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Texas Mustang #31: Vier Schüsse aus dem Hinterhalt

2021 118 Seiten

Zusammenfassung


US-Marshal Allison möchte eigentlich nur in die nächste Stadt und ein Bett, in dem er sich ausschlafen kann. Da sieht er einen Toten in einem Fluss schwimmen. Nachdem er ihn geborgen hat, wird er angegriffen. Nur knapp entkommt er den Angreifern und erreicht die nächste Stadt. Er will den Ermordeten beim Town-Marshal abgeben, damit der sich der Sache annimmt. In der Stadt erfährt er aber, dass der Tote der Town-Marshal ist und er sich selbst um die Aufklärung des Mordes kümmern muss.

Leseprobe

Table of Contents

Vier Schüsse aus dem Hinterhalt

Copyright

1

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Vier Schüsse aus dem Hinterhalt

Texas Mustang Band 31

Western von Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 118 Taschenbuchseiten.

 

US-Marshal Allison möchte eigentlich nur in die nächste Stadt und ein Bett, in dem er sich ausschlafen kann. Da sieht er einen Toten in einem Fluss schwimmen. Nachdem er ihn geborgen hat, wird er angegriffen. Nur knapp entkommt er den Angreifern und erreicht die nächste Stadt. Er will den Ermordeten beim Town-Marshal abgeben, damit der sich der Sache annimmt. In der Stadt erfährt er aber, dass der Tote der Town-Marshal ist und er sich selbst um die Aufklärung des Mordes kümmern muss.

 

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

Cover: Nach einem Motiv von M. Dixon – Steve Mayer, 2021

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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1

Allisons Körper spannte sich wie eine Stahlfeder. Der US-Marshal war von dem zurückliegenden Ritt hundemüde, doch was er jetzt zu sehen glaubte, ließ ihn schlagartig munter werden.

Mit zusammengekniffenen Augen starrte er über das silbrig glitzernde Wasser des Leek River, an dessen Oberfläche sich kaum Wirbel bildeten. An dieser Stelle war der Fluss zahm. Weiter oben glich er eher einer reißenden Bestie. An jener Stelle zum Beispiel, wo er ungestüm durch die enge Pforte des Crevice Plateaus brach. Da kochte der Fluss und riss alles mit sich fort, was seine Strömung packen konnte.

Doch hier sah man ihm sein Temperament nicht mehr an. Er war so friedlich wie der Kaffeebecher eines müden Cowboys, und ein paar schwimmende Äste wären das einzige, was er an Abwechslung bot.

Nicht ganz.

Ungefähr hundertfünfzig Yard entfernt trieb etwas, was weder wie ein Ast, noch wie ein entwurzelter Baumstamm aussah.

Allison warf seinem Scheckhengst einen hastigen Blick zu.

King beugte seinen Hals und schlabberte in dem seichten Wasser. Das brave Tier war genauso erschöpft wie er selbst.

Aber da gab es offenbar einen, dem ging es noch erheblich schlechter.

„Hoffen wir, dass Hilfe noch nicht zu spät kommt“, murmelte der Marshal düster, während er eilig seinen Revolvergurt löste und auf einen Stein dicht am Ufer legte.

Dann watete er ins Wasser, das schon bald überraschend tief wurde.

Allison musste schwimmen.

Da er seit fast zwei Tagen nur zum Schlafen aus dem Sattel gekommen war, krachten seine Gelenke bedenklich. Aber er schonte sie nicht. Der Teufel mochte wissen, wo dieser Mann immer wieder die Energie hernahm, selbst dann noch verborgene Kräfte zu mobilisieren, wenn andere längst erschöpft waren und nur noch schlafen wollten.

Es war kein Zufall, dass Allison einer der zähesten und gefürchtetsten Gesetzeshüter des ganzen Westens war. Er schenkte sich nichts. Er gab das Äußerste, um das Recht durchzusetzen oder, wie in diesem Fall, Menschen, die sich in einer verzweifelten Lage befanden, seine Hilfe zu bringen.

Mit kräftigen Stößen arbeitete er sich vorwärts. Er ließ sein Ziel keine Sekunde aus den Augen, aber je länger er schwamm, um so größer wurde seine Befürchtung, dass er zu spät kam.

Es handelte sich um einen menschlichen Körper, der mit der sanften Strömung durch das Wasser glitt. Allem Anschein nach ein Mann.

Zwar glaubte Allison, schwache Bewegungen der Arme zu registrieren, doch es konnte sich genauso gut um vom Fluss verursachte Erschütterungen handeln.

Der Marshal hatte sich nicht Zeit genommen, sich seiner Kleidung zu entledigen. Das vollgesogene Zeug behinderte ihn jetzt beträchtlich und verbrauchte zusätzlich Kraft, die er zur Erhöhung des Tempos dringend gebraucht hätte.

Doch diesen Nachteil machte Allison durch verbissene Entschlossenheit wett. Wenn noch etwas zu retten gab, dann wollte er es tun.

Der Mann lag mit dem Gesicht auf dem Wasser. Seine Lederweste blähte sich am Rücken.

Knapp dreißig Yards, bevor Allison ihn erreichte, wurde er von der Strömung, die an dieser Stelle anscheinend etwas energischer wurde, herumgeschwenkt und schlug eine andere Richtung ein, die von dem Marshal wegführte.

Allison reagierte sofort. Er beschrieb einen weiten Bogen und verhinderte dadurch, dass der Mann an ihm vorbeitrieb, bevor er ihn erwischte.

Er schnappte ihn sich im letzten Moment, packte ihn an den Schultern und drehte ihn so behutsam, wie es nur ging, auf den Rücken.

Es gab Allison einen heftigen Stich. Diesen Schmerz verspürte er immer dann, wenn er sich eingestehen musste, zu spät gekommen zu sein.

Aber hier wäre ohnehin nichts mehr zu retten gewesen. Der Mann hatte seinen Tod nicht erst während der letzten drei Minuten gefunden. Sein Gesicht war zwar noch nicht stark aufgedunsen, was den Schluss zuließ, er habe erst kurze Zeit im Leek River gelegen, doch etwas passte absolut nicht zu einem Ertrunkenen. Das waren die vier Einschüsse in seiner Brust.

 

 

2

Allison biss die Zähne zusammen. Ein Toter war schon schlimm genug, ein Ermordeter aber war noch schlimmer. Nie hätte er an solch einen Fund geglaubt, als er auf King ahnungslos zum Ufer des Leek River ritt, um dem Pferd eine Erfrischung und sich selbst eine kurze Ruhepause zu gönnen. Die Gegend war ganz einfach zu friedlich für ein gemeines Verbrechen.

Der Marshal beeilte sich, mit dem Leichnam das Ufer zu erreichen. Er spürte jetzt, dass er fror, was nicht nur an dem eisigen Wasser lag.

Der Tote ließ ihn frösteln.

„Es gibt Dinge, an die kann man sich nicht gewöhnen“, murmelte er halblaut vor sich hin. „Das bringt auch kein noch so harter Job fertig.“

Er schob den Leichnam vor sich her, was beträchtliche Anstrengungen verlangte, denn dessen Hose und Stiefel hatten sich mit Wasser gefüllt.

Sobald Allison wieder Grund unter den Füßen spürte, richtete er sich prustend auf. Er zog den Toten nun nach, und das letzte Stück trug er ihn auf seinen Armen.

Er richtete es so ein, dass er zwanzig Schritte von King entfernt das Ufer erreichte, aber der Mustang-Hengst fand sich augenblicklich bei seinem Herrn ein und musterte mit neugierig gespitzten Ohren dessen Last. Offenbar spürte er, dass etwas nicht in Ordnung war.

Allison entledigte sich seiner Stiefel und kippte das Wasser aus. Dann schlüpfte er wieder hinein und beugte sich über den Toten. Wenn er Glück hatte, wusste er in den nächsten Sekunden, um wen es sich bei dem Erschossenen handelte. Er würde den Unglücklichen zum nächsten Sheriff oder Town-Marshal bringen, dem dann nichts weiter übrigblieb, als sich um die Hintergründe zu kümmern.

Gleichzeitig mit diesem Gedanken bemächtigte sich seiner allerdings der dumpfe Verdacht, dass sich dieses Problem nicht so elegant lösen lassen würde. So oft er in der Vergangenheit mit einer unerwarteten Leiche zu tun gehabt hatte, hatte er sich noch stets selbst damit befassen müssen.

Aber warum sollte er nicht auch mal Glück haben? Wenigstens King zuliebe. Der Scheckhengst hatte sich eine Ruhepause verdient.

Zunächst besah sich der Marshal des Gesicht des Toten.

Wieder durchrieselte ihn das Gefühl aus einem Gemisch von Entsetzen und Zorn. Warum war dieses herrliche Land, das Platz und Auskommen für Millionen von Menschen geboten hätte, immer wieder der Nährboden für Gewalt? Woran lag es, dass Männer einen anderen eiskalt niederknallten, um ihn dann in einen Fluss zu werfen, der den Leichnam vom verräterischen Ort der Gewalttat wegführte?

Was war der Grund für diesen Mord? Wer war der Tote?

Das Gesicht war Allison unbekannt. Der Marshal verfügte über ein erstaunliches Gedächtnis, das sich hauptsächlich auf Personen und Daten bezog, doch diesen Mann konnte er nirgends einordnen.

Sein nasser Schnauzbart hing zerzaust und traurig herunter. Er hatte ja auch allen Grund dazu. Der Tote selbst war mittelgroß, und vermutlich hatte er über beträchtliche Körperkräfte verfügt, die ihm aber nichts genützt hatten.

„Vier Kugeln sind ein bisschen viel für einen einzelnen Mann“, fand Allison. Die Blessur am linken Unterarm stufte er als Streifschuss ein. Lag hier wirklich ein mieser Mord vor, oder hatte der Mann eine faire Chance gehabt?

Das Holster an seinem Revolvergurt war leer. Vielleicht hatte er die Waffe im Fluss verloren, vielleicht aber auch schon während der Auseinandersetzung, bei der er den Tod fand.

An seiner Kleidung fand sich nichts Ungewöhnliches, wenn man davon absah, dass hier und dort ein Fetzen fehlte.

Das baumwollene Hemd wies vier Löcher auf. Vier Löcher, vier Kugeln, von denen zumindest zwei tödlich gewesen waren.

Die Geschosse waren durch die Brust eingedrungen, nicht in den Rücken. Diese Tatsache und der Eindruck, den der Tote insgesamt bei Allison hinterließ, weckte zum ersten Mal die Vermutung, dass vielleicht irgendwo am Ufer des Leek River noch ein zweiter Toter lag.

Als der US-Marshal auf den Lederbeutel stieß, den der Tote um den Hals trug, erhoffte er sich von diesem eine Aufklärung über die Identität. Zu seinem Missvergnügen wurde er auch diesmal wieder enttäuscht.

Der Beutel enthielt drei zusammengefaltete Papiere, ein paar Dollar, einen kleinen Schlüssel und etwas Tabak. Alles war sorgfältig in gewachste Leinwand gewickelt.

Anscheinend ein Mann, dachte Allison, der in weiser Voraussicht damit gerechnet hatte, dass seine Schätze einmal nass werden könnten. Aber sicher hatte er nicht in Betracht gezogen, dass er zu diesem Zeitpunkt selbst schon nicht mehr lebte.

Als er die Papiere entfaltete, stieß er einen leisen Pfiff aus, bei dem King die Ohren spitzte.

Allison hob den Kopf und blickte seinen treuen, vierbeinigen Freund an.

„Das galt nicht dir, King“, sagte er.

Es handelte sich um drei verschiedene Steckbriefe. Der Tote war offensichtlich keiner dieser Gesuchten. Das sah man auf den ersten Blick, selbst wenn die Ähnlichkeit auf Fahndungsblättern eher zufällig war.

Da Allison keine Legitimation finden konnte, war guter Rat teuer.

Vielleicht hatte er einen Sternträger vor sich. Allerdings war von der Blechmarke keine Spur zu entdecken. Die Stelle an der Weste, an der die meisten Gesetzeshüter dieses Ding trugen, war zwar ausgerissen, doch das konnte auch andere Ursachen haben. Schließlich hatte der Leichnam eine, vermutlich nicht auf der ganzen Strecke so sanfte, Reise auf dem Leek River hinter sich. Eine störrische Wurzel, die vom Ufer aus ins Wasser ragte, konnte genügen, um ihn seiner respektgebietenden Erkennungsmarke zu berauben.

Allison wusste auch, dass es genügend Sheriffs gab, die ihren Stern in der Schublade im Office ließen, wenn sie draußen ihrem harten Beruf nachgingen.

Er selbst ließ ja auch öfter den Stern in der Tasche. Wie oft schon hatte er ohne Stern viel ungehinderter nachforschen können, als er es jemals als US-Marshal hätte tun können. Und Allison konnte sich gut daran erinnern, dass so mancher hitzige Sheriff oder Town-Marshal ganz klein wurde, wenn plötzlich ein Marshalstern an Allisons Brust geblinkt hatte.

Der Marshal wandte sich wieder den Steckbriefen zu.

Sie ließen unter Umständen auch auf einen Kopfgeldjäger schießen. Nicht nur in New Mexico fanden diese fragwürdigen Typen hin und wieder ein Ende, wie es hier vorlag. Dieser Job mochte einträglich sein, auf jeden Fall aber war er lebensgefährlich.

Allison hatte mit Kopfgeldjägern nichts im Sinn. Dennoch wäre es ihm nie eingefallen, sie wegen ihres zweifelhaften Berufs umzubringen. Und das stand vor dem Gesetz auch keinem anderen zu. Nicht mal den von ihnen Gejagten.

Es konnte sich natürlich bei dem Toten auch um einen Banditen handeln oder um einen ahnungslosen Unbeteiligten, der ohne eigenes Dazutun in eine lebensgefährliche Geschichte gerasselt war.

Gegen die letzte Möglichkeit sprachen die Steckbriefe, die Allison sorgfältig zusammenfaltete und in seiner Satteltasche verstaute.

Auch den kläglichen Rest des Fundes steckte er zu sich. Er war jetzt sicher: So schnell, wie er ursprünglich angenommen hatte, würde er diesen Mann nicht vergessen können.

Er überlegte, ob es sinnvoll war, ihn mitzuschleppen in der Hoffnung, ihn in der nächsten Ortschaft identifizieren lassen zu können.

Die nächste Ortschaft war in nördlicher Richtung Bugle City. Doch die Leiche war von Süden dahergeschwommen gekommen. Und dort lag Perres, wenn es auch acht oder zehn Meilen weiter war als Bugle City.

Allisons Entschluss stand fest. Er würde nach Perres reiten und sich mit dem dortigen Town-Marshal in Verbindung setzen. Dabei war es erfolgversprechender, wenn er den Toten mitnahm, anstatt ihn an Ort und Stelle zu begraben.

Der Mann wies zwar ein paar mächtige, kennzeichnende Narben im Gesicht und auch am Oberkörper auf, doch die waren in dieser Gegend eher Teil einer Uniform als ein Unterscheidungsmerkmal.

Der Marshal ging zu der Stelle, an der er den Revolvergurt zurückgelassen hatte, hob ihn auf und schnallte ihn sich wieder um.

Dann kehrte er zu dem Toten zurück und hob ihn auf den Sattel seines Pferdes.

Das war der Moment, an dem Allison einen verhängnisvollen Fehler beging.

Als King unwillig schnaubte, glaubte er, dem müden Pferd sei die zusätzliche Last nicht angenehm.

Er klopfte ihm beruhigend den Hals und sagte: „Keine Sorge, mein Freund! Dafür gehe ich zu Fuß. Wenigstens einen Teil der Strecke. Dann kann ich auch gleichzeitig besser die Gegend untersuchen. Vielleicht finde ich den Ort, an dem das blutige Geschehen stattfand.“

Er rückte den Toten zurecht. Es war ein Anblick, der ihn mit Grimm erfüllte, obwohl ihm der Mann völlig fremd war und er noch nicht die geringste Ahnung hatte, ob ihn nicht gar die Kugeln eines Sheriffs und dessen Aufgebots gefällt hatten. Sooft der US-Marshal einen Mann sah, der mit Händen und Füßen nach unten quer über einem Pferderücken hing, wurde ihm bewusst, dass das nicht in Ordnung sein konnte. Man durfte sich nicht damit abfinden.

Niemals!

King stieß seinem Herrn mit dem weichen Maul sanft gegen die Brust. Er schien verstanden zu haben.

Aber Allison hatte nicht verstanden, dass das Tier ihn hatte warnen wollen. Auch kluge Männer, die eine verschworene Gemeinschaft mit ihrem Pferd bildeten, deuteten schon mal ein Signal falsch. Besonders dann, wenn sie total erschöpft waren und ihre Gedanken durch ein überraschendes Ereignis in ganz bestimmte Richtungen gezwungen wurden.

Doch solche Fehler rächten sich.

 

 

3

Allison ließ den Hengst hinter sich herlaufen. Zu Beginn war der Uferstreifen noch mühelos begehbar, und der Marshal achtete sorgfältig auf eventuelle Spuren, die auf einen Kampf oder Überfall hindeuteten.

Auch das jenseitige Ufer ließ er dabei nicht außer acht.

Allerdings fand er nichts, was seine Aufmerksamkeit besonders erregt hätte.

Erst allmählich rückten die Felsen, die bisher respektvollen Abstand gehalten hatten, dichter heran. Der Boden wurde steiniger, schließlich gar felsig, und der Pfad, den er benutzen musste, verengte sich so, dass Allison den Schecken am Zügel führen musste.

Seine Müdigkeit blieb, doch er zwang sich zur Wachsamkeit

Nach ungefähr drei Stunden, die Dämmerung brach schon zögernd herein, sah er das Crevice Plateau vor sich.

An dieser Stelle durchschnitt der Fluss die Berge. Er bildete einen steilen, wenn auch nur kurzen Canyon, der höchstens sechs Yards breit war.

Das Wasser staute sich jenseits des Canyons, kämpfte mit sich selbst einen verbissenen Kampf aus Schaum, Getöse und Dampf und erbrach sich schließlich befreiend aus der schmalen Spalte. In wilden, ekstatischen Tänzen setzte es seinen ungezügelten Weg fort, wobei ihm jeder Tanzpartner recht war, und kam erst nach einigen Meilen wieder zur Vernunft.

Es war ein erhabenes Naturschauspiel. Die majestätische Kraft des Wassers focht einen selbstzerstörerischen, aber fairen Kampf gegen den unbeugsamen und doch bezwingbaren Fels.

Doch das war es nicht, was Allison in diesem Moment erregte.

Oben am Plateau, wo der Fluss vor Tausenden von Jahren seine Arbeit begonnen hatte, wuchsen direkt am Einschnitt zu beiden Seiten ein paar verkrüppelte Bäume. Ihre Wurzeln hatten solange nach einem Halt zwischen den Felsen gesucht, bis sie ihn fanden, und nun sogen sie gierig die Feuchtigkeit auf, die aus der Tiefe heraufdampfte. Karge, aber offenbar ausreichende Mahlzeit.

Ihre knorrigen Äste boten allen möglichen Vögeln willkommene Nistplätze. Hier oben war ein idealer Ausgangspunkt für Beutezüge und ein Platz, der sie vor natürlichen Feinden weitgehend schützte.

Eines dieser Nester war heruntergerissen worden und hing nun an einigen starken Halmen über dem schwindelnden Abgrund. Darunter befand sich eine regelrechte Schneise in dem dürftigen Bewuchs der Canyonflanke.

Die Schleifspur war kaum wahrnehmbar, denn es handelte sich lediglich um ein paar Gräser und hier und dort ein winziges Moospolster, das sich auf dem nackten Fels angesiedelt hatte und nun an einer bestimmten Stelle förmlich wegradiert war. Doch Allisons scharfe Augen übersahen selbst in der zwielichtigen Dämmerung dieses alarmierende Zeichen nicht.

Er kniff die Augen zu engen Spalten zusammen und wischte darüber.

„Sieht ganz so aus, als hätten wir gefunden, wonach wir suchten“, murmelte er. Er schickte seinen Blick nach oben zu dem Baum, konnte aber auf diese Entfernung nichts Genaueres erkennen.

Der Marshal seufzte, aber in diesem Seufzen schwang ein Grimm, der deutlich werden ließ, dass Allison eher bereit war, vor Müdigkeit aus dem Sattel zu kippen, als gerade jetzt die Suche zu unterbrechen.

Das Plateau lag in einer Höhe von ungefähr dreißig Yard. Auf dieser Seite fielen die Felsen nahezu senkrecht ab.

Aber es gab weiter westlich einen Pfad, den er sowieso benutzen musste, wollte er den Canyon passieren. Es war ein Umweg, und er führte ein Stück von der Stelle weg, die ihn brennend interessierte, doch eine andere Möglichkeit sah er nicht. Weder mit King, noch zu Fuß war es möglich, diese Wand ohne entsprechende Hilfsmittel zu bezwingen.

Allison hielt sich etwas rechts und stieß schon nach wenigen Minuten auf den gesuchten Pfad.

Die bewusste Erregung, die er immer dann spürte, wenn er die Antwort auf eine seiner Fragen vor sich sah, bemächtigte sich seiner. In solchen Augenblicken fiel die Müdigkeit wie ein zu weiter Mantel von ihm ab. Er war nur noch ein Mann, der den Spuren eines Verbrechens folgte.

Der Pfad wand sich steiler in die Höhe, als er dem Schecken in dieser Verfassung sonst zugemutet hätte. Aber er durfte ihn nicht zurücklassen. Er hätte sich sonst zu sehr entblößt. In einer Gegend, in der vor noch nicht allzu langer Zeit ein Mord geschehen war, bedeutete es Lebensgefahr, auf sein Pferd zu verzichten.

King senkte den Kopf und schritt sicher voran. Allison hatte mit ihm schon manchen halsbrecherischen Grat passiert. Er konnte sich auf dessen Trittsicherheit verlassen. Trotzdem hatte sich schon häufig ein lockerer Stein, etwas rutschendes Geröll in einer solchen Auseinandersetzung als Sieger erwiesen.

Der Pfad schlang sich kurvenreich durch das Massiv. Allison erreichte die Stelle, an der er sich noch weiter westlich hätte halten müssen, wollte er die Crevice Mountains hinter sich lassen.

Doch das hatte er jetzt noch nicht im Sinn. Er musste zum Plateau. Deshalb schwenkte er nach Süden ein und Minuten später nach Osten.

Hier wurde das Gelände begehbarer. Der Pfad weitete sich aus und verschwand schließlich ganz, indem er in einem plattformähnlichen Gelände mündete.

Das Schlimmste war geschafft. Nun musste er noch ungefähr eine halbe Meile reiten, bis er wieder am Canyon war.

Im diffusen Licht der verschwindenden Sonne sah er die verkrüppelten Bäume wie Schemen vor sich. Sie erhoben sich wie stumme Wächter. Das Verbrechen, das an dieser Stelle geschehen war, hatten sie allerdings nicht verhindern können.

Allison saß ab, bevor er den äußersten Rand erreichte. Seine Hoffnung, deutliche Spuren der Mörder zu finden, schwand schnell.

Das Plateau war felsig. Nur dort, wo sich aufgrund der Wechselwirkung von Kälte und Hitze Spalten gebildet hatten, hatte sich vom Wind herangetragener Sand festgesetzt. Hier war der Nährboden für die kümmerlichen Holzgewächse entstanden.

Der Scheckhengst blieb gehorsam dort stehen, wo Allison ihn zurückließ. Er schnaubte enttäuscht. Vermutlich hatte er sich nach der Kletterpartie wenigstens ein paar Grashalme erhofft.

Der Marshal hielt den Blick gesenkt, während er sich der Kante näherte. Hier fand er den Baum mit dem abgerissenen Vogelnest wieder.

Es war nicht das einzige Nest, aber die anderen waren alle bombensicher verankert. Durch den Wind, selbst wenn er recht heftig über das Plateau blies, ließen sie sich keinesfalls losreißen.

Hier musste Gewalt angewendet worden sein. Das bestätigte auch die Schleifspur darunter. Da aber keine lockeren Felsbrocken herumlagen, von denen einer in die Tiefe gestürzt sein konnte, war Allison überzeugt, dass sein unbekannter Toter die Bresche geschlagen hatte.

Er hielt sich solange auf, bis er nichts mehr sehen konnte, aber in dieser kurzen Zeit fand er den Beweis. Es war ein kleiner Stofffetzen von der Art, wie er zu der zerfetzten Weste des Erschossenen passte. Und es waren Blutspuren, die als bräunliche Flecken ungefähr fünf Yard von der Kante bis zu der Stelle verliefen, an der der Sturz in den reißenden Fluss seinen Anfang nahm.

Allison steckte den Fetzen in seine Tasche und kehrte zu King zurück. Er tätschelte ihm den Hals und erntete dafür ein dankbares Schnauben.

„Heute können wir nichts mehr tun, mein Alter“, sagte der Marshal. „Weiter unten suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen, an dem wir die Nacht verbringen, und morgen sollen uns die Burschen kennenlernen.“

Er schwang sich hinter dem Toten in den Sattel und überließ dem Schecken die Zügel.

Zum Glück hatte der Mond ein Einsehen. Er stellte wenigstens die Hälfte seiner Scheibe als Beleuchtung zur Verfügung. Dadurch verpassten sie die Abzweigung nicht, und als das Gestein bröckliger wurde und sich hier und dort sogar ein Strauch blicken ließ, wusste Allison, dass sich in höchstens einer halben Stunde das Gelände zum Lagern eignen würde.

Er wurde nicht enttäuscht. Früher, als er angenommen hatte, öffnete sich der Pfad zu einem flachen Kessel, in dem es zwar nichts als Steine gab, aber Futter und Wasser für King führte er noch ausreichend mit sich, und sein eigener Proviant war auch noch nicht erschöpft.

„Wie gefällt dir diese Weide?“, fragte er, ohne eine Antwort zu erwarten.

Doch er erhielt eine Antwort. Eine Antwort, die ihn misstrauisch werden ließ.

King hatte die Ohren aufgestellt und den Kopf gegen den Wind gedreht. Dorthin, wo sie morgen den Weg fortsetzen wollten. Der Kessel weitete sich an dieser Stelle, und von früheren Ritten, die allerdings schon Jahre zurücklagen, wusste Allison, dass dort das Gelände an Rauheit verlor und allmählich in einer sanften Hügelkette nach Süden auslief.

Das Pferd wurde unruhig.

Mit Ausnahme des zurückliegenden Leek River war Wasser hier nicht zu erwarten.

An den Toten auf seinem Rücken hatte sich das Tier auch längst gewöhnt.

Blieb also nur noch die Nähe eines Feuers, eines Raubtiers oder von Menschen.

Kaum hatte Allison diesen Gedanken zu Ende gedacht, als er sich instinktiv aus dem Sattel fallen ließ.

Keinen Atemzug zu früh, denn das Projektil, das über ihn hinweg fauchte, hätte ihn getroffen.

Mit seinem linken Arm milderte er den Aufprall, mit der Rechten zog er gleichzeitig den Revolver und zog den Hammer zurück.

Irgendwo vor ihm kauerte ein Heckenschütze, der etwas gegen ihn hatte. Der Verdacht drängte sich auf, dass der Tote etwas damit zu tun hatte. Aber was?

Während sich zwei weitere Schüsse an den hinter ihm liegenden Felsen brachen und das Blei gefährlich dicht an ihm vorbei zischte, hielt Allison seinen Revolver in der Faust und rollte sich hinter einen Gesteinsbrocken.

Davon gab es hier zum Glück genügend.

Seine größte Sorge galt jetzt King. Wenn das edle Tier eine Kugel des oder der Banditen traf, verlor er mehr als nur ein Pferd.

„Schau zu, dass du weiterkommst, Junge!“, raunte er, und der Schecke setzte sich gehorsam in Bewegung. Er trabte zurück, und keiner konnte einen Sinn darin sehen, ihn abzuknallen, wenn er ohnehin nicht als Deckung benutzt wurde.

Allison wartete, bis er die nächsten Mündungsblitze aufflammen sah. Dann schoss auch er. Er stellte schnell fest, dass es sich allem Anschein nach um drei Männer handelte, die ihn aus irgendeinem Grund, den er noch herausfinden musste, nicht mochten.

Seine Lage war nicht besonders rosig. Den Weg mit Gewalt und Schnelligkeit zu erzwingen, war ausgeschlossen. Die Burschen würden ihn aus dem Sattel holen, bevor er noch richtig drinsaß.

Ein Rückzug versprach ebenfalls keinen Erfolg. Er müsste sich zwischen dem steilen Pfad bergab und dem Plateau entscheiden.

Im ersten Fall hatten die drei keine Mühe, ihn ins Visier zu nehmen und in aller Ruhe abzuknallen. Auf dem Plateau blühte ihm ein ähnliches Schicksal. Dort gab es nicht die geringste Deckung. Und den Sprung über die sechs Yard breite Schlucht konnte er mit King nicht wagen. Selbst dann nicht, wenn er den Leichnam zurückließ. Der Fels war dort oben glatt und blank. Zum Absprung benötigte das Tier einen griffigeren Boden, sollte nicht ein Todessturz daraus werden.

In einer ähnlichen Lage hatte sich der Tote auch befunden, bevor er erschossen worden war. Sollte es ein Zufall sein, dass der Mann drei Steckbriefe bei sich trug und jetzt drei Killer ein Scheibenschießen auf ihn veranstalteten?

Allisons Winchester steckte noch im Scabbard. Er hatte sie in der Eile nicht mehr an sich bringen können. Aber mit dem Gewehr wäre er in dieser Situation ohnehin zu unbeweglich gewesen.

Noch steckten die Halunken offenbar hinter dem gleichen Felsen. Vielleicht hatte sie sein plötzliches Auftauchen überrascht, mehr sprach allerdings dafür, dass sie ihn schon eine ganze Zeit beobachteten.

Jetzt fiel dem Marshal Kings eigenartiges Verhalten dort unten am Fluss ein, als er ihm den Toten auflud. Hatte das aufmerksame Tier vorhin schon die Burschen ausgemacht und wollte ihn warnen?

Oh, King! Nach einem Hut voll Schlaf wäre mir das wahrscheinlich nicht passiert, dachte Allison. Aber für diese Erkenntnis war es jetzt zu spät. Die Kerle mussten ihm in sicherem Abstand gefolgt sein, und als sie erkannten, dass er nicht nur den Leichnam wegschaffte, sondern sich offensichtlich näher für die Todesursache interessierte, wurde er ihnen unbequem.

Allison lachte grimmig in sich hinein. Wie unbequem ich werden kann, dachte er, werdet ihr erst noch erfahren.

Vorläufig fühlten sich die Banditen allerdings noch recht wohl. Sie deckten ihn mit Kugeln ein, obwohl sie momentan keine Chance hatten, ihn zu treffen. Aber sie wollten wohl auch nur erreichen, dass er sich hinter seinem Felsbrocken nicht vorwagen konnte.

Blieb eigentlich nur noch ein Ausharren an seinem Platz und die Hoffnung, dass sie die Lust verloren, bevor sie ihn erwischten.

Aber dieser Gedanke schmeckte Allison durchaus nicht. Er war kein Mann, der gewohnt war stillzuhalten. Mit einer solchen Einstellung wäre er nie US-Marshal geworden. Er war dafür, Entscheidungen zu erzwingen. Nicht mit dem Kopf durch die Wand und blindlings in die Kugel hinein, sondern mit raffinierter Taktik, die auch dann noch einen Weg fand, wenn es eigentlich keinen mehr gab.

Mit allem würden die drei Galgenvögel rechnen, nur nicht damit, dass ein einzelner Mann sie angriff. Sie glaubten ihn in der Falle und sich selbst in sicherer Deckung. Um so mehr verlockte es ihn, den Spieß einfach umzudrehen. Es interessierte ihn schon mächtig, wer sich nicht verkneifen konnte, ihm Blei vor die Stiefel zu werfen.

Er musste ihre Deckung aufbrechen, ohne sich selbst eine entscheidende Blöße zu geben.

Jetzt verfluchte er den Mond, der seinen Standort für die Gegner deutlich erkennen ließ. Außerdem fiel sein Schatten so ungünstig, dass sie fast jede seiner Bewegungen hinter dem Stein verfolgen konnten.

Ein unerbittliches Lächeln lag auf Allisons Gesicht. Sie sollten alles beobachten. Darauf baute er seinen Plan. Es war ein Spiel voller Risiko. Doch wenn er sich überlegte, wie er selbst reagieren würde, erschien ihm die Sache schon nicht mehr so aussichtslos. Zumindest war es eine Chance. Die einzige, die sich ihm momentan bot.

Die leergeschossenen Kammern seiner Revolvertrommel füllte er vorsorglich. Nichts war unangenehmer, als im entscheidenden Augenblick das höhnische „Klick“ zu hören.

Dann kramte er in seinen Taschen und holte aus einer seinen Tabaksbeutel heraus. Den Tabak leerte er zur Hälfte aus und füllte dafür ein paar der kleinen Steine, von denen es in seiner unmittelbaren Umgebung genügend gab, hinein. Er band den Beutel zu und wartete auf einen günstigen Augenblick.

Da dieser nicht von selbst eintrat, lockte er ihn herbei. Er hob seinen Hut ein wenig hinter dem Felsen in die Höhe, und obwohl sich die Banditen denken konnten, dass sein Kopf nicht darin steckte, feuerten sie trotzdem wie wild darauf.

Das gute Stück war nun keinen Quarter mehr wert, aber Allison hatte damit erreicht, dass mindestens die Hälfte der gegnerischen Trommelkammern leer waren.

Er ließ den Banditen keine Zeit zum Nachladen. Nun musste alles blitzschnell gehen. Er konzentrierte sich, holte mit dem rechten Arm aus, den Revolver hatte er in die Linke gewechselt, und schleuderte den Beutel genau dorthin, wo die Burschen sich versteckt hielten.

Dazu musste er für kurze Zeit seine Deckung aufgeben und erntete dafür ein paar Brocken Blei, die jedoch keinen Schaden anrichteten. Einen der kritischsten Momente hatte er überstanden, und die Revolver auf der anderen Seite waren noch leerer geworden.

Natürlich interessierten sich die drei Unsichtbaren für den Sinn seiner Operation. Sie hatten den dunklen Gegenstand fliegen sehen und wussten, dass er ziemlich dicht vor ihrer Deckung gelandet war.

„Jetzt hat’s ihn erwischt“, grölte einer. Die Stimme klang rau und nach zu viel Brandy. „Er versucht, uns mit Steinen totzuwerfen.“

Die anderen lachten kehlig.

Aber einer mahnte zur Vorsicht. „Das war kein Stein. Sah eher wie ein Lederbeutel aus.“

„Du meinst, es war der Lederbeutel?“

„Warum nicht. Vielleicht will er sich freikaufen.“

Was Allison wirklich wollte, zeigte er ihnen sofort. Er trennte sich endgültig von seinem Hut. Mit einem Streichholz setzte er ihn in Brand, was die Gauner deutlich sehen konnten.

„Was, zum Teufel, hat er vor?“, plärrte einer beunruhigt.

„Sieht nicht nach einem Lagerfeuer aus.“

Allison wartete, bis der Hut leidlich brannte, dann holte er aus...

„Verdammt! Der Dreckskerl will uns in die Luft jagen“, tönte es herüber. „In dem Beutel ist Pulver.“

„Nichts wie weg, Steel! Den kaufen wir uns ein andermal.“

Sie brachen hinter ihrer Deckung hervor und feuerten, was noch in den Trommeln steckte. Das war nicht viel.

Allison ließ ihnen keine Zeit, zur Besinnung zu kommen. Schon bald mussten sie merken, dass keine Detonation erfolgte. Bis dahin wollte er alles entschieden haben.

Geduckt jagte er seitlich durch den Talkessel. Er hoffte, ihnen den Weg abschneiden zu können.

Er stieß einen Pfiff aus, worauf er schon bald King antraben hörte.

Er jagte den Banditen ein paar Kugeln hinterher, damit sie nicht erst wieder auf dumme Gedanken kamen. Dann zerrte er den Toten von Kings Rücken, sprang in den Sattel, und während er die Winchester aus dem Scabbard zog, jagte er den ersten Hügel hoch, von dessen Kamm aus er die Fliehenden sehen konnte.

Sie hatten ihre Pferde, die sie ein Stück zurückgelassen hatten, erreicht und galoppierten nun davon. Keinem von ihnen schien einzufallen, den Angriff auf ihren Gegner zu wiederholen. Sie sahen ein, dass die Fronten jetzt wieder offen waren. Der Überraschungseffekt war dahin, ihr Widersacher würde sich kaum ein zweites Mal in eine Falle locken lassen. Die Geschichte mit der nicht stattgefundenen Explosion hatte ihnen vor Augen geführt, dass sie es nicht mit einem Wald und Wiesen Cowboy zu tun hatten, sondern mit einem Mann, an dem man sich die Zähne ausbeißen würde.

Allison stellte das Feuer ein, als die Schießerei nur noch auf eine Verschwendung von Munition hinauslief. Er zügelte den Scheckhengst, der der Aufforderung nur zu gern Folge leistete.

Der Marshal glaubte nicht, dass er diese Nacht noch einen weiteren Besuch erhalten würde. Das verleitete ihn allerdings nicht dazu, unaufmerksam zu werden. Er war gewarnt. Die Gegenseite hatte ihn ins Spiel gebracht. Wenn er vorher noch mit dem Gedanken gespielt hatte, den Toten dem zuständigen Sheriff zu überlassen, so konnte er sich jetzt unmöglich mehr aus der Sache her-aushalten. Hier ging es um mehr als lediglich um eine Meinungsverschiedenheit mit tödlichem Ausgang.

Es war sinnlos, jetzt gleich die Verfolgung aufzunehmen. King war völlig ausgepumpt. Die Pferde der Banditen dagegen hatten einen verhältnismäßig frischen Eindruck gemacht. Morgen früh würde er sich auf ihre Fährte setzen, und er wollte seine Nase erst wieder herunternehmen, wenn er die Verbrecher dem zuständigen Richter übergeben hatte.

Langsam ritt Allison in den Talkessel zurück. Hier hatte er den Toten zurückgelassen.

Details

Seiten
118
Jahr
2021
ISBN (eBook)
9783738951240
Sprache
Deutsch
Erscheinungsdatum
2021 (März)
Schlagworte
texas mustang vier schüsse hinterhalt

Autor

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Titel: Texas Mustang #31: Vier Schüsse aus dem Hinterhalt