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Der Mann mit den blutigen Händen: N.Y.D. – New York Detectives

2021 101 Seiten

Zusammenfassung

Der Privatdetektiv Bount Reiniger soll den Mord an Charly Dutton aufklären, doch der Geschäftsmann war sehr beliebt und hatte, so scheint es, keine Feinde. Bount findet keinen Ansatz, um zu ermitteln. Als ein Callgirl erschossen wird, sieht er zuerst keinen Zusammenhang. Als dann auch noch ein Clubbesitzer und ein Buchhalter erschossen werden, sucht Bount in der Vergangenheit der Opfer und findet schließlich eine Verbindung.

Leseprobe

Table of Contents

Der Mann mit den blutigen Händen: N.Y.D. – New York Detectives

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Der Mann mit den blutigen Händen: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 101 Taschenbuchseiten.

 

Der Privatdetektiv Bount Reiniger soll den Mord an Charly Dutton aufklären, doch der Geschäftsmann war sehr beliebt und hatte, so scheint es, keine Feinde. Bount findet keinen Ansatz, um zu ermitteln. Als ein Callgirl erschossen wird, sieht er zuerst keinen Zusammenhang. Als dann auch noch ein Clubbesitzer und ein Buchhalter erschossen werden, sucht Bount in der Vergangenheit der Opfer und findet schließlich eine Verbindung.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Cola McDonald - Der bekannte Politiker steht kurz vor seiner Berufung nach Washington. Allerdings muss er die Schatten in seiner Vergangenheit erst beseitigen.

Charly Dutton - Die Polizei steht vor einem Rätsel, als der bekannte P. R. Fachmann ermordet wird.

Gena Wilde - Das Callgirl ahnt nicht, dass der Mörder sie als Nummer zwei auf seine Totenliste gesetzt hat.

Sonny Lake - Er begeht den Fehler, eine Erpressung zu starten, und das kostet nicht nur ihn das Leben.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

 

 

 

1

Der Mann stoppte seinen Wagen und stieg aus. Er war schwarz gekleidet, als ginge er zu einer Beerdigung. Doch soweit war es noch nicht. Die Beerdigung würde erst in einigen Tagen stattfinden.

Heute musste der Mann erst sterben.

Der Schwarzgekleidete blickte sich um. Die Straße war schmal und düster. Keine Menschenseele ließ sich blicken. Musik, Stimmengewirr und Gelächter schwammen in der Luft: Partylärm.

Der Killer stieg auf die Stoßstange seines Fahrzeugs. Von da auf die Motorhaube und dann aufs Dach.

Nun konnte er über die Mauer sehen, die das große Grundstück einfriedete. Alte Bäume bildeten eine idyllische Gruppe. Es gab einen Teich mit Seerosen. Am Ufer stand eine Bank, die weiß in der Dunkelheit schimmerte.

Weiter hinten befand sich das Haus. Festbeleuchtung, sämtliche Räume waren erhellt. Es hatte den Anschein, als wären hinter den Fenstern eigens Zusatzscheinwerfer aufgestellt worden, um dem Fest einen strahlenden Glanz zu verleihen.

Ja, Kevin Hawks, der Gastgeber, wusste zu feiern. Er war Geschäftsmann, schwerreich, und er handelte mit allem, woran für ihn genug Profit klebte, wobei er versuchte, sich an die Gesetze zu halten. Es kam hin und wieder vor, dass er dabei auf einem scharfen Grat wandelte, doch übertreten hatte er diese Grenze noch nie. Es ließ sich auch diesseits der Gesetze genug Geld verdienen. Der Mörder flankte über die Mauerkrone und landete in hohem, weichem Gras. Er ging in die Hocke, um sein Gewicht abzufangen. Einige Sekunden blieb er so, während er die nächtliche Szene auf sich einwirken ließ. Der Mord, den er zu verüben gedachte, würde nicht aus Hass, Missgunst, Eifersucht oder anderen niedrigen Motiven geschehen, sondern aus einer kühlen rechnerischen Überlegung heraus.

Langsam richtete sich der Schwarzgekleidete auf. Seine Hand glitt in die Außentasche seines Jacketts. Er zog eine Walther Pistole heraus. Aus der anderen Tasche holte er einen klobigen Schalldämpfer, den er gewissenhaft auf die Waffe schraubte.

Zunächst würde niemand etwas von dem Mord merken. Und später, wenn man den Toten fand, würde der Killer bereits über alle Berge sein. Die Polizei würde das Rätsel wohl kaum lösen können, denn das Motiv für die Bluttat lag tief im Dunkeln. Das bevorstehende Kapitalverbrechen würde eines von denen sein, das ungelöst ad acta gelegt werden musste. Damit rechnete der Mann in Schwarz jedenfalls.

Er begab sich zum Teich. Über der Terrasse und einen Teil des angrenzenden Gartens hingen bunte Lichtgirlanden. Die Stimmung war hervorragend. Alkohol wurde in rauen Mengen genossen. Partyparasiten schlugen sich am prächtigen kalten Büffett den Magen voll, als hätten sie seit Wochen keine feste Nahrung mehr zu sich genommen.

Beschwipste Mädchen lachten über schlüpfrige Witze und wehrten ohne großen Ernst vorwitzige Hände älterer Herren ab.

Es herrschte das übliche Treiben ...

Und doch war diese Party anders als alle andern, die Kevin Hawks je gegeben hatte, denn heute schlich der Tod um das Haus.

Der Mörder erreichte eine hohe Buschgruppe. Das grüne Blattwerk nahm ihn raschelnd auf, verschluckte seine Gestalt. Er beobachtete die Tanzenden auf der Terrasse und hielt Ausschau nach seinem Opfer.

Zunächst entdeckte er es nicht. Er sah viele heitere Gesichter. Ein Großteil davon war ihm bekannt, denn Hawks hatte Leute mit Rang und Namen eingeladen.

Juwelengeschmückte, aufgedonnerte reife Frauen bemühten sich, ihre Männer unter Kontrolle zu halten, denn das Angebot an jungem Blut war gefährlich groß. Die Mädchen geizten nicht mit ihren Reizen, was so manchem älteren Herrn den Schweiß aus allen Poren trieb.

Der Körper des Killers spannte sich mit einem mal. Er sah den Hausherrn. Kevin Hawks hielt ein Bourbonglas in der Hand und unterhielt sich mit einem bekannten Ethnologen.

Hawks hatte weiche Züge, fleischige Lider, die über seine Augen hingen, seine Haltung war kerzengerade, der Anzug selbstverständlich nach Maß. Er lachte soeben herzlich und nahm einen kleinen Schluck von seinem Drink.

Auf der Terrasse schwang Charly Dutton das Tanzbein, leicht übergewichtig, schwitzend, übermütig, graues Haar, schwarzer Smoking. Er verrenkte seine Figur mit einer Beweglichkeit, die man ihm nicht zugetraut hätte, und als der gute alte Twist zu neuen Ehren kam, wackelte sich Dutton in die Hocke und kam mit gerötetem Gesicht wieder hoch. Er grinste und war bester Laune, dieser bekannte P.R. Fachmann, der nicht nur für Waren, sondern auch für Politiker Werbekampagnen plante und durchführte.

Seine Partnerin war wesentlich jünger als er. Eine schwarzhaarige, rassige Augenweide mit dem biegsamen Körper einer schillernden Schlange. Ihren dunklen Glutaugen strahlten temperamentvoll und sie war genauso vergnügt wie Dutton.

Als der Twist zu Ende ging, breitete Charly Dutton die Arme keuchend aus, das Mädchen sank gegen seine Brust, und sie verließen die Terrasse, um sich etwas Trinkbares zu holen.

Ja, dachte der Killer im Schutz des Gebüschs. Amüsiere dich noch gut, Charly Dutton. Nimm noch rasch mit, was du kriegen kannst, denn deine Minuten sind bereits gezählt ...

 

 

2

„Meine Herren“, stöhnte Dutton und wischte sich mit einem weißen Taschentuch über die Stirn. „So viel habe ich schon lange nicht mehr getanzt. Ich bin in Schweiß gebadet. Mein Unterhemd ist klatschnass. Gott, wie schön habt es ihr Mädchen. Ihr tragt einen Hauch von Nichts am Leib, nackte Schultern, nackte Beine, tiefes Dekollete ... Oh, dieses Dekollete ...“ Er warf einen Blick in den Ausschnitt seiner Begleiterin und rollte die Augen. „Mann, werden einem da Einblicke gewährt. Da kriegt man direkt Lust auf ...“

„Halt! Halt!“, unterbrach ihn Donna Verena lachend. „Vergiss nicht, wo wir sind, Charly.“

Er nahm einen großen Schluck aus seinem Glas, das mit Saft und Wodka gefüllt war, und grinste breit. „Wie könnte ich das vergessen, Liebling. Aber der Appetit bleibt.“ Er blinzelte lustig. „Nach der Party tun wir beide noch, was uns großen Spaß macht, einverstanden? Wir müssen ja nicht unbedingt die letzten sein, die von hier weggehen. Ich würde sagen, wir bleiben bis Mitternacht. Dann klopfe ich meinem Freund Kevin auf die Schulter, sage ihm, dass es wieder mal riesig nett bei ihm war, und anschließend fahren wir zu mir, wo wir noch eine kleine Privatparty steigen lassen. Baby, heute bin ich in Geberlaune, du wirst es noch merken. Wenn wir bei mir zu Hause sind, kannst du von mir verlangen, was du willst, du wirst es kriegen.“

„Was ich will?“, fragte Donna Verena kichernd.

Er nickte bestimmt. „Was du willst. Mein Wort drauf.“ Er fasste sich ans Herz, schlang dann seinen Arm um ihre schmale Taille, zog sie an sich und flüsterte in die Fülle ihres schwarzen Haares: „Donna, ich bin verrückt nach dir. Du bist das attraktivste Mädchen dieses Abends, und ich bin ein Glückspilz.“

Sie gingen ein Stück von den Tanzenden weg, und auf die Buschgruppe zu, in der sich der Mörder befand. Der Mann war nicht zu sehen. Ahnungslos näherten sich ihm die beiden.

Donna lehnte sich an ihren Begleiter. Sie legte ihren Kopf auf seine Schulter.

„Gefällt es dir hier?“, fragte Dutton. „O ja, Charly. Sehr.“

„Bist du glücklich?“

„Ich glaube ja.“

„Du glaubst nur?“

„Nein, Charly. Ich weiß es. Ja, ich bin glücklich, weil ich mit dir zusammen bin.“ Sie blickte zu ihm hoch und bot ihm ihre sinnlichen Lippen zum Kuss.

Als sein Mund den ihren berührte, lachte jemand hinter ihnen. Sie trennten sich. Kevin Hawks kam auf sie zu. „Also das geht wirklich nicht“, sagte er belustigt. „Ihr könnt euch doch nicht hier in aller Öffentlichkeit küssen. Habt ihr denn kein Schamgefühl? Wo kommen wir denn hin, wenn das jeder täte.“

„Es gäbe weniger Kriege“, konterte Donna Verena.

„Und mehr Kinder“, sagte Charly Dutton grinsend.

Hawks schüttelte mit gespieltem Vorwurf den Kopf. „Charly, Charly, du bist ein durch und durch unmoralischer Mensch. Wie kann ich so etwas bloß zum Freund haben?“ Dutton lachte herzlich. „Gleich und Gleich gesellt sich eben gern.“

„Das wird’s wohl sein. Zwischen uns gibt es nur einen Unterschied.“

„So? Welchen denn?“

„Ich kann mich besser beherrschen als du“, sagte Hawks amüsiert. Er drückte Dutton sein Glas in die Hand. „Du erlaubst doch. Miss Verena hat mir einen Tanz versprochen. Ich möchte nicht darauf warten, bis ich alt und schäbig bin, sondern lieber gleich eine heiße Sohle aufs Parkett legen.“

Dutton wies auf den Hausherrn und sagte zu Donna: „Lass dich von ihm nicht verführen. Er ist ein Lustmolch: Wenn ich mich nicht irre, steht sein Name sogar in den Akten der Sittenpolizei.“

„Richtig“, erwiderte Hawks schmunzelnd. „Weil ich mal gegen dich ausgesagt habe. Erinnerst du dich noch an den Skandal im Central Park, als du, nur mit einem Regenmantel bekleidet, einsame Frauen zu Tode erschreckt hast?“

„Also jetzt reicht es“, warf Donna Verena dazwischen. „Ich dachte, Sie wollten mit mir tanzen, Mister Hawks.“

Er hob die Brauen. „Und wie ich das will. Ich bin ganz versessen darauf.“ Er boxte Dutton leicht in die Magengrube. „Verkümmere inzwischen nicht, Kleiner. Kann sein, dass du deine nette Begleitung für eine Weile nicht mehr siehst.“

„Ich denke, es wird sich ein Mädchen auftreiben lassen, das mich solange tröstet.“ Das war an Donnas Adresse gerichtet.

Sie funkelte Dutton mit ihren dunklen Augen leidenschaftlich an. „Unterstehe dich, Charly. Ich kratze euch beiden die Augen aus ...“

„Gott, ist das eine Wildkatze“, rief Hawks lachend, nahm das hübsche Mädchen in seine Arme und tanzte mit ihr auf die Terrasse zu. Er winkte Dutton noch einmal, dann tauchten die beiden im Getümmel unter.

Dutton stand mit zwei Gläsern in der Hand da. In der Linken hielt er seines, in der Rechten das von Hawks. Er nahm wieder einen Schluck von seinem Drink. Da vernahm er plötzlich hinter sich ein schleifendes Geräusch. Jemand schien sich im Gebüsch zu befinden. Ein Pärchen vielleicht, das ungestört sein wollte? Ohne großes Interesse drehte sich Charly Dutton um. Er war auch nicht misstrauisch, denn er hatte keine Ahnung, dass ihm jemand nach dem Leben trachtete.

Das wusste er erst, als er die Walther Pistole auf sich gerichtet sah.

 

 

3

„Lieben Sie Charly?“, fragte Kevin Hawks, während er mit Donna Verena den Tango mit allen Schikanen tanzte. Er war ein ausgezeichneter Tänzer.

„Ja“, sagte das Mädchen.

„Schade“, meinte Hawks.

„Wieso?“

„Wenn es nur ein Flirt gewesen wäre, hätte ich mein Glück bei Ihnen versucht. Ich hätte alles unternommen, um Charly auszustechen. Aber wenn Liebe im Spiel ist ... Nein, die Liebe ist mir etwas Heiliges. Ich könnte Sie einem Freund niemals wegnehmen. Zum Teufel, wo hat Charly Sie so gut versteckt, Miss Verena?“

„Nennen Sie mich Donna.“

„Dann müssen Sie mich aber unbedingt Kevin nennen.“

„Gern ... Kevin. Ich arbeitete bis vor kurzem für Young Public Relations. Eines Tages tauchte Charly da auf, und es war um mich geschehen. Er lud mich zum Essen ein. Ich fand ihn ungemein sympathisch und unterhaltsam. Tja, und so wurde aus uns eben ein Paar.“

„Ich beneide Charly“, sagte Hawks ehrlich. „Sie sind wirklich ein prachtvolles Mädchen, Donna.“

„Vielen Dank für die Blumen, Kevin.“

Er sah ihr tief in die Augen. „Versprechen Sie mir etwas?“

„Kommt darauf an, was.“

„Sollte es zwischen Ihnen und Charly, was ich bei Gott nicht hoffe, letzten Endes aus irgendeinem Grund nicht klappen, lassen Sie es mich wissen und geben Sie mir eine Chance. Ich würde Sie auf Händen tragen und Ihnen jeden Wunsch von den Augen ablesen.“

„Ich glaube, wir beide könnten gute Freunde werden, Kevin.“

„Das würde mir sehr gefallen“, sagte Hawks und blickte dorthin, wo Charly Dutton auf die Rückkehr seiner Freundin hätte warten sollen. Charly war nicht mehr da. Doch Kevin Hawks dachte sich nichts dabei.

 

 

4

„Hallo, Charly“, sagte der Killer. Blätter zeichneten schwarze Schatten in sein Gesicht. Dutton erkannte ihn aber trotzdem.

Der Anblick der Schalldämpferpistole erschreckte ihn so sehr, dass seine Finger kraftlos wurden. Dadurch rutschten ihm die beiden Gläser aus den Händen und fielen ins Gras.

„Cole!“, presste er heiser hervor. „Mein Gott, was soll die Kanone, Cole?“

„Komm mit, Charly!“

Dutton wurde blass. „Was hast du vor? Ich ... ich verstehe nicht, wieso du mich mit einer Waffe bedrohst. Wir sind doch Freunde.“

„Komm mit, ich muss mit dir reden.“

Dutton sah den andern an, als habe der den Verstand verloren. Die Waffe in Coles Hand schien ihm höchst ungewöhnlich, deshalb konnte Dutton diesen Auftritt nicht fassen.

„Du schießt doch nicht wirklich“, keuchte Dutton.

„Nur, wenn du mich zwingst.“

„Also ich begreife das nicht, Cole. Wir waren doch noch heute Vormittag zusammen, und alles war bestens. Was hat sich seither geändert?“

„Nichts, Charly.“

„Dann tu doch dieses verfluchte Ding weg, verdammt noch mal. Es macht mir Angst.“

„Das soll es“, sagte der Mörder rau.

Dutton blickte ihm erschrocken ins Gesicht. „Ich versteh’s einfach nicht, Cole. Männer wie wir ... Wir sind zusammen durch dick und dünn gegangen. Und auf einmal tauchst du mit ’ner Kanone vor mir auf, überfällst mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Ich habe dafür keine Erklärung. Du musst ganz plötzlich verrückt geworden sein.“

„Glaub mir, ich weiß haargenau, was ich tue“, gab der Killer frostig zurück. „Kommst du nun endlich mit?“

Dutton hob den Kopf und schob das Kinn trotzig vor. „Was würdest du tun, wenn ich nein sagte? Würdest du mich dann hier umlegen?“

„Ja“, antwortete der Mörder knapp.

Dutton zuckte zusammen, als hätte ihn der andere geschlagen. „Warum? Was ist auf einmal in dich gefahren, Cole?“

Der Schwarzgekleidete wedelte auffordernd mit der Pistole. „Ich würde an deiner Stelle sang und klanglos verschwinden“, riet er seinem Opfer. „Wenn du schreist, bin ich gezwungen, abzudrücken.“

Charly Dutton fuhr sich mit der Hand nervös über die Augen. „Ich werde nicht schreien, Cole.“

„Sehr vernünftig“, sagte der Mörder.

„Willst du ... nur mit mir reden, Cole?“, fragte Dutton stockend.

„Aber ja“, sagte der Killer.

„Wozu dann die Kanone?“

„Damit du mir auch wirklich zuhörst.“

Dutton ging an den Büschen vorbei. Die Dunkelheit verschluckte ihre Gestalten. Er vernahm Coles Schritte nicht, wusste aber dennoch, dass er sich hinter ihm befand.

„Wohin soll ich gehen?“, fragte Dutton mit belegter Stimme.

„Zum Gewächshaus“, ordnete der Mörder an.

Wenig später erreichten sie es. Cole zog die Tür auf und forderte Dutton auf, einzutreten. Die Luft in dem Glasbau war schwül. Die Feuchtigkeit legte sich auf Duttons Gesicht, und es fiel ihm schwer, sie einzuatmen. Angst umklammerte mit kaltem Griff sein Herz. Er konnte sich plötzlich nicht mehr vorstellen, dass Cole nur mit ihm reden wollte. Panik stieg in ihm hoch. Sein ruheloser Blick blieb an einem handlichen Blumentopf hängen. Teufel, Cole schien ihn aus irgendeinem Grund umbringen zu wollen. Er musste seinem Mörder zuvorkommen. Aber er brachte nicht den Mut auf, den Blumentopf zu ergreifen, herumzufahren und ihn Cole auf den Kopf zu schlagen.

„Dreh dich um!“, verlangte der Mörder.

Dutton kam der Aufforderung langsam nach. Fingerdick glänzte der Schweiß auf seinem Gesicht.

„Verrätst du mir nun endlich, was das alles soll, Cole?“

„Du musst leider sterben, Charly.“ Obwohl er das befürchtet hatte, traf ihn nun der Schock mit der Wucht eines Keulenschlages. „Du ... du sagtest doch, du möchtest nur mit mir reden, Cole!“

„Ich habe gelogen“, erwiderte der andere kalt.

„Mein Gott, du ... du kannst mich doch nicht ...“

„Ich muss“, fiel ihm der Mörder ins Wort. Er hob die Pistole.

Jetzt schießt er!, fuhr es Charly Dutton durch den Kopf. In seiner Verzweiflung wollte er nun doch noch etwas zu seiner Rettung unternehmen. Blitzschnell trat er nach Coles Schienbein. Der Killer stieß einen heiseren Schmerzensschrei aus und fluchte. Er drückte ab. Aber zu überhastet. Plop! machte es, und die Kugel schlug ein Loch in die Wand des Glashauses.

Nun packte Dutton mit beiden Händen den leeren Blumentopf und warf ihn dem Mörder an den Schädel.

Cole fiel zur Seite. Er stützte sich auf den Tisch, der neben ihm stand. Dutton sprang auf ihn zu. Er ballte die Hände zu Fäusten und schlug auf den Mann, der ihn umbringen wollte, ein.

Zweimal traf er.

Dann kam Cole zum Zug. Er setzte seinem Opfer die Waffe ans Herz und drückte ab. Dutton erstarrte. Seine Augen weiteten sich ungläubig, der Blick brach, und er sackte röchelnd zusammen.

 

 

5

Sie hieß Jane Jarnell und war ein blondes Gift, das von Männern nicht genug kriegen konnte. Sie presste ihren sündhaft schönen Körper gegen Albert Hillary und flüsterte ihm ins Ohr: „Du machst mich ungeheuer an. Können wir uns nicht einen Augenblick zurückziehen? Ich möchte mit dir allein sein.“

Sie zog ihre langen, blutroten Fingernägel durch seine Nackenhaare und führte ihn schwer atmend zum Rand der Terrasse.

Hillary verzog sein kantiges Gesicht zu einem breiten Grinsen. „Du bist genau das, was ich jetzt brauche, Süße.“ Er war der männlichste Mann, den Jane je kennengelernt hatte.

Sie war allein hergekommen. Das heißt, eine Freundin hatte sie mitgenommen, und schon bald war ihr Albert Hillary, der bekannte Baseballspieler, vorgestellt worden. Bei seinem Anblick hatte sie weiche Knie gekriegt, und seit sie mit ihm tanzte, hungerte sie danach, ihm zu gehören, von ihm glücklich gemacht zu werden.

Niemandem würde es auffallen, wenn sie die Party für eine Weile verließen. Wo es passieren würde, war Jane ziemlich egal. Hauptsache es passierte überhaupt.

Sie stiegen die Stufen der Terrasse hinunter. Jane Jarnell schmiegte sich eng an ihren neuen Verehrer. Er entfernte sich mit ihr vom Haus und lachte leise.

„Warum lachst du?“, fragte Jane unsicher.

„Wenn mich jetzt mein Trainer sehen könnte, würde ihn glatt der Schlag treffen. Ich sollte um zehn im Bett sein. Allein.“

Sie kicherte.

„Es ist aber elf, und ich bin mit dir zusammen“, sagte er.

Sie drückte ihn an sich. „Du wirst es nicht bereuen“, versprach sie, die Schritte Richtung Gewächshaus lenkend.

Er öffnete gleich darauf die Glastür, blieb stehen und sog die Luft prüfend ein.

„Was ist?“, wollte Jane Jarnell wissen. „Warum gehst du nicht hinein? Hat dich auf einmal die Courage verlassen?“ Sie kicherte und knuffte ihn.

„Riechst du das nicht?“

Sie schnüffelte. „Riecht wie Schießpulver.“

„Genau. Ich besitze ’nen Ballermann, hab’ mir im Keller einen Schießstand eingerichtet. Wenn ich da übe, riecht es genau wie hier nach verbranntem Kordit.“

„Deinen Schießstand musst du mir unbedingt mal zeigen“, sagte Jane, während ihre Hände den Baseballspieler streichelten.

Er fing ihre Arme ab und hielt sie fest. „Hör auf damit, Jane.“

„Aber warum denn? Oh, komm, sei doch kein Spielverderber, Albert.“

„Begreifst du denn nicht? Hier hat jemand einen Schuss abgegeben, und das kann noch nicht lange her sein.“

„Das stört mich nicht“, sagte das Mädchen, entwand sich seinem Griff und schlang ihm die Arme um den Nacken. Er war groß. Viel größer als sie. Sie wippte auf den Zehenspitzen, versuchte ihn zu sich herunterzuziehen und flüsterte: „Tu mir den Gefallen und küss mich, mein Prinz.“

„Jane, in diesem Glashaus hat jemand geschossen“, sagte Albert Hillary eindringlich.

„Na wenn schon. Auf Kevin Hawks’ Party wird kein Wasser getrunken. Vielleicht hat sich einer der Gäste in seinem Dusel hierher begeben, seinen Revolver gezogen und abgedrückt.“

„Bloß so? Einfach aus lauter Jux und Tollerei?“

„Warum nicht?“

„Das glaube ich nicht.“

„Albert, es ist mir egal, ob du das glaubst oder nicht. Ich bin eine Frau, in der ein leidenschaftliches Feuer brennt, und du bist ein gutaussehender junger Mann. Wir sind allein. Ich finde, wir sollten das Beste daraus machen.“

Er löste sich von ihr. Da sie es nicht zulassen wollte, musste er sanfte Gewalt anwenden.

Albert Hillary ließ sich nicht mehr von ihr zurückhalten. Er betrat das Glashaus mit gemischten Gefühlen. Irgend etwas konnte hier drinnen nicht in Ordnung sein, das verriet ihm sein sechster Sinn. Er machte drei Schritte. Dann stieß er mit dem Fuß gegen ein Bein, und gleich darauf sah er die Umrisse eines Mannes, der zwischen Pflanzen auf dem Boden lag.

Hillary betätigte den Lichtschalter.

Es fiel ihm nicht schwer, festzustellen, dass der Mann nicht mehr lebte.

„Verdammt“,stieß Hillary bestürzt hervor. „Hier ist jemand ermordet worden!“

Als Jane Jarnell das hörte, stieß sie einen langen, grellen Schrei aus und rannte davon.

 

 

6

Captain Toby P. Rogers, der gewichtige Leiter der Mordkommission, saß seinem Freund Bount Reiniger mit schmerzlicher Miene gegenüber. „Das sieht dir mal wieder ähnlich, du alter Schotte“, maulte er. „Du lädst mich ausgerechnet dann zum Essen ein, wenn ich Zahnschmerzen habe und kaum was runterbringe.“

Bount schmunzelte. „Von dem, was du kaum runtergebracht hast, könnte eine vierköpfige Familie zwei Tage lang gut leben.“

„Nun komm aber, das ist leicht übertrieben“, brummte Toby.

„Wann gehst du zum Zahnarzt?“, fragte Bount Reiniger.

„Weiß ich noch nicht.“

Bount feixte. „Der tapfere Captain hat doch nicht etwa Angst? Die Unterwelt, die so sehr vor dir zittert, würde sich schief lachen, wenn sie davon erfährt, dass der Held der Mordkommission, der schon so viele gefährliche Verbrecher zur Strecke gebracht hat, die Hosen voll hat, wenn er zum Zahnarzt muss.“

„Ich hab’ nicht so viel Zeit wie du, dass ich mich stundenlang in ein Wartezimmer setzen kann“, polterte der Captain.

„Da weiß ich eine Lösung“, hakte Bount sofort ein. „Ich melde dich bei meinem Zahnarzt an. Bei dem wartest du keine fünf Minuten.“

„Den kann ich mir nicht leisten.“

„Du hast doch immer eine Ausrede. Okay, er soll die Honorarnote an mich schicken.“

„Und da du für dein Geld auch was haben willst, trägst du ihm auf, mir auch gleich ein paar gesunde Zähne zu ziehen, he?“

„Der faule Zahn würde mir schon genügen“, sagte Bount lachend.

Toby wehrte ab, indem er mit den Händen in der Luft herumfuchtelte. „Nichts zu machen. Dein Zahnarzt kriegt mich nicht auf seinen Folterstuhl. Die Freude mache ich euch beiden nicht.“

Bount grinste. „Schade.“

Toby umspülte den schmerzenden Zahn mit Whisky. Der Kellner kam angeschlichen. Er hatte die Miene eines geprügelten Hundes aufgesetzt und bat servil wegen der Störung um Entschuldigung.

„Captain Rogers“, sagte er dann.

„Was gibt’s?“, fuhr ihn Toby an. Sein Zahn war daran schuld.

„Sie werden am Telefon verlangt.“

Toby seufzte. „Hat man denn nie Ruhe?“

„Soll ich sagen, Sie sind bereits weggegangen?“, fragte der Kellner.

„Nein, lassen Sie nur, ich geh’ schon ran.“ Toby erhob sich schwerfällig. Abgesehen von Zahnschmerzen, die er nicht ertragen konnte, war er hart im Nehmen. Er war wirklich einer der gefürchtetsten Gangsterjäger von New York. Mehr als ihn fürchtete die Unterwelt nur noch Bount Reiniger. „Bin gleich wieder zurück“, sagte der Captain und trabte davon.

In der Telefonzelle hing der Hörer für ihn an einem Aluminiumhaken bereit. Er nahm ihn in die Hand.

„Ja!“, bellte er in die Membrane.

„Toby, hier ist Ron“, meldete sich am andern Ende des Drahtes Lieutenant Myers, sein Stellvertreter.

„Ich hoffe, du hast einen triftigen Grund, mich hier zu stören.“

„Triftiger geht’s nicht mehr.“

„Was ist los?“

„Mord“, sagte Ron Myers lakonisch und berichtete seinem Vorgesetzten, wann, bei wem und an wem die Bluttat verübt worden war. „Kommst du hin?“, wollte der Lieutenant wissen.

„Bin schon unterwegs“, erwiderte der Captain und hängte ein. Er kehrte zu Bount Reiniger zurück, der sich soeben eine Pall Mall anzündete.

„Du siehst aus, als hättest du soeben einen epochalen Entschluss gefasst“, neckte ihn Bount Reiniger.

Toby nickte. „Das habe ich.“

„Und zwar welchen?“

„Ich gehe.“ Toby setzte sich nicht mehr.

„He, Moment. Wir sind zusammen gekommen, ich dachte, wir würden auch wieder zusammen gehen.“

„Du hast noch nicht bezahlt, und ich hab’s eilig“, erwiderte der Captain.

„Was ist denn passiert?“, wollte Bount Reiniger wissen.

„Schon mal den Namen Charly Dutton gehört?“

„Ja, was ist mit ihm?“

„Er wurde erschossen. Vielen Dank für die Einladung. Beim nächsten mal, wenn du mich wieder einlädst, hast du nicht mehr das Glück, dass ein schmerzender Zahn meinen Appetit hemmt.“

Bount winkte dem Kellner und verlangte die Rechnung. Als er wenig später auf die Straße trat, war der Platz, wo Tobys Dienst-Chevy gestanden hatte, schon leer. Bount Reiniger stieg in seinen silbernen Mercedes 450 SEL und fuhr nach Hause. Er ahnte zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass auch er sich bald mit diesem Mordfall beschäftigen würde.

 

 

7

Cops bevölkerten das Gelände, als Toby Rogers den Tatort erreichte. Er verließ seinen Dienstwagen und betrat das Grundstück. Beim Glashaus strahlten Standscheinwerfer. Sie machten die Nacht taghell.

Der schlaksige, sommersprossige Ron Myers kam Toby entgegen. Als dieser seine Backe massierte, fragte der Lieutenant: „Was macht der Zahn?“

„Er ist noch drin und quält mich“, brummte Toby.

„Heraus damit.“

„Das habe ich dich noch nie sagen hören, wenn es um einen deiner eigenen Zähne ging“, erwiderte der Captain unwillig. „Über anderer Leute Zähne kann man leicht entscheiden. Wo liegt der Tote?“

Ron führte ihn ins Gewächshaus. Der Polizeifotograf und der Polizeiarzt waren mit ihrer Arbeit bereits fertig. Man hatte eine Decke über die Leiche gebreitet. Toby hob sie hoch. Widerstrebend sah er sich den Mann an.

„Daran werde ich mich nie gewöhnen“, sagte er verdrossen. „Herzschuss. Aus nächster Nähe. Jemand hat ihm die Waffe an die Brust gesetzt und abgedrückt.“

Details

Seiten
101
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738951479
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (März)
Schlagworte
mann händen york detectives

Autor

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Titel: Der Mann mit den blutigen Händen: N.Y.D. – New York Detectives