit. Montgomery schnitt nur ein paar kleine Stücke ab, dann schob er den Teller von sich.

„Ich bringe so gut wie nichts runter“, sagte er verdrossen. „Ich werde erst wieder essen können, wenn Richard Marsden hinter Gittern ist.“

„Das wird wahrscheinlich früher sein, als er es sich träumen lässt“, erwiderte Bount.

 

 

4

Suzy Kent erhob sich vom Marterstuhl des Zahnarztes!

„Bin ich fertig?“, fragte sie und wischte mit einem Papiertaschentuch über ihre Lippen.

„Leider nein. Einmal sehen wir uns noch“, sagte der rundliche Mann im lindgrünen Kittel. „Lassen Sie sich von meiner Sprechstundenhilfe einen Termin geben. Danach haben Sie für sechs Monate Ruhe vor mir.“

Suzy Kent seufzte. „Nichts als Ärger hat man mit seinen Zähnen. Wenn man sie kriegt, wenn man sie hat, und wenn man sie verliert.“

„Vielleicht ist es ein Trost für Sie, wenn ich Ihnen sage, dass auch ich zum Zahnarzt muss, und ich habe vor meinem Kollegen ebenso viel Angst wie Sie vor mir.“ Der Arzt lachte. „Das nennt man ausgleichende Gerechtigkeit.“

Suzy Kent vereinbarte den nächsten Termin und verließ die Praxis des Mannes, der von der Hand in den Mund lebte, wie er häufig scherzhaft behauptete.

Suzy war fünfunddreißig, dunkelhaarig, nicht gerade eine umwerfende Schönheit und etwas dicklich, weil sie sich bei Süßigkeiten kaum beherrschen konnte.

Ihr Zahnarzt hatte schon mehrmals gesagt, dass es für sie und ihre Zähne besser wäre, wenn sie weniger naschen würde. Sie seufzte. Der Geist wäre ja willig gewesen, aber das Fleisch war so schrecklich schwach.

Suzy war unverheiratet. Sie wohnte in der Nähe des La Guardia Airport in einer kleinen Erdgeschosswohnung und arbeitete als Zimmermädchen im Starlight Motel.

Dort hatte sie Colette Montgomery tot aufgefunden – erwürgt. Der Anblick der Leiche verfolgte sie seitdem bis in ihre Träume. Sie wäre sehr froh gewesen, wenn sie all die Aufregungen, die damit zusammenhingen, hätte vergessen können.

Die Zahnarztordination befand sich nur drei Straßen von ihrer Wohnung entfernt. Suzy legte die Strecke schlendernd in fünf Minuten zurück.

Sie kam an einer Konditorei vorbei. Diesmal blieb sie standhaft. Mit zwei neuen Plomben im Mund durfte sie fürs Erste überhaupt nichts essen.

Sie betrat das Haus, in dem sie wohnte, und schloss gleich darauf ihre Apartmenttür auf. Dann legte sie ihre Handtasche auf die Garderobenablage und stellte sich vor den Spiegel, um sich das Werk des Zahnarztes anzusehen. Sie machte das immer, wenn sie von ihm nach Hause kam.

Plötzlich sah sie noch jemanden im Spiegel.

Einen Mann.

Die Frau fuhr herum. Der Mann erreichte sie mit zwei schnellen Schritten und hielt ihr den Mund zu.

„Keinen Laut, verstanden?“, knurrte er.

Sie starrte ihn mit großen Augen an.

„Verstanden?“

Sie nickte hastig. Der Mann nahm die Hand von ihrem Mund – ganz vorsichtig, bereit, die Hand gleich wieder auf ihre Lippen zu drücken, falls sie seinen Befehl nicht befolgte.

Suzy zitterte vor Angst.

„Wer sind Sie?“, fragte sie krächzend. „Was wollen Sie von mir?“

Der Gangster griff nach ihrem Handgelenk. Seine Finger waren hart wie Stahlklammern. Er zerrte sie ins Wohnzimmer, wo sich ein zweiter Mann befand.

Er saß in einem goldfarbenen Cordsamtsessel, hatte eine hohe Stirn und stechende Augen. Jetzt wusste Suzy Kent, weshalb diese Männer sich Einlass in ihre Wohnung verschafft hatten.

Gleich nachdem sie die Tote entdeckt hatte, war sie im Motel angerufen worden.

„Du hast nichts gesehen, nichts gehört – du weißt von nichts“, hatte der anonyme Anrufer gesagt. „Wenn du dabei bleibst, wird dir nichts geschehen. Andernfalls machen wir Fischfutter aus dir. Hast du das begriffen?“

Natürlich hatte Suzy Kent begriffen. So etwas war ja nicht schwer zu verstehen. Sie hatte auch den Mund gehalten, weil sie entsetzliche Angst um ihr Leben hatte.

Deshalb konnte sie sich nicht erklären, weshalb die Gangster nun doch hier waren. Sie hatte doch nichts verraten. Wollten sie auf Nummer Sicher gehen?

Der Mann mit den stechenden Augen erhob sich. Er verströmte einen penetranten Knoblauchgeruch. Sein Komplize stieß Suzy gegen die Wand und ließ sie los.

Sie schluckte trocken und sah die beiden Männer verzweifelt an. „Warum …“

„Du meinst, du hast dich an die Weisung gehalten“, sagte der Mann mit den stechenden Augen. „Deshalb verstehst du unseren Besuch nicht.“

„J-ja“, stieß Suzy Kent stockend hervor.

„Mein Freund und ich wollten nur dein Gedächtnis ein wenig auffrischen.“

„Das – das ist nicht nötig“, sagte Suzy Kent schnell.

„Um so besser“, meinte der Gangster. „Ein Schnüffler namens Reiniger war bei dir.“

„Ich habe auch ihm nichts gesagt“, beteuerte Suzy Kent.

„Reiniger ist ein hartnäckiger Hund. Er könnte wiederkommen.“

„Er würde wieder nichts erfahren.“

„Du bist eine sehr kluge Frau“, lobte der Gangster. „Siehst nicht gerade aus wie Raquel Welch, aber man kann sich an dir gut festhalten. Bist prima gepolstert.“

Suzy Kent wurde fahl.

„Wie wär‘s, wenn wir beide kurz mal ins Schlafzimmer verschwinden würden?“, fragte der Gangster mit den stechenden Augen.

„Nein!“, stieß Suzy Kent entsetzt hervor.

„Hör mal, eine wie du kann es sich doch nicht leisten, wählerisch zu sein.“

„Bitte nicht …“

„Wenn du dich immer so zierst, wirst du nie auf deine Kosten kommen, Baby.“

„Sie … Sie dürfen mir das nicht antun“, schluchzte Suzy.

„Ich verspreche dir, es wird dir großen Spaß machen.“

„Bitte gehen Sie!“, flehte Suzy.

„Erst müssen wir beide noch unsere Freundschaft besiegeln“, sagte der Verbrecher und griff nach der jungen Frau.

Sie wich zur Seite. Er bekam den Stoff ihres Kleides zu fassen. Ein hässliches Geräusch war zu hören, und Suzys üppiger Busen drängte sich aus dem ungewollten Ausschnitt.

Suzy Kent bedeckte mit beiden Händen ihre Blößen. Der Verbrecher lachte.

„Du brauchst nichts zu verstecken, Baby. Die beiden sind doch wirklich nicht übel.“

Er sprang unvermittelt vor und umarmte die junge Frau. Sie wehrte sich verzweifelt, versuchte sich seinem harten Griff zu entwinden. Er hob sie lachend hoch und trug sie zum Schlafzimmer.

„Nein!“, rief sie nun lauter. „Nein!“

„Das kennen wir“, behauptete der Gangster. „Ihr Weiber seid alle gleich. Ihr sagt nein und meint ja.“

„Bitte!“, rief Suzy. „Bitte!“

Es klopfte.

„Hilfe!“, schrie Suzy Kent sofort. „Hilfe!“

Der Gangster ließ sie los. Sein Faustschlag ließ sie verstummen. Er eilte mit seinem Komplizen zum Fenster und öffnete es hastig. Dann sprangen sie hinaus und rannten davon.

In diesem Augenblick flog die Apartmenttür auf.

 

 

5

Bount Reiniger war schon einmal bei Suzy Kent gewesen, und er hatte sofort den Verdacht gehabt, dass sie mehr wusste, als sie ihm zu sagen bereit war.

Sie hatte irgend etwas gesehen, worüber sie nicht zu sprechen wagte. Bount nahm an, dass man sie eingeschüchtert oder unter Druck gesetzt hatte.

Er wollte sein Glück heute noch einmal bei ihr versuchen. Vielleicht hatte sie inzwischen ihre Einstellung geändert und sich zu der Ansicht durchgerungen, dass ein Verbrechen nicht ungesühnt bleiben durfte. Schon gar nicht, wenn es sich dabei um Mord handelte.

Als er klopfte und Suzy Kents Hilferufe hörte, riss er seine Automatic aus dem Schulterhalfter und trat die Tür ein. Er stürmte nicht sofort in die Wohnung, sondern verhielt sich so, wie man es ihm vor Jahren auf der Polizeischule beigebracht hatte.

Weinend saß Suzy Kent auf dem Boden. Bount eilte an ihr vorbei zum Fenster und beugte sich weit hinaus. Er sah einen alten Mann mit einem fetten, struppigen Hund.

Die Gangster mussten um die nahe Ecke verschwunden sein. Bount steckte die 38er weg, trat zu der jungen Frau und half ihr beim Auf stehen.

„Sind Sie okay, Miss Kent?“, erkundigte er sich.

Ihre Tränen fielen auf den entblößten Busen. Sie schloss das zerrissene Kleid mit einer Hand.

„Bitte entschuldigen Sie mich, Mr. Reiniger.“

„Natürlich.“

Suzy Kent löste sich aus seinem Griff und wankte ins Schlafzimmer. Als sie wiederkam, trug sie ein anderes Kleid. Sie weinte nicht mehr.

Sie mied Bounts Blick, ließ sich in jenen Sessel fallen, in dem der Gangster mit den stechenden Augen auf sie gewartet hatte. Bount begab sich in die Diele und schloss die Tür.

„Sie brauchen ein neues Schloss“, sagte er, als er wieder ins Wohnzimmer kam.

Suzy Kent starrte Löcher in den Teppich. Bount forderte sie auf, ihm zu erzählen, was geschehen war. Sie sah ihn verzweifelt an. „Darüber möchte ich lieber schweigen, Mr. Reiniger.“

„Das ist nicht Ihr Ernst“, sagte Bount.

„Doch“, erwiderte Suzy mit dünner Stimme.

„Sie hatten Besuch“, sagte Bount. „Ich nehme an, es waren zwei Männer. Habe ich recht?“

„Ja“, gestand Suzy Kent kleinlaut.

„Man möchte sichergehen, dass Sie weiterhin den Mund halten“, vermutete Bount grimmig. „Auf welche Weise haben die Kerle Sie eingeschüchtert?“

„Bitte gehen Sie, Mr. Reiniger“, verlangte Suzy Kent flehend.

„Sie haben Angst.“

„Wundert Sie das? Diese Leute sind zu allem fähig.“

„Niemand weiß das besser als ich“, sagte Bount. „Die haben Ihr Kleid zerrissen. Wollten sie Ihnen Gewalt antun?“

Suzy Kent nickte und fing wieder an zu weinen.

„Finden Sie nicht auch, dass man solche Leute aus dem Verkehr ziehen muss, Miss Kent?“

„Doch. Aber Sie dürfen nicht mit meiner Hilfe rechnen, Mr. Reiniger.“

„Leider stehen zu viele Menschen auf dem gleichen Standpunkt wie Sie“, sagte Bount. „Man ist zwar dafür, dass die Verbrecher eingesperrt werden, hat aber nicht den Mut, seinen Teil dazu beizutragen.“

Suzy Kent wischte sich die Tränen ab und sah Bount verzweifelt an.

Details

Seiten
106
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738951776
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (März)
Schlagworte
boss mann york detectives

Autor

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