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Ich bin es, der Killer: N.Y.D. – New York Detectives

2021 115 Seiten

Zusammenfassung

Aufgrund der Diagnose, dass er nicht mehr lange zu leben hat, reift bei Derek Martin der Plan, etwas Großes zu tun. Sein erstes Opfer ist Danny Carlington, dem ein paar Nachtlokale zweifelhaften Rufs gehören. Sein nächstes Ziel ist Hugh Donnegan. Um an ihn heranzukommen, kidnappt Martin dessen junge Frau Adlaine. Kurz vorher war sie bei dem Privatdetektiv Bount Reiniger, den sie beauftragte, den Mörder von Carlington zu finden, damit dieser nicht ihren Mann ermordet …

Leseprobe

Table of Contents

Ich bin es, der Killer: N.Y.D. – New York Detectives

Copyright

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Ich bin es, der Killer: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von Cedric Balmore

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

 

Aufgrund der Diagnose, dass er nicht mehr lange zu leben hat, reift bei Derek Martin der Plan, etwas Großes zu tun. Sein erstes Opfer ist Danny Carlington, dem ein paar Nachtlokale zweifelhaften Rufs gehören. Sein nächstes Ziel ist Hugh Donnegan. Um an ihn heranzukommen, kidnappt Martin dessen junge Frau Adlaine. Kurz vorher war sie bei dem Privatdetektiv Bount Reiniger, den sie beauftragte, den Mörder von Carlington zu finden, damit dieser nicht ihren Mann ermordet …

 

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© COVER STEVE MAYER

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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1

Der Mann schoss aus der Hüfte wie ein Cowboy, nur ein einziges Mal.

Er tat es ohne Warnung, so entschlossen, als hätte er lange auf diesen Augenblick gewartet.

Danny Carlington fiel sofort um. Die Beine wurden ihm unter dem Körper weggerissen. Er schlug hart gegen den Tresen und landete auf dem schmutzigen, mit Zigarettenkippen bedeckten Dielenboden. Carlington versuchte, wieder hochzukommen, sackte aber zur Seite und blieb, das Gesicht dem Boden zugekehrt, reglos liegen.

Der Nachhall des harten, trockenen Schusses und das Unwirkliche, das der Szene anhaftete, lähmten die zwölf Zeugen. Sie standen wie erstarrt, als könnten sie nicht fassen, was geschehen war.

Es waren durchweg Männer. Gäste von Al Coons Eckkneipe an der Kreuzung Atlantic Avenue und Sherwood Street, Brooklyn. Die meisten von ihnen hatten den Fremden hereinkommen sehen.

Der Mann war etwa 1,80 m groß und gut gekleidet, ein Enddreißiger mit dunklem nackenlangen Haar und Koteletten, die fast bis an sein Kinn reichten. Seine markanten, fast asketisch anmutenden Gesichtszüge wurden von ungewöhnlichen hellen Augen beherrscht. Sie standen in auffälligem Kontrast zum Schwarz des leicht gewellten Haars. Aber im Moment beeindruckten wohl eher der Revolver in seiner Hand, ein 38er Smith & Wesson und die Tatsache, dass Danny Carlington niedergeschossen, ja vielleicht sogar ermordet worden war.

Schließlich war der schöne Danny nicht irgendjemand. Ihm gehörten ein paar Nachtlokale zweifelhaften Rufs. Er akzeptierte Wetten — natürlich illegal —, und er besaß genügend Einfluss, um sich zwei Gorillas leisten zu können, ja leisten zu müssen. Niemand im Raum wusste, weshalb er an diesem Dienstagnachmittag ohne seine Leibwächter aufgekreuzt war, aber der Fremde hatte es offenbar erfahren und seine Chance genutzt.

Von der Straße drang der Verkehrslärm herein. Man hörte die vorbeirollenden Autos, dann ein Kinderlachen, kurz darauf das kurze wütende Gebell eines Hundes.

Der Fremde ließ langsam den Revolver sinken. Die Gäste sahen, dass er Handschuhe trug, Autofahrerhandschuhe mit Aussparungen am Handrücken und an den Fingerspitzen.

Der Schütze blickte in die Runde. Er sah die Furcht in den Augen der Männer, er bemerkte aber auch das stumme Versprechen, über das, was man gesehen hatte, Schweigen zu bewahren, wenn er nur ging und keinen weiteren Schuss abgab.

Al Coon fing sich als Erster. Der Wirt war ein Hüne, aber wer ihn kannte, wusste genau, dass sich hinter seiner bulligen Fassade nur wenig Kraft verbarg. Coons Gesundheit war vom Alkohol zerstört worden. Bei Raufereien profitierte er weniger von seinen Muskeln als vielmehr von seinem bedrohlichen, imponierenden Aussehen. Dieses furchteinflößende Äußere half ihm meist, aufkommende Auseinandersetzungen im Keim zu ersticken.

Coon kam um den Tresen herum, hemdsärmelig und kahlköpfig. Alle Blicke folgten ihm, auch die des Schützen, der unweit der Tür stand und mühelos den ganzen Raum überblicken konnte.

Außer dem Atem der Männer und Coons asthmatischem Schnaufen waren nur die Geräusche der belebten Straße zu hören. Der Schuss selbst war außerhalb der Kneipe offenbar nicht gehört worden.

Coon blieb neben dem am Boden liegenden Carlington stehen, den Blick auf den Fremden gerichtet.

„Warum haben Sie das getan?“, fragte er so schroff, wie es der Situation angemessen zu sein schien.

Der Fremde grinste höhnisch. Aber er triumphierte nicht, denn er war erschöpft und abgespannt.

„Sind Sie nicht froh, dass ich es getan habe?“, fragte er. „Ratten wie Danny haben kein Recht zu leben.“

„Warum sollte ich froh darüber sein, warum?“, fragte Coon erregt.

„Denken Sie darüber nach!“, empfahl der Schütze. Er hatte eine Stimme, der es scheinbar an Höhen und Tiefen mangelte. Sie klang sehr monoton und leise, irgendwie kraftlos.

Coon kniete sieh neben Carlington auf den Boden. Die Gäste rührten sich nicht vom Fleck. Es waren größtenteils ältere Männer, keiner unter vierzig, und sie wagten es nicht, in das Geschehen einzugreifen. Sie waren hergekommen, um die Zeit mit einem Bier, einem Gin oder einem Whisky totzuschlagen, aber sie hatten nicht die Absicht, sich als Helden zu bewähren. Sie hatten in dieser Stadt und in diesem Viertel schon sehr früh das Kuschen vor dem Stärkeren gelernt.

„Er ist tot“, sagte Coon dumpf. Er hatte Mühe, sich zu erheben. Er lehnte sich gegen den Tresen und wischte sich mit dem Handrücken den klebrigen Schweiß von der Stirn.

„Das ist gut“, erklärte der Fremde. „Donnegan wird der Nächste sein.“

„He?“, fragte Coon ungläubig.

„Hugh Donnegan“, sagte der Fremde hart. Es klang wie ein Todesurteil. Dann machte er kehrt und schob den Revolver in seine Gesäßtasche. Er betrat die Straße. Niemand unternahm den Versuch, ihm zu folgen. Der Mörder schien das einkalkuliert zu haben, denn er nahm sich nicht einmal die Mühe, einen prüfenden Blick über seine Schulter zu werfen. Er ging die Straße hinab, als ob nichts geschehen wäre, ein Mann aus der Menge, ein Gesicht im Passantenstrom, fast ein Niemand.

Er blieb an der nächsten Bushaltestelle stehen, stieg ein und fuhr bis zum Ende der Atlantic Avenue. Er bedauerte, sich nicht setzen zu können, obwohl einige Plätze frei waren. Der Revolver in der Gesäßtasche schränkte seine Bewegungsfreiheit erheblich ein. und er hatte keine Lust, durch platzende Nähte und einen zu Boden fallenden Revolver aufzufallen.

Nachdem er ausgestiegen war. bewegte er sich ohne Eile auf die schmale Simpson Road zu. Er fühlte sich seltsam leicht und beschwingt, fast glücklich. Er wusste, dass dieses Gefühl nicht lange anhalten würde, denn schließlich gab es noch das andere, die Gewissheit.

Er hatte sich angewöhnt, diesen Ausdruck zu verwenden. Die „Gewissheit“ überschattete alles andere in seinem Leben. Sie hatte ihn letzten Endes auch zum Mörder von Danny Carlington werden lassen.

Er war entschlossen, in dieser Tat nur den Beginn zu sehen. Aber er wusste auch, dass ihn die „Gewissheit“ einholen würde, schon sehr bald, und dass es wichtig war, bis dahin all die schrecklichen, aber unumgänglichen Dinge getan zu haben, die er sich vorgenommen hatte.

Er betrat das Haus Nummer 27, einen siebenstöckigen Neubau von sachlich tristem Äußeren. Der Lift brachte ihn in die fünfte Etage. Er öffnete mit seinem Schlüssel eine Tür, die das Namensschild DEREK MARTIN trug, betrat die Diele und rief: „Ich bin's, Liebling.“ Dann ging er geradewegs ins Badezimmer. Er schloss die Tür hinter sich ab, stieg auf den Wannenrand, fischte eine Plastikhülle hinter dem Wandboiler hervor, verstaute Revolver und Autofahrerhandschuhe darin, legte die Hülle in das Versteck zurück, wusch sich die Hände, zog die Wasserspülung, um vorzutäuschen, dass er das Klosett benutzt hatte, und ging dann in das mittelgroße, modern und geschmackvoll möblierte Wohnzimmer.

„Hallo, Liebste“, sagte er lächelnd und durchquerte den Raum, um seiner am Fenster sitzenden Frau einen Kuss zu geben.

Eileen Martin war rotblond und attraktiv, neunundzwanzig Jahre alt, eine junge Frau, hinter deren Lächeln sich wache Sorge verbarg.

„Was hat er gesagt?“, wollte sie wissen.

Derek Martin ließ sich in einen Sessel fallen.

„Das Übliche“, sagte er und griff nach einem Zigarettenpäckchen.

„Du sollst doch nicht rauchen!“

„Würde das etwas ändern?“

„Ja“, meinte die junge Frau. „Mit dem Rauchen machst du alles noch viel schlimmer.“

„Ich habe Hunger“, sagte er.

Eileen stand sofort auf. Sie strich sich den Rock glatt, schüttelte das metallisch glänzende, schulterlange Haar zurecht und meinte: „Ich kümmere mich sofort darum, Liebling. In zwanzig Minuten wird gegessen.“

Er blickte hinter ihr her. als sie den Raum verließ. Ihre Bewegungen, ihre Figur, ihre Ausstrahlung begeisterten ihn wie am ersten Tag. Seine Hand zitterte leicht. Wer würde sich um Eileen kümmern, wenn die „Gewissheit“ ihn eingeholt hatte?

Er verdrängte den Gedanken. Er hörte, dass Eileen in der Küche das Radio einstellte. Es lief fast ständig, wenn sie arbeitete. Er wusste nicht, weshalb das so war und nahm sich vor, Eileen danach zu fragen. Er inhalierte tief und blickte dann den sich verästelnden Rauchschwaden nach. Man konnte sich auch mit Banalitäten, mit Nebensächlichkeiten betäuben, aber am Ende blieb doch nur eines: die „Gewissheit“.

Wenn schon! Sein Leben hatte endlich einen Sinn bekommen, einen Inhalt. Es war noch zu früh, um davon zehren zu können, er konnte nicht einmal genau sagen, ob er sich auf dem richtigen Weg befand, aber immerhin stand fest, dass er in diesem Moment, kurz nach seinem ersten Mord, frei von Gewissensbissen und frei von Angst war.

Eileen riss die Tür auf - völlig unerwartet. Sie trat über die Schwelle.

„Carlington ist tot ...“, stieß sie hervor.

„Ja?“, fragte er nur.

„Sie haben ihn ermordet!“

„Sie?“

„Na ja, ein Mann.“

„Geschieht ihm recht, dem Schwein“, sagte Derek Martin.

„Derek, das kann nicht dein Ernst sein!“

„Ich hasse ihn. Daraus habe ich niemals ein Hehl gemacht“, sagte er und drückte die kaum angerauchte Zigarette im Aschenbecher aus. „Haben sie es im Radio durchgegeben?“

„Ja“, sagte Eileen und setzte sich. „dass er so enden musste ...“, seufzte sie.

Er musterte sie scharf.

„Was soll das heißen?“

Eileen zuckte mit den Schultern.

„Du kennst ihn doch. Er war stets so heiter, so selbstsicher, ein ,Hoppla jetzt komm ich Typ‘. Und nun haben sie ihn getötet, abgeknallt wie einen tollen Hund ...“

„Hast du vergessen, was er dir angetan hat?“, fragte Derek Martin scharf.

„Ich war noch ein Kind ...“

„Eben!“, meinte Martin wütend. „Ein Kind, dem er Gewalt angetan hat.“

„Seien wir doch ehrlich. Derek! Ich habe mich nicht gewehrt. Ich fand es höchst schmeichelhaft, dass der schöne Danny sich um mich bemühte. Damals kannte ich dich noch nicht, sonst wäre das mit ihm nicht passiert.“

„Hör auf damit!“

„Schon gut“, sagte sie und erhob sich. „Es musste ja eines Tages so enden. Jemand, der so steil nach oben getragen wird, muss damit rechnen, sich bei einem jähen Sturz das Genick zu brechen.“

„Gibt es schon einen Verdächtigen?“, fragte er.

„Sie haben ein Dutzend Zeugen“, meinte Eileen. „Vom Täter liegt eine genaue Beschreibung vor. Die Polizei meint, es sei nur eine Frage der Zeit, und man würde den Burschen schnappen ...“

„Das sagen sie doch immer.“

„In diesem Fall ist nicht nur die Polizei hinter dem Killer her“, sagte Eileen. „Danny hat Freunde. Er ist ein Mitglied des Syndikates. Du weißt, wie solche Organisationen arbeiten. Sie werden nicht eher ruhen, bis sie seinen Tod gerächt haben.“

„Erst müssen sie den Killer finden ...“

„Das ist für die kein Problem“, meinte Eileen und ging zur Tür. „Wenn es darauf ankommt, arbeiten die mit größerer Effizienz als die Polizei.“

„Diesmal“, sagte Martin, „wird sich ihre sogenannte Effizienz als Bluff erweisen.“

„Warum sagst du das?“, fragte Eileen erstaunt. „Du sprichst so merkwürdig, fast so, als ob du etwas weißt oder dabei gewesen bist.“

Er sah sie nicht an. sondern blickte zum Fenster.

„Der schöne Danny ist tot. Nur das zählt, Liebling. Am liebsten würde ich das Ereignis feiern — aber wenn man wie ich weiß, dass man nur noch vier oder fünf Monate zu leben hat, ist das mit dem Feiern so eine Sache ...“

„Derek!“

Jetzt sah er sie an.

„Verzeih“, sagte er. „Wir hatten vereinbart. das Thema nicht mehr zu berühren ...“

„O Liebling!“, seufzte sie. „Du darfst die Hoffnung nicht aufgeben. Der Arzt kann sich geirrt haben.“

„Er hat sich nicht geirrt.“

„Die Medizin feiert täglich neue Erfolge. Vielleicht erscheint schon morgen ein neues Präparat auf dem Markt, das deine Krankheit heilen kann.“

Er nickte müde.

„Schon gut, Liebling“, sagte er. „Vielleicht behältst du am Ende sogar recht. Aber jetzt kümmere dich bitte um das Essen. Ich habe Hunger.“

Er hatte keinen Appetit, aber er wollte noch ein paar Minuten allein sein. Allein mit seinen Gedanken und mit seinem überwältigendem Plan, diese Stadt von den Hyänen zu befreien, die ihr Lebensblut tranken. Ihm blieb fast ein halbes Jahr, um diesen Plan auszuführen. Danach würde er ein Opfer der „Gewissheit“ werden. Immerhin, seine neue Aktivität verringerte die Angst vor dem Tod, und das Bewusstsein, dass er, der Gute und Unschuldige, sterben musste, war weniger grausam, wenn er daran dachte, dass vor ihm die Bösen, die Schuldigen abtreten würden.

 

 

2

Al Coon war froh, als er seine Kneipe schließen konnte. Die Fragen der Polizei hatten ihn ebenso erschöpft wie die der zahlreichen Reporter. Er setzte sich in die kleine, wie gewöhnlich unaufgeräumte Küche, wo noch bis vor kurzem ein Farbiger, der kleine Sammy, die bescheidenen Essenswünsche der Gäste befriedigt hatte - meist durch Hamburgers auf Toast —, und überlegte, was er Marcello sagen sollte.

Die Wahrheit, was sonst?

Die Sache hatte nur einen Haken. Marcello war ein Skeptiker. Es war schwer, ihn zu überzeugen. Überdies war er grausam. So gefährlich wie eine Sandviper.

Als es an der hinteren Tür klingelte, die von der Küche in die Lieferantengasse führte, erhob sich Al Coon mit einem flauen Gefühl im Magen. Er nahm sich vor, noch einen Whisky zur Stärkung zu trinken, wusste aber schon jetzt, dass ihm der Drink nicht helfen würde. Im Laufe der Jahre hatte die Wirkung des Alkohols immer mehr nachgelassen, und er brauchte schon sehr große Mengen, um jenes Stadium beseligender Euphorie zu erreichen, für das andere, weniger trinkfeste Menschen allenfalls zwei, drei Gläser benötigten.

Er trat an die verriegelte Tür, legte das Ohr gegen die Füllung und fragte: „Wer ist da?“

„Mach auf, Al! Wir sind's“, ertönte eine Männerstimme. Al Coop schob den Riegel zurück. Er hatte die Stimme sofort erkannt. Sie gehörte Marcello. Natürlich war Marcello nicht allein. Das war er niemals.

„Hallo, Gino“. sagte Coon. Er ließ die beiden Männer eintreten. Er hatte Gino Marcellos Begleiter schon mehrmals gesehen, kannte aber nicht dessen Namen. Einer von den harten Burschen aus Albanos Syndikat, für das auch Gino Marcello arbeitete — das genügte.

„Das ist Ken“, stellte Gino kurz vor. „Sind wir allein?'

Coon nickte. Er verriegelte die Tür, machte eine fahrige Handbewegung und sagte: „Setzen wir uns in die Küche oder nebenan? Mir ist beschissen zumute, das dürft ihr mir glauben. Die Kerle haben mir Löcher in den Bauch gefragt. Dieser Rogers ist ein Fuchs. Jedenfalls hält er sich dafür.“

„Setz dich, Al!“, sagte Marcello. Er war mit seinem Begleiter neben der Tür stehengeblieben. Gino Marcello war ein gut aussehender Mann, groß und schlank, ein schwarzhaariger Dandy mit Schnurrbärtchen und gefährlich glitzernden Augen, immer elegant gekleidet. Es war ein Bursche, der es genoss, bei seinen Gesprächspartnern Furcht auszulösen.

Ken, sein Begleiter, war ein robusterer Typ. Er hatte ein kantiges glattrasiertes Gesicht mit seltsam flach wirkenden Grauaugen, in denen sich nicht einmal der Hauch eines Ausdrucks zeigte. Ken trug eine Sportkombination, deren Sakko durch das knallige Karo aufgefallen wäre, wenn in dieser Gegend nicht Muster dieser Art dem täglichen Erscheinungsbild und der allgemein akzeptierten Geschmacksrichtung entsprochen hätten.

Coon setzte sich.

„Wollt ihr nichts trinken?“

„Später vielleicht“, sagte Marcello. Er hatte seine Hände flach in die Taschen seines auf Taille gearbeiteten Anzugsjacketts geschoben. Er wippte kaum merklich auf den Zehenspitzen, was seine Aggressivität betonte. Es schien jedenfalls so, als befände er sich ständig auf dem Sprung — und bei Marcello konnte das nur Angriff, Attacke und Sieg bedeuten.

„Ich kann nur wiederholen, was ich den anderen schon gesagt habe“, bemerkte Coon. „den Bullen und den Presseleuten. Ich habe den Kerl nie zuvor gesehen. Er kam einfach herein, zog seinen Revolver und drückte ab ...“

„Wir haben nachgeforscht“, sagte Marcello beinahe sanft. „Du wusstest, dass Danny kommen würde.“

„He?“

„Er hatte dich vorher angerufen, nicht war?'

„Das stimmt. Er wollte wissen, ob ich ihm die Ware besorgt habe ...“

„Du wusstest also, dass er kommen würde — zwischen vier und fünf“, sagte Marcello.

Coon begann zu schwitzen. Er war schon zu lange in diesem Geschäft, um nicht zu wissen, was diese Fragen bedeuteten und welche Risiken sich mit ihnen verbanden.

„Na gut, ich wusste, dass er aufkreuzen würde, aber ich habe diesen Umstand keinem anderen gegenüber erwähnt — niemandem!“, versicherte Coon.

„Woher wusste der Killer dann, dass Danny hier erwartet wurde?“, fragte Marcello. Der andere schien stumm zu sein. Er hörte nur zu, mit ausdruckslosem Gesicht.

„Er ist ihm gefolgt, nehme ich an.“

„Nimmst du an ...“, sagte Marcello höhnisch. Sein Fuß wippte schneller und kraftvoller.

Coon hob die Augenbrauen.

„Höre mal, Gino — was soll der Unsinn? Du kannst doch nicht im Ernst annehmen, dass ich dem Killer einen Tipp gegeben habe. Ich kenne Danny seit den Tagen, als er praktisch als Rotznase von seiner Straßengang akzeptiert wurde, ich habe seinen Aufstieg miterlebt, ich war sein Freund ...“

„Du hast zweimal versucht, ihn zu hintergehen. Das wissen wir“, sagte Marcello.

„Na. und? Jeder von uns macht mal einen Fehler. Ich habe mich mit Danny ausgesöhnt.“

„Er hat dich windelweich geschlagen, als er dir auf die Schliche kam, nicht wahr?“

„Stimmt, ich musste ein paar Tage im Krankenhaus zubringen“, sagte Coon, der nicht gern an diese leidige Affäre erinnert wurde. Es war schon erschreckend, wie gut diese Burschen informiert waren.

„Seit diesem Erlebnis bist du nicht mehr das, was du einmal warst — der starke Al. nicht wahr?“, sagte Marcello mit süffisanter Stimme. „Ich kann verstehen, dass du das dem schönen Danny nicht vergessen konntest und entschlossen warst, dich zu rächen.“

„Das ist doch Irrsinn!“, begehrte Al Coon auf. „Diese Dinge liegen mehr als zwei Jahre zurück.“

„Was sind schon zwei Jahre für einen, der nicht vergessen kann? Du konntest nicht früher zurückschlagen, du musstest warten, bis scheinbar Gras über die Sache gewachsen war“, vermutete Marcello und hörte auf, mit den Zehenspitzen zu wippen.

„Ich schwöre dir, dass ich mit Dannys Tod nichts zu tun habe, nicht das Geringste!“, sagte Coon scharf. Zorn übermannte ihn. Dieses Gefühl war so stark, dass er sekundenlang seine wachsende Angst vergaß. „Ich bin doch nicht blöd, Mann! Wenn ich so wäre, wie du es mir unterstellst, hätte ich Danny bestimmt nicht in meiner Bude abservieren lassen. Schließlich weiß ich, was das für Ärger bringt.“

„Ja, das wusstest du, aber das war dir egal, denn du wolltest dabei sein, als es passierte. Du wolltest sehen, wie dein Gegner krepiert.“

„Alles Unsinn, Gino“, sagte Coon und winkte ab. „Damit vergeudest du nur Zeit. Suche lieber den Killer, das wäre klüger!“

„Ich bin hergekommen, um mit ihm zu sprechen — und um ihn zu bestrafen“, sagte Marcello.

Coon erhob sich langsam. Er stützte sich mit beiden Händen auf der Tischplatte ab und sagte: „Das kannst du mit mir nicht machen, Gino. Wenn ihr einen Sündenbock sucht, ist das eure Sache. Aber du liegst schief, wenn du meinst, mir eins auswischen zu können.“

„Ken“, sagte Marcello, „nimm ihn in die Mangel!“

Coon zuckte auf den Absätzen herum. Er wich vor Ken vom Tisch bis an die Wand zurück, so dass er neben dem alten soliden Hackklotz stand, auf dem in Griffweite der schwere hölzerne Steakklopfer lag.

Ken bewegte sich leicht geduckt, immer noch mit ausdruckslosem Gesicht. Aber Marcellos Befehl ließ keinen Zweifel an seinen Absichten zu. Ken ballte die Fäuste. Seine Augen wurden schmal, und an seinem Nacken zeichneten sich deutlich die Muskelstränge ab. Er blieb vor Coon stehen, hielt den Blick seines Gegenübers fest und schlug plötzlich zu, praktisch ansatzlos, aber hart und gezielt. Er traf Coon unterhalb der Gürtellinie. Coon riss Mund und Augen auf. Der jähe Schmerz schoss bis in seine Nervenenden, prallte zurück und verdichtete sich zu einem Feuerball in seinen Eingeweiden. Coon schnappte nach Luft.

Ken schlug erneut zu. Diesmal nahm er sich Coons Gesicht vor. Er setzte die Faust genau zwischen dessen Augen. Coons Rechte zuckte zur Seite und packte den Griff des Steakklopfers. Er konterte wild und verzweifelt, nicht wirklich konzentriert. Aber er traf, und er traf beinahe tödlich.

Der schwere hammerähnliche Holzkopf landete krachend auf Kens Schläfe. Der Gangster ging zu Boden wie ein gefällter Baum. Er blieb liegen, ohne sich zu rühren.

Marcello öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Er war sprachlos.

Coon zitterte.

„Es war Notwehr“, krächzte er. Er litt immer noch an Atemnot, und vor seinen Augen tanzten rote Sterne und Pünktchen. Marcello holte eine Pistole aus der Gesäßtasche, eine kompakte, drohend aussehende Bernardelli.

„Lass den verdammten Fleischklopfer fallen!“, zischte er.

Coon schüttelte den Kopf.

„Ihr wollt mich fertigmachen. Ich mache das nicht mit, Gino. Ich habe euch gewarnt!“

„Du weißt, was wir von Verrätern halten. Al — und du wirst am eigenen Leibe erfahren, wie ernst wir das nehmen“, erklärte Marcello und kam langsam näher. Sein Finger hatte den Druckpunkt des Abzugs erreicht.

Coon atmete laut und keuchend. Er hatte den Steakklopfer schlagbereit erhoben, aber angesichts der Pistole in Marcellos Hand wirkte diese Abwehrgeste eher lächerlich als drohend.

„Gib zu, du hast gesungen“, sagte Marcello und blieb stehen. „Dir passiert nichts, wenn du uns den Killer nennst. Wer hat Danny abserviert?“

„Ich singe nicht. Niemals. Ich bin doch nicht lebensmüde“, verteidigte sich der Wirt.

Marcello hob die Waffe.

Coon rechnete damit, dass sein Besucher damit nur zusätzlichen Druck auszuüben versuchte. Aber plötzlich riss Marcello den Abzug durch. Er schoss zweimal kurz hintereinander.

Al Coon spürte die Schläge, die seinen Körper trafen. Aber der Schmerz, der ihnen folgte, war nicht annähernd so schlimm wie die Schwäche, diese plötzliche Hilflosigkeit, die seine Kräfte lähmte und ihn in die Knie sacken ließ. Er spürte, dass die Schwäche rapide zunahm. Er konnte nicht sprechen, er registrierte nur, dass ihn wallende Nebel umfingen, sanft und erschreckend zugleich. Dann kippte er nach vorn, schlug mit der Stirn hart auf den Boden und verlor das Bewusstsein.

Gino Marcello erreichte mit wenigen Schritten die Tür. Er lauschte kurz. Dann schob er den Riegel zurück und warf einen Blick in das Alley. Niemand war zu sehen. Er schloss die Tür und wandte sich dem am Boden liegenden Ken zu. Er kniete sich neben seinen Begleiter und wälzte ihn auf den Rücken. Ken hob die Lider und stöhnte leise. Er hatte sichtlich Mühe, in die Wirklichkeit zurückzufinden.

Marcello wurde ungeduldig. Er schüttelte den Bewusstlosen heftig. Ken stöhnte lauter, kam aber nicht ganz zu sich. Marcello ging in den angrenzenden Schankraum und bediente sich mit einer Flasche und einem Glas, Dann flößte er seinem Komplizen etwas Whisky ein. Das half. Ken schüttelte den Kopf und kam, gestützt von Marcello, auf die Beine. Er massierte sich die Schläfe, lehnte sich gegen die Wand und sah Coon am Boden liegen.

„Du Flasche“, knurrte Marcello ärgerlich. „Wie du siehst, habe ich für dich die Kastanien aus dem Feuer holen müssen.“

Ken nickte.

„Das nächste Mal“, versicherte er, „läuft es besser. Hat er ausgepackt?“

„Nein“, erwiderte Marcello grimmig, „aber das macht nichts. Wir fangen den Vogel auch so. Verlass dich darauf!“

 

 

3

Als Bount Reiniger in seinen Wagen kletterte, bemerkte er, dass jemand im Fond saß. Er nahm sich nicht die Mühe, den Kopf zu wenden. Ein Blick in den am Armaturenbrett angebrachten Spiegel zeigte ihm das blasse, sehr attraktive Gesicht einer jungen Dame. Sie trug ihr sorgfältig zurechtgemachtes dunkelblondes Haar im Stil der dreißiger Jahre und schwamm auch mit ihrem Kleid auf der Nostalgiewelle.

„Hallo“, sagte er. „Haben Sie sich nicht im Fahrzeug geirrt?“

„Nein“, erwiderte sie. „Sie sind Mr. Reiniger, nicht wahr?“

„Von Kopf bis Fuß“, bestätigte er. Erst jetzt warf er einen vollen Blick über seine Schulter. Er stellte fest, dass sich diese Mühe lohnte. Was er von der jungen Frau sehen konnte, gehörte zur Sonderklasse. Besonders auffällig erschien ihm dabei der Kontrast zwischen der üppigen Oberweite und den schlanken, rassigen Beinen.

„Ich bin Adlaine Donnegan, die Frau von Hugh Donnegan“, sagte sie.

„Ah“, sagte er nur. „Und?“

„Ich nehme an, dass Sie Zeitung lesen“, sagte die Frau im Fond nervös. Sie trug dünne weiße Baumwollhandschuhe. an denen sie unruhig herumzupfte. „Sie werden also wissen, dass Danny Carlington ermorden worden ist, und Sie werden erfahren haben, dass der Mörder angekündigt hat, als Nächsten meinen Mann umzubringen.“

Bount Reiniger stieg aus, öffnete die Fondtür und nahm neben der Frau Platz.

„So unterhält es sich besser“, meinte er. „Warum sind Sie nicht zu mir in die Wohnung gekommen?“

„Das hat seine Gründe.“

„Weiß Ihr Mann, dass Sie mich zu engagieren wünschen?“, fragte Bount.

„Nein. Er würde das nicht billigen.“

„Verstehe“, sagte Bount spöttisch. „Ich bin für ihn ein Mann aus dem anderen Lager, fast schon ein Bulle.“

„Das ist nicht der springende Punkt ...“

„Sondern?“

„Ich kann jetzt nicht ganz offen sprechen“, wich sie aus. „Die Sachlage ist komplizierter, als Sie es sich vorstellen können. Wären Sie bereit, den Auftrag anzunehmen? Ich bin bereit, Ihnen einen Vorschuss zu zahlen, jetzt und hier. In bar, versteht sich. Würden tausend Dollar genügen?“

„Wie wäre es mit einer Verdoppelung der Summe?“, fragte er amüsiert. Er wollte nur herausfinden, wie leicht oder wie schwer es war, von seiner attraktiven Klientin Geld zu bekommen. Adlaine Donnegan zögerte keine Sekunde mit der Antwort.

„Also gut“, sagte sie. „Zweitausend.“

Bount schüttelte seufzend den Kopf.

„Es ist schon erschreckend, wie locker Ihnen das Geld sitzt. Sie verfügen über ein eigenes Bankkonto, nehme ich an.“

„Ja.“

„Wird es von Ihrem Mann kontrolliert?“

„Ich glaube nicht. Sie sprechen nur vom Geld und das stört mich“, bekannte Adlaine Donnegan stirnrunzelnd.

„Von diesem Thema verstehen Sie doch sicherlich eine Menge“, meinte Bount mit spöttischem Ernst. „Als Hugh Donnegans Frau ...“ Er beendete den Satz nicht. Es war auch so klar, was er meinte.

Adlaine Donnegan errötete kaum merklich. In ihren großen blauen Augen zeigte sich ein metallischer Glanz. Er deutete an, dass sie nicht ganz so süß war, wie es ihr Äußeres vermuten ließ, und dass sie durchaus zu kämpfen wusste, wenn die Situation es erforderte.

„Wollen Sie mir vorwerfen, ihn geheiratet zu haben?“, fragte sie scharf.

„O nein“, erwiderte Bount. „Das ist ausschließlich Ihre Sache. Hugh ist zwar mindestens dreißig Jahre älter als Sie, sein Ruf ist auch nicht der beste, und jedermann in der Stadt weiß, dass es ein verhängnisvoller, wenn nicht tödlicher Fehler sein kann, sich mit ihm anzulegen. Aber als süßes junges Geschöpf mit Ehekontrakt gibt es für Sie gewiss auch andere wichtige Perspektiven. Zum Beispiel sein Geld und die Sicherheit, die er Ihnen bietet ... Oder lieben Sie ihn?“

„Sie sind unverschämt!“, beschwerte sich Adlaine Donnegan empört.

„Ich kläre nur die Fronten“, sagte Bount. „Wenn ich für jemand arbeite, muss ich wissen, woran ich bin.“

„Genügt es Ihnen nicht zu kassieren?“, fragte Adlaine Donnegan scharf. „Ich habe mir berichten lassen, dass Sie zu den teuersten Privatdetektiven der Stadt gehören.“

„Zu den besten“, korrigierte Bount mit mildem Spott. „Qualität hat ihren Preis — insbesondere dann, wenn der Klient den Preis zahlen kann. Aber bleiben wir bei dem Fall Carlington, der inzwischen auch ein Fall Coon geworden ist. Ich kenne den Fall relativ gut, weil mein Freund, Captain Rogers, dafür zuständig ist. Ich habe mich mit ihm darüber unterhalten.“

„Und welcher Meinung ist er?“

„Ich bin nicht befugt, seine Ansichten zu verbreiten“, sagte Bount. „Halten wir uns erst einmal an das, was die Zeitungen darüber schreiben. Sie schließen nicht aus, dass ein neuer Bandenkrieg begonnen hat. Wie denkt Ihr Mann darüber?“

„Das weiß ich nicht.“

„Wollen Sie damit sagen, dass er Ihnen keinen Einblick in sein Berufsleben bewährt?“

„So ist es. Er trennt Privates immer von geschäftlichen Dingen“, meinte Adlaine Donnegan. „Und es würde ihm nicht mal im Traum einfallen, mich mit seinen Sorgen zu belasten. Er ist im Übrigen so diszipliniert, dass ich nicht einmal merken würde, wenn er Sorgen hat. Sehen Sie eine Möglichkeit, meinem Mann zu helfen?“

„Das ist schwer zu sagen. Natürlich weiß ich, wer er ist. Ich weiß auch, wie schwierig es ist, an ihn heranzukommen. Er hat ein paar Leibwächter, die stets in seiner Nähe sind, nicht wahr?“

„Leibwächter hatte auch Danny Carlington“, sagte die Frau und winkte ab. „Sie waren im entscheidenden Moment nicht bei ihm. Das ist nun mal so. Jeder Prominente hat hin und wieder den Wunsch, allein auszugehen.“

„Ihr Mann wird diesen Wunsch nach der Drohung des Unbekannten wohl kaum haben“, sagte Bount.

„Ich will, dass Sie den Killer finden“, erklärte Adlaine Donnegan. „Mir geht es dabei nicht um das, was er getan hat. Ich kenne weder Carlington noch Coon. Ich will nur erreichen, dass der Mörder kein zweites Mal zuschlägt.“

„Ist Ihnen schon mal der Gedanke gekommen, dass Ihr Mann mit dem Verbrechen zu tun haben könnte?“

„Was?“, entfuhr es der jungen Frau.

Bount nickte gelassen.

„Das ist eine Theorie, die von vielen vertreten wird. Ich muss sagen, dass sie Substanz hat. Nehmen wir einmal an, Carlington war Ihrem Mann im Weg. Oder er war Ihr Geliebter ...“

„Sie haben ja den Verstand verloren“, unterbrach ihn die junge Frau wütend.

Bount lächelte.

„Wie gesagt, es ist nur eine Hypothese“, erklärte er. „Gehen wir davon aus, dass Donnegan einen Grund hatte, diesen Carlington aus dem Weg zu räumen. Was meinen Sie, wäre wohl der beste Weg, sich dabei elegant aus der Affäre zu ziehen? Sie wissen es bereits. Donnegan lässt den Killer diese berühmten letzten Worte ausstoßen, die gegen Donnegan gerichtete Drohung. Damit lenkt er jeden Verdacht von sich ab.“

„Das ist doch absurd!“

„In dieser Branche geschehen noch viel absurdere Dinge“, sagte Bount. „Leute wie Carlington, Donnegan und Genossen verfügen über beträchtliche Fantasie und haben wiederholt bewiesen, dass sie sie zu nutzen verstehen. Ich behaupte nicht, dass ich diese Theorie für richtig halte, ich will Ihnen nur zeigen, mit welchen Überlegungen und Schwierigkeiten ein Mann zu kämpfen hat, der sich des Falles annimmt. Ich kann, um offen zu sein, Ihren Mann nicht beschützen, ohne dabei seine Wege zu kreuzen. Das muss ihm auffallen, und es könnte für mich unter Umständen sogar gefährlich werden. Nicht, dass ich Angst vor dem Risiko hätte — aber ich frage mich, was geschieht, wenn Ihr Mann davon erfährt, dass Sie mich engagiert haben.“

„Das“, meinte die junge Frau nach kurzem Nachdenken, „werde ich ihm im richtigen Zeitpunkt selbst mitteilen. Es wird ihm nur beweisen, wie groß meine Sorge um ihn ist.“

„In Ordnung“, sagte Bount. „Ich nehme den Fall an.“

„Hier ist das Geld“, sagte Adlaine Donnegan und öffnete ihre Handtasche.

Details

Seiten
115
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738951264
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (März)
Schlagworte
killer york detectives

Autor

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Titel: Ich bin es, der Killer: N.Y.D. – New York Detectives