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Das Dynamit-Phantom: N.Y.D. – New York Detectives

2021 107 Seiten

Zusammenfassung


Die fünf Freunde Anthony Lean, Arthur Stone, David Bull, Alec Hawn und Peter Langland treffen sich einmal im Jahr, doch diesmal steht das Treffen unter keinem guten Stern. Jeder von ihnen hat eine Morddrohung erhalten. Doch nur einer von ihnen nimmt diese ernst - Anthony Lean.
Lean wendet sich an den Privatdetektiv Bount Reiniger, der ihn bei diesem Treffen vor dem unbekannten Mörder schützen soll. Und nun steht auch der Privatdetektiv im Visier des Killers.

Leseprobe

Table of Contents

Das Dynamit-Phantom: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

Die Hauptpersonen des Romans:

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Das Dynamit-Phantom: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von A. F. Morland

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 107 Taschenbuchseiten.

 

Die fünf Freunde Anthony Lean, Arthur Stone, David Bull, Alec Hawn und Peter Langland treffen sich einmal im Jahr, doch diesmal steht das Treffen unter keinem guten Stern. Jeder von ihnen hat eine Morddrohung erhalten. Doch nur einer von ihnen nimmt diese ernst - Anthony Lean.

Lean wendet sich an den Privatdetektiv Bount Reiniger, der ihn bei diesem Treffen vor dem unbekannten Mörder schützen soll. Und nun steht auch der Privatdetektiv im Visier des Killers.

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Anthony Lean, Arthur Stone, David Bull, Alec Hawn und Peter Langland – Die einstigen Schulkameraden treffen sich einmal im Jahr, doch diesmal steht das Treffen unter keinem guten Stern.

Dack „Cobra“ McGregor - Er soll Bount Reiniger das Fürchten lehren, aber der Schuss geht nach hinten los.

Ronny Cannon und Mel Coburn - Wer sie bezahlt, kann von ihnen alles verlangen, sogar einen Mord.

Karen Blair - Als sie mit Bount ausgeht, jagt man ihr einen Mordsschrecken ein.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

 

 

1

Der Brieföffner klimperte auf den großformatigen Schreibtisch, und Lean spürte, wie ihm heiß wurde. Angst wallte mit einem Mal in ihm hoch. Er öffnete den Kragenknopf seines Hemds.

Er war ein gut aussehender Mann Anfang Vierzig, schlank, mit strahlend weißen Zähnen und weiß gefärbtem Haar an den Schläfen. Er fand, dass ihn das beim weiblichen Geschlecht interessanter machte, und seine diesbezüglichen Erfolge gaben ihm recht.

Entgeistert starrte er nun auf das Blatt, das er noch in seinen zitternden Händen hielt. Er sagte sich, dass er viel zu heftig auf diese Morddrohung reagierte, aber er war kein Held, und er hing an seinem Leben. Er hatte schließlich nur dieses eine. Er ließ das Papier los, lehnte sich ächzend zurück und fuhr sich mit gespreizten Fingern durch das dunkle Haar.

Verdammt! Jemand trachtete ihm nach dem Leben.

Auf dem Metallbrieföffner tanzten Lichtreflexe. Anthony Lean handhabte ihn wie ein geübter Messerstecher aus der Bronx, aber er richtete keinen Schaden an. Er schlitzte lediglich Briefumschläge auf. Eine harmlose Tätigkeit.

Wie jeden Vormittag, wenn er in seinem Büro erschien, nahm er sich zuerst die Privatpost vor, die ihm seine Sekretärin gesondert und ungeöffnet auf den Schreibtisch legte.

Auf dem weißen Umschlag, den er jetzt öffnete, stand neben seinem Namen in roter Schreibmaschinenschrift: PERSÖNLICH.

Er nahm das Blatt heraus und entfaltete es interessiert. Auf den ersten Blick hatte es den Anschein, als hätte ihm ein Spaßvogel ein leeres Stück Papier geschickt. Aber beim zweiten Blick entdeckte er vier Worte, die ihm unter die Haut gingen: SCHWEIN, DU musst STERBEN!

Er besaß eine Hotelkette, die sich von der Ost- bis zur Westküste über den nordamerikanischen Kontinent spannte. Sitz des Unternehmens war New York. Lean verdiente eine Menge Geld, aber von Geld war in diesem Brief keine Rede.

„Er will kein Geld“, murmelte Lean aufgewühlt. „Er will nur mein Leben.“

Er stand auf und begab sich zum Fenster. Unruhig blickte er in die Straßenschlucht der 7th Avenue hinunter. Die Menschen waren klein wie Ameisen, und die Autos hatten Spielzeugformat.

Menschen, dachte Lean schwitzend. Einer von ihnen will mich umbringen. Aber warum?

Er kehrte zu seinem Schreibtisch zurück und drückte auf eine abgegriffene Taste der Gegensprechanlage.

„Sarah!“

„Ja, Mr. Lean?“, meldete sich Sarah Craven, seine Sekretärin, sofort.

„Verbinden Sie mich mit Arthur Stone.“

„Augenblick, Sir.“

Lean setzte sich auf die Schreibtischkante. Er brannte sich umständlich eine Zigarette an, griff nach dem Briefumschlag und sah sich den Poststempel an.

Das Telefon klingelte. Lean zuckte wie unter einem Stromstoß zusammen. Hastig schnappte er sich den Hörer.

„Ja?“

Eine verschlafene Stimme: „Ja. Was heißt ja?“.

„Wach auf, Arthur! Verdammt noch mal, komm zu dir!“, rief Lean nervös. „Hast du mal wieder gesoffen?“

„Du tickst wohl nicht richtig“, erwiderte Arthur Stone ärgerlich. „Seit zwei Wochen arbeite ich mit Hochdruck, trinke keinen Tropfen Alkohol, ernähre mich wie ein Kaninchen und habe nichts mit kleinen Mädchen, bloß um den zugesagten Termin einhalten zu können.“

Arthur Stone war Drehbuchautor, und sehr erfolgreich dazu. Man riss ihm seine Werke förmlich aus der Schreibmaschine. Er verfasste Filmdrehbücher, Texte für Werbespots und schrieb an einigen sehr beliebten Fernsehserien mit.

„Entschuldige“, sagte Lean und zog nervös an der Zigarette.

„Hör mal, weißt du eigentlich, wie spät es ist?“

„Halb elf.“

„Dir ist doch bekannt, dass ich nachts arbeite. Wie kannst du es wagen, mich um diese Zeit anzurufen?“

„Tut mir leid, Arthur, aber ich muss mit jemandem reden“, sagte Lean heiser.

„Warum ausgerechnet mit mir?“

„Ich muss mit einem Freund reden, meine ich“, sagte Lean und schnippte die Asche von der Zigarette.

„Heiliger Strohsack, ich kann doch unmöglich dein einziger Freund sein“, sagte Stone mürrisch.

„Du wohnst am nächsten.“

„Ich wohne in Boston. Willst du mir weismachen, du hättest in ganz New York keinen Freund?“

Lean zog die Augenbrauen zusammen.

„Arthur, ich werde nicht zum diesjährigen Treffen kommen.“

„Dafür brauchst du einen triftigen Grund, wie dir bekannt ist. Es ist abgemacht ...“

„Ich kenne die Abmachung“, fiel Lean dem Freund ins Wort. „Und ich habe mich bisher auch stets daran gehalten, wie du weißt. Aber diesmal müsst ihr auf mich verzichten.“

„Junge, was glaubst du wohl, warum ich wie ein Tier schufte? Weil ich die Zeit für dieses Treffen einbringen muss, auf das ich mich schon so sehr freue. Du darfst nicht abspringen. Du weißt doch, nur wer tot ist, braucht nicht zu kommen.“

„Das ist es ja“, sagte Anthony Lean schwer seufzend. „Ich fürchte, dass ich das bald sein werde.“

„Was?“

„Tot“, flüsterte Lean.

 

 

2

Am Nachmittag rief Arthur Stone an. Seine Stimme klang klar und konzentriert. Lean hatte sich noch keinen Schritt aus dem Büro gewagt. Seine Sekretärin musste ihm eine Pizza besorgen, die er zu Mittag aß, und er trank literweise Kaffee, wodurch seine Nerven immer mehr ausflippten.

„Hör zu, Kumpel“, sagte Stone. „Das Ganze ist nichts weiter als ein dummer Scherz. Du brauchst diese Morddrohung nicht ernst zu nehmen. Vergiss sie!“

„Das kann ich nicht“, stöhnte Lean. „Ich renne in meinem Büro im Kreis, kann mich nicht konzentrieren und weiß nicht, wie ich mich schützen soll. Es passiert vielleicht schon, wenn ich heute mein Büro verlasse. Du hast leicht reden. Es ist ein verflucht unangenehmes Gefühl, zu wissen, dass jemand einem das Lebenslicht auspusten möchte.“

„Es wird nichts passieren."

„Ich weiß nicht, wie der Kerl aussieht. Theoretisch kann es jeder Mann sein, dem ich auf der Straße begegne. Dieser Gedanke macht mich wahnsinnig.“

„Es wird überhaupt nichts passieren, glaub mir“, tröstete Arthur Stone. „Es ist ein idiotischer Spaß, der danebenging. Du bist nicht der einzige, der einen solchen Brief erhalten hat. Ich habe ebenfalls einen bekommen.“

„Du auch?“, fragte Lean verblüfft.

„Mit demselben Inhalt“, sagte Stone. Seine Stimme klang gelassen.

„Was wirst du tun?“, fragte Lean.

„Nichts.“

„Liebe Güte, du kannst doch nicht so tun, als hättest du den Brief nicht erhalten.“

„Und wie ich das kann!“, versicherte Stone.

„Also ich werde etwas unternehmen“, erklärte Lean gepresst. „Ich tue diese Morddrohung nicht mit einem Schulterzucken ab. Dazu ist mir mein Leben zu kostbar.“

 

 

3

Bount Reiniger öffnete die Bürotür und trat ein.

„Was ist denn hier los?“, fragte er erstaunt.

New York stöhnte zur Zeit unter einer Hitzewelle, aber in Bounts Büro hätte es angenehm kühl sein müssen. Das war es jedoch nicht. Bereits im Vorzimmer herrschten Backofentemperaturen.

„Die Klimaanlage ist ausgefallen“, seufzte June March.

„Dafür hat sie sich den besten Zeitpunkt ausgesucht“, knurrte Bount. „Sie streikt ausgerechnet während der Hundstage, damit wir merken, wie unentbehrlich sie ist.“

June war nicht allein. Captain Rogers saß auf dem Besucherstuhl vor ihrem gläsernen Schreibtisch. Er nieste herzhaft in Bounts Richtung.

„Ist das ein neuer Gruß?“, fragte Bount grinsend.

„Nein, Grippe“, röchelte Toby Rogers.

„Im Sommer?“

„Im Winter kann sie jeder haben“, erwiderte der gewichtige Leiter der Mordkommission Manhattan Süd. „Ich bin Individualist.“

Bount trat näher.

„Meine Güte, du siehst ja tatsächlich richtig krank aus - mit diesen Triefaugen.“

„Sommergrippe ist eine Krankheit, falls du das nicht wissen solltest“, brummte Toby.

„Wer krank ist, gehört ins Bett. Was suchst du in meinem Büro? Trost?“, fragte Bount.

„Ich dachte, ich gebe dir aus alter Freundschaft ein paar von meinen Viren ab.“

„Man sollte sich diesen Tag gut merken. Es ist meines Wissens das erste Mal, dass du nicht geizig bist“, feixte Bount.

Der Captain nieste so laut, dass die Fenster klirrten. Bount zog die Luft prüfend ein.

„Wonach riecht's denn hier so komisch? Hey, Toby, hat dich heute dein Deodorant im Stich gelassen?"

„Ich habe mit June telefoniert“, erklärte Toby. „Ich sagte, ich müsse so rasch wie möglich wieder gesund werden, und fragte sie, ob sie nicht ein Wundermittel wüsste. Sie sagte, ich solle herkommen, sie würde mir einen Zwiebeltee brauen.“

„Ach so, und ich dachte schon, du hättest die Schuhe ausgezogen und vergessen, die Socken zu wechseln. Bei aller Freundschaft muss ich dir sagen, dass June meine Sekretärin ist und dass du sie von der Arbeit abhältst. Wenn du wieder mal ein Wundermittel brauchst, lass dir das Rezept geben, und brau dir deinen Zwiebeltee gefälligst selbst.“

„So wagst du mit mir zu sprechen, weil du weißt, dass ich zu schwach bin, dir den Schneidezahn zu lockern“, beschwerte sich Toby und putzte sich geräuschvoll die Nase.

„Du trompetest besser als ’n Elefant“, sagte Bount. „Soll ich dich nach Hause fahren?“

„Brich dir meinetwegen nur keine Verzierung ab“, erwiderte Toby, trank den restlichen Tee und erhob sich. „Danke für den Tee, June.“

„Jetzt ins Bett und tüchtig schwitzen“, riet Bount Reinigers blonde Sekretärin.

„Ich werde an Bount denken. Das ist immer schweißtreibend bei mir“, sagte der Captain. Er wandte sich an Bount. „Mach’s gut, Alter!“ Er wies auf Bounts Nase. „Hoffentlich trägt mein Besuch bald Früchte.“

„Die Freude mache ich dir nicht“, gab Bount zurück. „Ich bin gegen deine Viren immun.“

Toby verließ die Detektei.

„Ist das eine Hitze!“, stöhnte Bount Reiniger.

„Dagegen hilft am besten lauwarmer Tee“, sagte June. „Soll ich welchen kochen?“

„Ja, aber nur für dich“, antwortete Bount. „Ich nehme mir lieber eine Dose kühlen Kräuterbiers. Hast du schon etwas wegen der defekten Klimaanlage unternommen?“

„Ich habe den Hausverwalter angerufen.“

„Und?“

„Es wird an der Behebung des Schadens gearbeitet.“

„Hoffentlich ist das kein Fünfjahresplan“, knurrte Bount und zog sich in sein Allerheiligstes zurück. Er zog das leichte Sommerjackett aus und hängte es über die Lehne seines Schreibtischsessels. Dann begab er sich in das benachbarte Apartment und fischte sich eine kalte Bierdose aus dem Eiskasten. Nach dem Bier rauchte er eine Pall Mall und legte die Beine auf den Schreibtisch. Aber es kann der Frömmste nicht in Frieden leben ...

June March meldete den Besuch eines Mannes namens Anthony Lean.

„Soll reinkommen“, sagte Bount, erhob sich und zog sein Jackett wieder an.

„Bei Ihnen herrschen Temperaturen wie in einem Treibhaus“, stellte Lean fest.

„Zur Zeit wäre mein Büro der ideale Aufenthaltsort für einen Verrückten“, meinte Bount grinsend.

„Wieso?“

„Nun, man sagt doch, Narren essen viel und haben’s gern warm", antwortete Bount. Er streckte dem Besucher die Hand entgegen. „Ich bin Bount Reiniger. Bitte setzen Sie sich, Mr. Lean. Was kann ich für Sie tun?“

Sie setzten sich. Lean schlug ein Bein über das andere und sah Bount mit unruhigem Blick an.

„Lean. Anthony Lean“, sagte Bount Reiniger. „Der Name kommt mir bekannt vor.“

„Wenn Sie viel reisen, haben Sie bestimmt schon mal bei mir geschlafen“, sagte Lean.

„Nicht, dass ich wüsste“, erwiderte Bount.

„Mir gehören die Lean-Hotels.“

Bount lachte.

„Ach so meinen Sie das. Ja, das ist durchaus möglich, dass ich schon mal in einem Ihrer Hotels übernachtet habe. Was führt Sie zu mir, Mr. Lean?“

„Das hier“, sagte Anthony Lean und legte einen Briefumschlag vor Bount auf den Schreibtisch.

„Soll ich den Brief lesen?“, fragte Bount.

Lean nickte. Sein Mund war verkniffen. Bount holte mit spitzen Fingern das Papier aus dem Umschlag. Als er es entfaltete, sprangen ihm die vier Worte in die Augen, die Anthony Lean so sehr ängstigten.

„Haben Sie irgendeinen Verdacht, wer das geschrieben haben könnte?“, erkundigte sich Bount.

„Ich habe keinen blassen Schimmer“, antwortete Lean.

„Haben Sie Feinde?“

„Wer hat die nicht?“

„Hat Sie jemand angerufen und Ihnen das Angebot gemacht, sich freizukaufen?“, wollte Bount wissen.

Lean schüttelte nervös den Kopf.

„Kein Anruf. Kein zweiter Brief. Kein Telegramm. Nichts. Ich erhielt nur diesen einen Brief, aber das reicht mir. Arthur sagt, ich soll ihn ignorieren, er hätte nichts zu bedeuten. Aber das kann ich nicht.“

„Wer ist Arthur?“, fragte Bount.

„Oh, Arthur Stone, ein guter Freund. Er schreibt Drehbücher, ist ganz dick im Geschäft. Er hat übrigens auch so einen Brief bekommen, aber er lässt sich deswegen keine grauen Haare wachsen. Er ist der Ansicht, es würde sich um einen dummen Scherz handeln.“

„Von wem?“

„Das weiß er auch nicht.“

„Sie und Ihr Freund Arthur Stone haben also jeder eine solche Morddrohung erhalten“, sagte Bount.

„Mit gleichlautendem Text“, sagte Anthony Lean. „Aber Arthur teilte mir mit, dass außer uns beiden drei weitere Freunde von uns solche Briefe erhalten haben: Alex Hawn in Chicago, David Bull in San Francisco und Peter Langland in Miami Beach.“

„Hört sich ja nach einer richtigen Briefflut an, die das ganze Land überschwemmt hat“, bemerkte Bount.

„Aufgegeben wurden die Briefe alle in New York“, erklärte Lean. „Ich nehme an, dass jetzt eine Erklärung fällig ist. Also ursprünglich waren wir alle in New York zu Hause. Wir gingen zusammen zur Schule und waren unzertrennlich. Nach dem Schulabgang verstreute es meine Freunde in alle Winde, und jeder von uns machte seinen Weg. Arthur Stone ließ sich in Boston nieder und ist heute einer der meistbeschäftigten Autoren für Film und Fernsehen. Alec Hawn lebt als Baulöwe in Chicago. David Bull leitet in Frisco einen renommierten Verlag, und Peter Langland hat sich in Miami Beach als Weinhändler niedergelassen. Wahrscheinlich würde einer vom anderen nichts mehr wissen, wenn wir nicht beschlossen hätten, uns einmal im Jahr zu sehen. An dieser Abmachung halten wir eisern fest. Noch nie hat einer von uns ein solches Treffen versäumt. Es findet jedes Jahr bei einem anderen Freund statt. Letztes Jahr waren sie alle bei mir, und in diesem Jahr ist Peter Langland an der Reihe. Aber ich habe Angst, nach Miami Beach zu gehen. Wegen - wegen dieses Briefes. Ich bin fremd in Miami Beach. Ich weiß mich schon hier nicht zu schützen, aber dort ...“

„Wäre es denkbar, dass jemand verhindern möchte, dass das diesjährige Treffen zustande kommt?“, fragte Bount.

„Damit hat er bei Arthur, Alec, David und Peter kein Glück“, antwortete Lean. „Sie haben diesen Brief in den Papierkorb geworfen und sind entschlossen, das Treffen nicht platzen zu lassen. Der einzige Angsthase in der Runde bin ich. Mir schlottern schon die Knie, wenn ich nur vors Haus trete.“

„Wenn ich Sie richtig verstehe, möchten Sie, dass ich herausfinde, von wem diese Briefe stammen, damit Sie wieder ruhig schlafen können“, fasste Bount zusammen.

„Damit haben Sie nicht ganz ins Schwarze getroffen, Mr. Reiniger“, gab Lean zurück. „Arthur Stone hat mich so lange bearbeitet, bis ich ihm versprach, am diesjährigen Treffen teilzunehmen. Aber ich habe nicht die Absicht, allein nach Miami Beach zu gehen. Ich möchte, dass Sie mich dorthin begleiten - als mein Schutzengel gewissermaßen.“

 

 

4

Toby hustete und nieste am anderen Ende der Leitung.

„Bist du schon im Bett?“, fragte Bount Reiniger.

„Ja. Sag June, auf den Zwiebeltee fühle ich mich schon etwas leichter. Nett von dir, dass du anrufst. Mach dir um mich keine Sorgen! Unkraut vergeht nicht. Bis zum Wochenende bin ich ganz bestimmt wieder auf den Beinen. Das Barbecue-Fest bei Staatsanwalt Milton lasse ich mir nicht entgehen. Miltons Feste sind berühmt. Man soll sich da vorkommen wie im Schlaraffenland. Du kannst essen und trinken, so viel du willst. Es ist alles gratis. Oh, es geht mir gleich noch eine Spur besser, wenn ich daran denke.“

„Wenn du dich schon so gut fühlst, kannst du wohl eine schlechte Nachricht vertragen“, sagte Bount.

„Komm deinem siechen Freund nicht mit so was!“, stöhnte der Captain.

„Ich werde zu diesem Barbecue-Fest nicht mitkommen, Toby.“

„Ich muss was mit den Ohren haben. Wie war das? Ich glaube, ich habe dich eben falsch verstanden.“

„Ich habe keine Zeit für dieses Fest“, sagte Bount.

„Junge, das kannst du mir doch nicht antun“, jammerte der kranke Captain. „Du weißt ganz genau, dass mich Milton nur deshalb eingeladen hat, damit ich dich mitbringe. Er hat schon viel von dir gehört und möchte dich kennenlernen. Der Vater deines guten Rufs bei ihm bin ich. Ich habe mir beim Staatsanwalt für dich den Mund fusselig geredet. Ich kann auf diesem Fest unmöglich allein erscheinen.“

„Nimm deinen Stellvertreter mit“, empfahl Bount.

„Ron Myers? Verdammt noch mal, den Lieutenant kennt der Staatsanwalt bereits. Er ist an dir interessiert.“

„Tut mir leid. Vielleicht klappt's ein andermal. Ich kann nicht gleichzeitig auf zwei Hochzeiten tanzen“, sagte Bount.

„Wo findet die andere Hochzeit denn statt?“

„In Miami Beach.“

„Lässt sich das nicht verschieben?“, fragte Toby.

„Ausgeschlossen“, antwortete Bount.

„Was sage ich bloß dem Staatsanwalt?“

„Du warst doch noch nie um eine Ausrede verlegen“, tröstete Bount Reiniger. „Versprich ihm einfach, dass du für zwei essen wirst! Das fällt einem Vielfraß wie dir bestimmt nicht schwer.“

„Oh ... Oh ...“, stöhnte der Captain. „Mir geht es schon wieder viel schlechter.“

 

 

5

Tags darauf machte Bount Reiniger ein paar Besorgungen. Anthony Lean hatte einen dicken Scheck dagelassen, und Bount zweigte etwas von dem Geld für neue Sommerkleidung ab.

Als er mit seinem silbergrauen Mercedes 450 SEL den Broadway hochfuhr, stellten sich seine Nackenhärchen auf. Er wurde das Gefühl nicht los, dass ihm jemand folgte, aber im Rückspiegel wechselten die Fahrzeuge, und keines davon sah Bount Reiniger ein zweites Mal.

Wenn er tatsächlich einen Schatten hatte, dann stellte dieser sich sehr geschickt an.

In einem Kaufhaus in der 139. Straße Ost fand Bount alles, was sein Herz begehrte. Er schleppte sich mit dem Gekauften nicht selbst ab, sondern nannte seine Adresse. Man würde ihm alles ins Haus liefern.

Um einige Dollar leichter, verließ Bount das Kaufhaus. Er gönnte sich eine Tüte mit Soft Ice und schlenderte damit über den Parkplatz. Die heiße Luft zitterte und flimmerte über dem weich gewordenen Asphalt. Bount teilte sich das Eis so ein, dass er damit fertig war, als er den Mercedes erreichte. Er schloss den Wagen auf und stieg ein. In einem Brutkasten für Krokodile konnte es nicht heißer sein. Bount kurbelte ächzend die Scheibe nach unten.

Ein dünnes, rasselndes Geräusch drang an sein Ohr, und er sah einen ferngesteuerten Spielzeugtruck über den Parkplatz rollen. Wer den Truck bediente, konnte Bount nicht sehen.

Auf die Idee, dass ihm von diesem Gefährt Gefahr drohte, wäre er nicht im Traum gekommen.

Er wollte den Motor starten, aber der Truck schwenkte nach links ab und kam im Direktkurs auf den Mercedes zu. Bount nahm an, dass das ferngelenkte Spielzeug einem Kind gehörte. Er wollte es nicht kaputtfahren, deshalb wartete er. Erst wenn der kleine Truck unter dem SEL durch war, würde Bount starten.

Aber der Truck fuhr nicht weiter. Er blieb unter dem Mercedes stehen - und Bount Reiniger brach plötzlich der kalte Schweiß aus allen Poren.

Raus aus dem Wagen!, schrie es in ihm. Der Truck gehört keinem Kind! Er griff nach dem Türöffner - aber zu spät.

 

 

6

Dem Detektiv war tatsächlich jemand gefolgt. Geduldig hatte die Person auf dem Parkplatz gewartet, und als Bount Reiniger sich zu seinem Wagen begab, stellte der Täter den Spielzeugtruck auf den Boden und setzte ihn mittels Fernbedienung in Gang. Sicher brachte der Unbekannte die kleine rollende Bombe ins Ziel. Als der Truck unter dem Mercedes stehenblieb, schien Bount Reiniger zu begreifen.

Er wollte aus dem Wagen springen, doch er konnte unmöglich schneller sein als der Daumen, der bereits leicht auf einem roten Knopf des Senders ruhte.

Ein kurzer Druck, und der Zündimpuls war gegeben.

Unter dem Mercedes schien sich mit brüllendem Getöse die Hölle aufzutun ...

 

 

7

Die Explosion war ohrenbetäubend. Unter dem Mercedes schossen glühende Stacheln hervor. Der Explosionsdruck hob den schweren Wagen einige Millimeter hoch, schüttelte ihn und ließ ihn fallen.

Jetzt erst konnte Bount herausspringen. Man hatte ihn nicht töten wollen. Dazu war die Sprengladung zu schwach gewesen. Wenn der Täter die Absicht gehabt hätte, ihn ins Jenseits zu befördern, wäre ihm das mühelos gelungen.

Nun muss man sich schon vor Spielzeugautos in Acht nehmen, dachte Bount grimmig.

Er angelte die Automatic aus dem Leder und suchte den Sendboten der rollenden Bombe.

Ein schwarzer Pontiac mit grüngetönten Scheiben verließ mit quietschenden Reifen den Parkplatz. Wer in dem Fahrzeug saß, konnte Bount nicht sehen. Auch ein Blick auf das polizeiliche Kennzeichen war ihm nicht möglich.

Er warf sich in den Mercedes und wollte den Wagen starten, aber der Motor machte keinen Mucks.

„Mist!“, schimpfte Bount Reiniger.

Er riss den Schlüssel aus dem Zündschloss, stieg aus und rannte zur Straße. Er konnte den schwarzen Pontiac noch sehen. Er fuhr nach Norden. Bount hielt ein Taxi an. Er warf dem Fahrer fünfzig Dollar in den Schoß und sagte ihm, was er dafür tun solle.

„Sämtliche Strafmandate übernehme ich ebenfalls“, fügte er hinzu, und das Taxi zischte ab wie die Feuerwehr zum Großbrand.

„Endlich erlebe ich mal etwas Aufregendes“, sagte der Fahrer grinsend. „Sind Sie ’n Bulle?“

„Privatdetektiv. Wenn Sie es schaffen dranzubleiben, gibt's noch mal ’nen Fünfziger.“

„Solche Fahrgäste hätte ich gern öfter.“

Der Pontiacfahrer schien zu merken, dass er verfolgt wurde. Er drückte voll auf die Tube, und das Taxi fiel zurück.

„Mann, der Knabe fährt wie der Teufel persönlich“, ächzte der Taxifahrer.

„Bleiben Sie dran!“, stieß Bount aufgeregt hervor. „Lassen Sie sich nicht abhängen!“

„Ich gebe mein Bestes, Sir“, versicherte der Fahrer.

Sie erreichten Riverdale, und dort spielte der Pontiacfahrer mit ihnen Katz und Maus. Bount wusste bereits, dass er den zweiten Fünfziger nicht loswerden würde. Sie verloren den schwarzen Wagen aus den Augen und fanden ihn nicht wieder. Der Taxifahrer sah Bount bedauernd an.

„Tut mir leid, Sir, aber der Bursche war zu gut für mich.“

„Schon gut. Sie haben es redlich versucht“, erwiderte Bount.

„Und was nun?“, fragte der Fahrer.

„Bringen Sie mich nach Hause!“

„Okay, und wo ist das?“

„7th Avenue, Nr. 1133, Ecke 54th Street West“, sagte Bount und entspannte sich.

 

 

8

Missgelaunt betrat Bount sein Büro Apartment. June March war nicht mehr da. Bount hörte sich an, was der automatische Anrufbeantworter aufgezeichnet hatte, und rief anschließend seine Werkstatt an, damit man den Mercedes abholte und reparierte.

Nach diesem Telefonat begab er sich in sein Apartment. Die Klimaanlage funktionierte immer noch nicht. Wäre er aus Schokolade gewesen, hätte er unmöglich seine Form behalten.

Er duschte und nahm sich anschließend einen Drink mit viel Eis, viel Soda und wenig Whisky. Kaum hatte er sich mit dem Glas in der Hand gesetzt, scheuchte ihn das Läuten des Telefons wieder hoch. Er grabschte sich den Hörer und sagte sein Sprüchlein auf: „Detektei Reiniger, Büro für private Ermittlungen ...“

Am anderen Ende eine Flüsterstimme: „Ich nehme an, Sie sind sich darüber im Klaren, dass ich Sie mühelos in die Luft hätte pusten können, Reiniger. Ein bisschen mehr Sprengstoff, und Sie würden sich jetzt auf ’ner Erdumlaufbahn befinden.“

„Soll ich mich dafür bedanken, dass Sie eine Prise weniger genommen haben?“, fragte Bount Reiniger bissig.

„Oh, das ist nicht nötig.“

„Mein Wagen ist im Eimer“, sagte Bount.

„Das war ja der Zweck der Übung.“

„Na schön. Sie hatten Ihren Spaß. Wohin darf ich nun die Rechnung schicken?“, fragte Bount.

„Die Kosten müssen Sie schon selbst tragen, Mr. Reiniger.“

„Ist ja reizend“, sagte Bount ärgerlich. „Darf ich fragen, warum Sie mir den Feuerwerkskörper untergejubelt haben?“

„Natürlich dürfen Sie das. Aber ich hätte es Ihnen auch so nicht vorenthalten.“

„Sie mögen mich anscheinend gut leiden“, sagte Bount.

„Sagen wir, Ihr gesundheitliches Wohl liegt mir am Herzen.“

„Und weswegen diese Fürsorge?“, wollte Bount wissen.

„Ich möchte nicht, dass ein Unschuldiger zu Schaden kommt.“

„Sagen Sie, können Sie nicht etwas lauter reden? Warum flüstern Sie immerzu? Soll niemand außer mir Sie hören?“

„So ist es“, bestätigte der Anrufer. „Betrachten Sie die heutige Explosion als Warnung, Mr. Reiniger. Ich möchte nicht, dass Sie sich in meine Angelegenheiten mischen.“

„Sie machen mir Laune. Sie demolieren meinen Wagen - wenn ich früher rausgekommen wäre, hätte es mir vielleicht die Füße abgerissen - und Sie reden von Ihren Angelegenheiten. Was sind das überhaupt für Angelegenheiten?“

„Ich weiß, dass gestern Anthony Lean bei Ihnen war. Er hat Sie engagiert, nicht wahr?“

„Und wenn es so wäre?“, gab Bount spröde zurück.

„Lean hat Angst. Sie sollen ihn nach Miami Beach begleiten.“

„Sie wissen gut Bescheid“, sagte Bount.

„Ich möchte, dass Sie in New York bleiben, Mr. Reiniger.“

„Und wenn ich Ihnen diesen Gefallen nicht tue?“

„Oh, das fände ich außerordentlich bedauerlich für Sie, denn in diesem Fall müsste ich Sie mit auf die Liste setzen.“

 

 

9

48 Stunden später war Bount Reinigers Mercedes wieder in Ordnung. Die Klimaanlage im Büro funktionierte immer noch nicht, aber dafür ging es Captain Rogers schon merklich besser. Toby sah es nicht gern, dass Bount am Wochenende die Stadt verlassen wollte. Und noch jemand konnte sich darüber nicht freuen: June March.

Als sie von dem Sprengstoffanschlag hörte, war ihr fast das Herz stehengeblieben. Sie nahm auch den Anruf, von dem Bount ihr ebenfalls erzählt hatte, ernster als ihr Chef.

„Vielleicht wäre es besser, Anthony Lean würde in New York bleiben“, sagte die hübsche Frau.

„Man kann doch nicht wegen ein bisschen Sprengstoff mit einer alten Tradition brechen“, wandte Bount ein.

„Beim nächsten Mal könnte es ein bisschen mehr sein“, gab June zu bedenken. „Du solltest das nicht auf die leichte Schulter nehmen. Bount.“

„Das tue ich ganz bestimmt nicht.“

Details

Seiten
107
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738951387
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (März)
Schlagworte
dynamit-phantom york detectives

Autor

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Titel: Das Dynamit-Phantom: N.Y.D. – New York Detectives